Ford und GM stützen insolventen Zulieferer – Rettungsgespräche über Milliardenfinanzierung
Vorfinanzierung statt Lieferstopp
Nach Informationen aus Verhandlungskreisen soll ein Konsortium mehrerer Autobauer bereit sein, künftige Teilelieferungen im Voraus zu bezahlen. Damit würde First Brands kurzfristig Liquidität erhalten, um den Betrieb während des Sanierungsverfahrens aufrechtzuerhalten. Die Gespräche stünden kurz vor dem Abschluss, auch wenn ein Scheitern noch möglich sei.
Ford gilt dabei als besonders exponiert. Der Konzern bezieht von First Brands unter anderem wichtige Komponenten für den F-150, das meistverkaufte Fahrzeugmodell in den USA. Ein Ausfall des Zulieferers würde die Lieferketten empfindlich treffen.
Schuldenberg von bis zu 50 Milliarden Dollar
First Brands hatte Ende September Gläubigerschutz beantragt. In den Unterlagen zum Chapter-11-Verfahren bezifferte das Unternehmen seine Verbindlichkeiten auf 10 bis 50 Milliarden Dollar, während die Vermögenswerte auf 1 bis 10 Milliarden Dollar geschätzt wurden. Zu dem Portfolio gehören bekannte Marken wie Autolite, Cardone und Brake Parts.
Bereits am Montag kündigte der Konzern an, Teile des Nordamerika-Geschäfts herunterzufahren, während andere Sparten weiterlaufen sollen. Parallel läuft ein Verkaufsprozess, bei dem sowohl der Gesamtverkauf als auch die Veräußerung einzelner Geschäftsbereiche geprüft wird.
Risiko für die gesamte Autoindustrie
Der Fall zeigt die wachsende Verwundbarkeit der Lieferketten. Steigende Zinsen, hohe Schulden und der Strukturwandel hin zur Elektromobilität setzen viele Zulieferer unter Druck. Für Hersteller wie Ford und GM geht es nicht nur um einen einzelnen Partner, sondern um die Stabilität ganzer Wertschöpfungsketten.
Eine Rettungsfinanzierung für First Brands wäre daher weniger ein klassischer Sanierungsfall als vielmehr eine strategische Maßnahme, um Produktionsausfälle und weitere Dominoeffekte in der US-Autoindustrie zu verhindern.


