Finanzierungsengpass bei der Bahn: Zusätzliche Mittel reichen nicht aus
Trotz der milliardenschweren Unterstützung aus dem Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes zeichnet sich für die Deutsche Bahn ein drohender Mittelengpass ab. Bahnchef Richard Lutz äußerte die Befürchtung, dass ohne weitere Finanzierungsquellen der Ausbau und die Modernisierung des Schienennetzes ins Stocken geraten könnten. Er lobte zwar die zusätzliche Förderung als "superklasse" und einen wichtigen Schritt in Richtung eines stärkeren Schienenverkehrs, wies aber zugleich darauf hin, dass die Mittel langfristig nicht ausreichen werden.
Aktuell veranschlagt der Bedarf bis 2029 etwa 45 Milliarden Euro, um Sanierungen und Digitalisierung voranzutreiben. Mit den geplanten Mitteln bis 2026 ist man zwar auf einem guten Weg, doch von den notwendigen 45 Milliarden fehlen bis 2029 rund 17 Milliarden Euro. Das Kabinett hatte sich für insgesamt 107 Milliarden Euro an Infrastrukturinvestitionen bis 2029 ausgesprochen, eine Summe, die sich vor allem aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen speist.
Ein wesentlicher Anteil dieser Mittel entstammt jedoch Umschichtungen aus dem Bundeshaushalt und geplanten Eigenkapitalzuführungen. Die tatsächlich neuen Mittel aus dem Sondervermögen beziffert Lutz lediglich auf 29 Milliarden Euro. Wie sich die endgültige Finanzierung gestalten wird, hängt letztlich von den Entscheidungen des Bundes und des Parlaments ab, die maßgeblich die zukünftige Entwicklung der Schieneninfrastruktur bestimmen werden.
Gleichzeitig äußerte Verkehrsminister Patrick Schnieder Verwunderung über die Äußerungen des Bahnchefs. Laut Schnieder seien die vorgesehenen 107 Milliarden Euro bis 2029 auskömmlich, und die ihm vorliegenden Zahlen würden keinen zusätzlichen Bedarf aufzeigen.
Unterdessen leiden Fahrgäste weiterhin unter den Verspätungen im Fernverkehr, die überwiegend auf infrastrukturelle Probleme zurückzuführen sind. Die Generalsanierung vielbefahrener Strecken hat sich bereits um einige Jahre verzögert, sodass die letzte Strecke erst 2035 modernisiert werden soll. In naher Zukunft wird die Diskussion über den Zeitplan weitergeführt, wobei das Spannungsfeld zwischen nötiger Bauaktivität und laufendem Betrieb ein zentrales Thema bleibt.

