Fed bleibt hart: Powell hält Zinsen stabil – und der Dollar verliert dennoch an Vertrauen
Inflationsziel noch nicht erreicht
Hauptargument der Fed gegen Zinssenkungen bleibt die Inflation. Mit zuletzt 2,7 Prozent liegt sie weiterhin deutlich über dem offiziellen Ziel von zwei Prozent. Auch der US-Arbeitsmarkt zeigt sich robust und stabil, was aus Sicht der Währungshüter keinen akuten Handlungsdruck erzeugt. Powell betonte, die Notenbank werde ihre Arbeit „in Würde und Integrität“ verrichten – eine Formulierung, die in Zeiten offener politischer Angriffe auf die Unabhängigkeit der Fed besondere Bedeutung hat.
Zinssenkungen – aber erst später
Ökonomen erwarten zwar im Jahresverlauf 2026 zwei Zinssenkungen, doch der frühestmögliche Zeitpunkt dürfte der Sommer sein. Nach Einschätzung der LBBW könnte die erste Lockerung frühestens zur Juni-Sitzung erfolgen – und damit unter dem Nachfolger von Powell, dessen Amtszeit ausläuft. Bis dahin bleibt die Geldpolitik restriktiv.
Märkte bleiben ruhig – der Dollar nicht
An den Aktienmärkten blieb die Reaktion verhalten. Die großen US-Indizes bewegten sich kaum, auch der Euro-Dollar-Kurs zeigte nur kurzfristige Ausschläge. Doch strukturell ist der Trend klar: Der Dollar hat seit Anfang 2025 rund 15 Prozent gegenüber dem Euro verloren – trotz eines erheblichen Zinsvorsprungs gegenüber der Eurozone, wo der EZB-Einlagensatz bei nur 2,0 Prozent liegt.
Normalerweise wäre ein solches Zinsdifferenzial ein starkes Argument für eine Aufwertung der US-Währung. Dass der Dollar dennoch schwächelt, deuten Marktbeobachter als Zeichen eines schleichenden Vertrauensverlustes – ausgelöst durch politische Unsicherheiten, wachsende Staatsverschuldung und die offenen Konflikte zwischen Präsident Donald Trump und der Notenbank.
Politischer Druck auf die Notenbank
Trump selbst zeigte sich unbesorgt über den fallenden Dollar. Die Währung habe sich „hervorragend“ entwickelt, sagte er, und verwies vage auf gute Geschäfte der USA. Gleichzeitig hatte er in den vergangenen Monaten die Fed wiederholt scharf angegriffen und sogar mit juristischen Schritten gegen einzelne Notenbanker gedroht – ein beispielloser Vorgang in der modernen US-Geschichte.
Für Investoren ist damit weniger der aktuelle Zinsentscheid entscheidend als das institutionelle Umfeld. Die Unabhängigkeit der Fed gilt als Fundament der globalen Dollar-Dominanz. Wird sie politisch infrage gestellt, verliert der Dollar seinen Status als uneingeschränkte Vertrauenswährung – selbst bei hohen Zinsen.
Stabiler Zins, fragile Glaubwürdigkeit
Der heutige Beschluss zeigt: Geldpolitisch bleibt die Fed vorsichtig und datengetrieben. Doch die eigentliche Spannung liegt nicht im Zinsniveau, sondern im politischen Kontext. Die Märkte beginnen, nicht mehr nur Inflation und Arbeitsmarkt zu bewerten, sondern auch die Stabilität der Institutionen hinter der Weltleitwährung.
Der Leitzins bleibt hoch. Das Vertrauen in den Dollar hingegen ist es nicht mehr uneingeschränkt.


