Facebook-Chef weicht im Europaparlament harten Fragen aus

22. Mai 2018, 21:43 Uhr · Quelle: dpa

Brüssel (dpa) - Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist im Europaparlament viel härter rangenommen worden als bei seinem Anhörungs-Marathon im US-Kongress.

Das Format, bei dem in Brüssel alle Fragen zum Schluss auf einmal beantwortet werden sollten, gab dem 34-jährigen Tech-Milliardär jedoch die Möglichkeit, unangenehmen Fragen auszuweichen. Zuckerberg konnte einfach nur breit gefasste Mini-Stellungnahmen zu einigen der angesprochen Themen statt konkreter Antworten geben. Das Verfahren ist nach Auskunft des Europaparlaments generell üblich bei der sogenannten «Conference of Presidents» mit dem Kreis der Fraktionsvorsitzenden. Mehrere Teilnehmer der Anhörung kritisieren Zuckerberg im Anschluss für seine ihrer Meinung nach unzureichenden Einlassungen.

Die Fraktionsspitzen wollten in ihren Fragen unter anderem wissen, warum Facebook die vom Datenskandal um Cambridge Analytica Betroffenen nicht bereits 2015 informierte und ob Zuckerberg an dieser Entscheidung beteiligt war. Und ob der Fall «nur die Spitze eines Eisbergs» war. Sie sprachen an, dass Facebook zum Beispiel über den «Like»-Button auch einige Daten von Nicht-Mitgliedern sammele - und auch eine konkurrenzlose Rolle Facebooks, nachdem Konkurrenten mit ähnlichen Online-Netzwerken aus dem Geschäft gingen.

Mit besonders scharfen Worten fiel Guy Verhofstadt, Fraktionsvorsitzender der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa, auf. Zuckerberg müsse sich entscheiden, ob er in die Geschichte in einer Reihe mit Technologie-Innovatoren wie Apple-Gründer Steve Jobs und Microsoft-Gründer Bill Gates eingehen werde - oder als «ein Genie, das ein digitales Monster geschaffen hat, das unsere Demokratien zerstört».

Verhofstadt versuchte auch, den üblichen Argumenten Zuckerbergs bei Fragen nach einer dominierenden Stellung Facebooks schon vorab den Wind aus den Segeln zu nehmen - das sei, als würde ein monopolistischer Autohersteller sagen, man könne schließlich auch Flugzeug, Zug oder ein Fahrrad nehmen, sagte er. Zuckerberg wiederholte dazu seine vorherigen Worte, dass es in der Branche viel Wettbewerb gebe, weil die Nutzer auf vielen Kanälen miteinander kommunizierten. «Aus meiner Perspektive kommen jeden Tag neue Konkurrenten hinzu.» Insgesamt zählte er viele bereits bekannte Maßnahmen auf und hielt sich an die Linie vorheriger Äußerungen.

«Mir ist bewusst, dass es viele konkrete Antworten gab, auf die ich nicht konkret eingehen konnte», sagte der Facebook-Chef zum Schluss. Man werde sie nachträglich beantworten. Einige der Fraktionschefs machten ihrer Unzufriedenheit Luft. «Ich habe sechs Fragen eingereicht, die mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden können - und keine davon ist beantwortet worden», empörte sich der Grüne Philippe Lamberts. Eine davon war, ob Facebook seinen Mitgliedern die Möglichkeit geben werde, sich komplett personalisierter Werbung zu entziehen.

«Das war zu kurz, das war zu flach, das war nicht substanziell genug», sagte der Fraktionschef der europäischen Sozialdemokraten, Udo Bullmann, und sprach von einem Formatfehler. «Man hätte Ping-Pong spielen müssen.» Es sei jedoch sehr wichtig gewesen, dass die Öffentlichkeit das Gespräch live im Internet verfolgen konnte. So habe jeder sehen können, «wie flach die Antworten ausgefallen sind».

«Keine Antwort ist auch eine Antwort», sagte Jan Philipp Albrecht von den Grünen. Der Abend habe gezeigt, dass Facebook nicht in der Lage sei, die Sorgen der europäischen Verbraucher aufzulösen. Die Politik müsse deshalb künftig noch deutlicher bei Facebook hinsehen. Albrecht zufolge hatten sich im Vorfeld alle Fraktionen dafür ausgesprochen, Zuckerberg direkt auf die gestellten Fragen antworten zu lassen.

Der konservative Parlamentspräsident Antonio Tajani sagte im Anschluss an das Gespräch, er selbst habe das Format vorgeschlagen. Der Italiener sprach von einem Erfolg für das Europaparlament. Dies sei im Mittelpunkt der politischen Debatte und habe gezeigt, dass es sich für die Interessen der Europäer einsetze.

Zum Auftakt entschuldigte sich Zuckerberg abermals für den jüngsten Datenskandal um Cambridge Analytica. Facebook habe das Ausmaß seiner Verantwortung unter anderem im Kampf gegen den Missbrauch von Nutzer-Informationen durch App-Entwickler nicht erkannt, sagte Zuckerberg am Dienstag bei einem live übertragenen Treffen mit Fraktionsspitzen. «Das war ein Fehler und es tut mir leid.» Das waren ähnliche Worte wie bei Zuckerbergs insgesamt zehnstündigem Auftritt im US-Kongress. Dort fielen die Senatoren und Abgeordneten zum Teil damit auf, dass sie die Funktionsweise von Facebook nicht kannten - oder von der Beschränkungen auf wenigen Minuten pro Fragesteller ausgebremst wurden.

Im März war bekanntgeworden, dass sich die britische Firma Cambridge Analytica Zugang zu Daten von Millionen Facebook-Nutzern verschafft hatte. Mit Hilfe der Daten sollen etwa Wähler im US-Präsidentschaftswahlkampf zugunsten von Donald Trump mit Wahlwerbung beeinflusst worden sein. Facebook hatte sich wiederholt entschuldigt und diverse Konsequenzen gezogen.

Internet / EU / Datenschutz / Facebook / Europa / USA
22.05.2018 · 21:43 Uhr
[8 Kommentare] · [zum Forum]
frühling, natur, blüte, insekt, pollen, hintergrund, blumen, baum, garden, botany
Am Dienstag scheint in weiten Teilen Deutschlands die Sonne. Lediglich im äußersten Norden und Nordosten ziehen gelegentlich lockere Wolkenfelder durch. Über den Bergen im Süden bilden sich einige Quellwolken. Es bleibt meist trocken. Temperaturen und Wind Die Höchstwerte erreichen zwischen 20 Grad an der nordfriesischen Küste und 35 Grad am […] (00)
vor 9 Minuten
Vielfältige Wälder Einer der größten Vorzüge Deutschlands sind seine abwechslungsreichen Naturlandschaften. Wälder sind ein wesentlicher Bestandteil dieser Landschaften. Sie finden sich in jeder Region des Landes und sind öffentlich zugänglich. Touristen, die Waldspaziergänge und Entspannung in der Natur genießen, haben eine große Auswahl. Nadelwälder […] (01)
vor 14 Stunden
Ein Mann zeigt mit dem Finger auf einen Namenscluster
Ludwigsfelde (dpa/tmn) - Wer weiß schon, wo außer den direkten Verwandten noch Menschen mit demselben Nachnamen wohnen? Herausfinden lässt sich das auf der Webseite «Geogen» - der Name steht für «geografische Genealogie», was so viel bedeutet wie ortsbezogene Ahnenforschung. So erklärt es Entwickler Christoph Stöpel auf der Seite. Dreh- und Angelpunkt […] (00)
vor 8 Stunden
Von “Summer Games Fest” bis “State of Play” – Die wichtigsten Gaming-Konferenzen im Juni
Der Sommer bringt traditionell nicht nur Sonnenschein und Badewetter, sondern auch viele Spielankündigungen. Auch für dieses Jahr haben die großen Publisher und Plattformbetreiber ihre großen Produktpräsentationen und Konferenzen für Anfang Juni angesetzt. Das war wohl langsam notwendig, da der Release-Kalender für den Rest des Jahres noch ein wenig […] (00)
vor 31 Minuten
Sky UK holt Neuauflage von «Baywatch»
Die Kultserie kehrt 2027 mit neuer Besetzung, alten Figuren und zwölf frischen Episoden zurück. Sky bringt die legendäre Actionserie Baywatch zurück auf die Bildschirme. Wie der Sender bekanntgab, startet 2027 eine komplett neue Version der Kultreihe exklusiv bei Sky und dem Streamingdienst NOW in Großbritannien und Irland. Produziert wird die Neuauflage gemeinsam von FOX Entertainment und […] (00)
vor 1 Stunde
Tennis French Open
Paris (dpa) - Freundinnen im Leben, Rivalinnen auf dem Platz - für Eva Lys schließt das eine das andere nicht aus. «Früher sagte man ja immer, Freundschaften im Sport sind nicht möglich», sagte die deutsche Tennisspielerin bei den French Open in Paris, «aber bei mir war es eigentlich von Tag eins an anders». Die 24-Jährige pflegt auf der Tour auch privat einen engen Kontakt unter anderem zu […] (00)
vor 3 Stunden
Geopolitisches Beben: Europa und Mexiko planen den Befreiungsschlag gegen die USA und China
Die strategische Allianz bricht die lähmende Abhängigkeit von den unzuverlässigen Supermächten auf Die geopolitische Tektonik verschiebt sich an diesem Freitag unübersehbar. Nach mehr als einem Vierteljahrhundert zäher Verhandlungen unterzeichnen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum in Mexiko-Stadt […] (00)
vor 31 Minuten
SurfaceTechnology GERMANY 2026: Intensive Gespräche und fachlicher Austausch
Hilden, 25.05.2026 (PresseBox) - Die SurfaceTechnology GERMANY 2026 vom 5. bis 7. Mai auf dem Messegelände in Stuttgart unterstrich ihre Position als zentraler Treffpunkt für die internationale Oberflächentechnik-Community. Über 4.600 Fachbesucher aus aller Welt informierten sich an den drei Messetagen an den Ständen der rund 210 nationalen und […] (00)
vor 18 Stunden
 
Büros (Archiv)
Berlin - Die Personalplanungen der Unternehmen in Deutschland waren im Mai wieder […] (00)
Containerschiff (Archiv)
München - Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft hat sich zuletzt […] (00)
CDU-Logo (Archiv)
Stuttgart - Der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) hält […] (00)
Passagiere vor Informationstafel am Frankfurter Flughafen
Wiesbaden - Im Jahr 2025 haben 652.000 Kurzstreckenflüge mit Passagierbeförderung an […] (00)
Destiny 3 liegt laut Bloomberg-Report auf Eis – Bungie plant wohl massiven Stellenabbau
Was Bungie-Fans bereits befürchtet haben, zeichnet sich jetzt als düstere Realität […] (00)
SC Paderborn 07 - VfL Wolfsburg
Paderborn (dpa) - Mit Sicherheitsabstand zu ihren aufgebrachten Fans standen die […] (04)
Prinz Harry
(BANG) - Prinz Harry könnte Berichten zufolge diesen Sommer in Balmoral wieder mit […] (02)
Review: Scapade AirPass – Reisepasshülle mit Apple Find My Tracking
Die Scapade AirPass wirkt auf den ersten Blick wie ein klassisches Reise-Accessoire: […] (00)
 
 
Suchbegriff