Eurozone trotzt Unsicherheit – Wachstum übertrifft Erwartungen trotz Trumps Zollpolitik
Mit einem Plus von 0,4 % beim Bruttoinlandsprodukt hat die Eurozone im ersten Quartal überraschend kräftig zugelegt. Die von Eurostat veröffentlichten Zahlen übertreffen die Prognosen der Analysten deutlich – erwartet worden war lediglich ein Zuwachs von 0,2 %. Damit wächst der Währungsraum nun das fünfte Quartal in Folge.
Treiber des Wachstums waren vor allem die positiven Impulse aus Deutschland, Frankreich und Italien. Deutschland erzielte ein Plus von 0,2 %, Frankreich legte um 0,1 % zu, während Italien mit 0,3 % über den Erwartungen lag. Besonders auffällig: Irlands BIP schoss um 3,2 % in die Höhe – allerdings verzerrt durch steuerlich motivierte Aktivitäten multinationaler Konzerne.
Zugleich wächst die Nervosität. Die bislang nur angekündigten, teilweise ausgesetzten Zölle der US-Regierung unter Donald Trump werfen einen langen Schatten auf die Prognosen für die kommenden Monate. In Frankreich hinterlassen sie bereits Spuren: Exporte sanken im ersten Quartal um 0,7 %, die Investitionstätigkeit in allen Sektoren nahm ab. Die Regierung reduzierte ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 0,9 % auf 0,7 %.
EZB-Chefvolkswirt Philip Lane sieht trotz dieser Belastungen kein akutes Rezessionsrisiko. Dennoch gesteht er ein, dass sich das Expansionstempo verlangsamen dürfte. Die EZB hatte Mitte April bereits zum siebten Mal in Folge die Zinsen gesenkt. Der Markt rechnet mit weiteren Schritten, insbesondere weil die französische Inflation im April auf 0,8 % gefallen ist – der niedrigste Wert seit Februar 2021.
Auch Deutschland bleibt wirtschaftlich angeschlagen, trotz des leichten Wachstums. Die strukturellen Probleme sind bekannt: ein schwächelnder Welthandel, der Ausfall russischer Energielieferungen, Bürokratie und Fachkräftemangel. Immerhin: Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz hat ein milliardenschweres Investitionsprogramm für Verteidigung und Infrastruktur angekündigt.
Ein vollständiges Bild der Folgen von Trumps Zollpolitik lässt sich noch nicht zeichnen. Die meisten Maßnahmen wurden erst Anfang April verkündet oder vorübergehend ausgesetzt. Doch die Unsicherheit lähmt. Während Trumps Berater an „America First“-Zollschranken arbeiten, droht Europas Aufschwung an geopolitischem Flurschaden zu zerschellen.

