Europas atomare Eigenständigkeit - Ein Schritt nach vorne oder ein Blick zurück?
Die Diskussion um eine potenzielle atomare Aufrüstung Deutschlands hat in den letzten Tagen neuen Auftrieb erhalten. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz kam erneut die Frage auf, wie weit Europas Emanzipation von den USA reichen sollte. Bundeskanzler-Stellvertreter Lars Klingbeil erteilte der Idee, Deutschland zur Atommacht zu entwickeln, eine klare Absage. Doch es bleibt ungewiss, ob dies das letzte Wort in dieser facettenreichen Debatte sein wird.
Historisch betrachtet erinnert die Vorstellung von Atomwaffen auf deutschem Boden an die angespannte Situation während des Kalten Krieges. Damals waren sowohl die Bundesrepublik als auch die DDR zentrale Schauplätze für amerikanische und sowjetische Mittelstreckenraketen. Ein Rückfall in diese Zeiten würde viele Menschen an die beängstigenden Spannungen der 1980er Jahre erinnern. Doch in der heutigen Debatte geht es um atomare Kapazitäten, die unter eigener Kontrolle stünden, was die Dynamik verändert.
Seit dem ersten Einsatz von Atomwaffen durch die USA 1945 besteht ihr hauptsächlicher Zweck in der Abschreckung. Der geopolitische Kontext hat sich allerdings grundlegend gewandelt. Der Fall der Ukraine, die einst atomwaffenfrei wurde, zeigt, dass der Verzicht auf nukleare Abschreckung unter Umständen problematisch sein kann. Angesichts der Bedrohungslage in Europa werfen diese Überlegungen einen langen Schatten auf die deutsche Sicherheits- und Außenpolitik.

