Europäische Börsen im Korrekturmodus: Zinshoffnungen gedämpft
Die Aktienmärkte Europas befinden sich weiterhin im Korrekturmodus, nachdem auch am Freitag die Kurse nachgaben. Ein negativer Impuls ging von der US-Notenbank aus, deren Mitglieder jüngst Zinshoffnungen einen Dämpfer verpassten. Der Marktexperte Andreas Lipkow betont: "Jetzt wird sich zeigen, ob die US-Aktienmärkte stabilisieren können oder ob dort ebenso Dynamik in die Verkäufe kommt." Mittags verlor der EuroStoxx 50 1,1 Prozent und stand bei 5.680,32 Punkten. Der Schweizer SMI ging um 0,72 Prozent auf 12.649,49 Punkte zurück, während der britische FTSE 100 ein Minus von 1,38 Prozent auf 9.672,52 Punkte verzeichnete.
Die jüngsten Entwicklungen haben zu einer Eintrübung der Marktlage geführt. Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei Robo Markets, kommentiert: "Die anfängliche Euphorie über das Ende des Shutdowns in den USA hat sich vollständig verflüchtigt, und nun schwinden auch Hoffnungen auf weitere Zinssenkungen der US-Notenbank." Dies resultiert in einer sinkenden Wahrscheinlichkeit für eine dritte Zinssenkung in diesem Jahr, wie die Aussagen von Fed-Mitgliedern nahelegen. Insbesondere der Technologiesektor zeigte sich schwach, belastet durch Vorgaben aus Asien und den USA. "Die Abstufung des Tech-Sektors durch Wells Fargo klingt noch nach", stellt eine Analyse von Index Radar fest. Dort wurde auf überzogene Bewertungen und unrealistische Marktoptimismen hingewiesen.
Auch die Versicherungsbranche erlitt Dämpfer, unter anderem durch die Swiss Re. Barclays-Analysten hoben das schwache Abschneiden der Lebens-Rückversicherung hervor. Der Kommentar von Ben Cohen von RBC machte deutlich, weshalb Swiss Re derzeit nicht mit ihrer deutschen Konkurrenz vergleichbar bewertet wird – der Aktienkurs fiel entsprechend um 3,5 Prozent. Obgleich Richemont mit einem erfreulichen Plus von 5,7 Prozent auf seine Halbjahreszahlen reagierte, konnten diese positiven Signale den Luxussektor insgesamt nicht stützen. Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy lobte insbesondere das Wachstum in China und die robuste Nachfrage in den USA, sprach gar von einem "verfrühten Weihnachtsgeschenk". Auch beim Zugbauer Alstom sah man eine positive Einzelentwicklung mit einem Kursgewinn von 5,4 Prozent. Diese Bewegung wurde durch optimistische Aussagen in der Telefonkonferenz nach den Halbjahreszahlen gestützt. UBS-Experten lassen auf eine mögliche Anhebung des Ausblicks hoffen.

