Europäische Bemühungen um Friedensgespräche im Ukraine-Konflikt nehmen Fahrt auf
Ein neues Fenster für Gespräche
Trotz der anhaltenden Kämpfe im Ukraine-Krieg gibt es in der Bundesregierung die Überzeugung, dass in naher Zukunft Gespräche mit Russland über eine Beendigung des Konflikts möglich werden. "Langsam öffnet sich ein Fenster für Gespräche der europäischen Seite mit Russland", so die Einschätzung aus Regierungskreisen. Allerdings wird auch betont, dass angesichts der jüngsten Eskalationen der Kämpfe ein solcher Prozess nicht kurzfristig, sondern eher in Monaten realisiert werden kann.
E3 als Schlüsselakteure
Die Frage, wer auf europäischer Seite die Verhandlungen führen wird, wird derzeit intensiv diskutiert. Es ist entscheidend, ein handlungsfähiges Format zu finden, das von den Europäern als legitim anerkannt wird. "Es spricht einiges dafür, dass die E3 dabei weiter eine wichtige Rolle spielen werden", wird erwartet. Die E3 umfasst Deutschland, Großbritannien und Frankreich, die bereits im vergangenen Jahr in Gespräche mit den USA und der Ukraine involviert waren.
Rückzug der Europäer
In der jüngeren Vergangenheit waren die Europäer jedoch zunehmend an den Rand gedrängt worden, während die USA die Gespräche zwischen Russland und der Ukraine moderierten. Doch die amerikanischen Bemühungen haben in letzter Zeit an Schwung verloren. US-Außenminister Marco Rubio äußerte kürzlich die Bereitschaft, dass auch andere Akteure versuchen könnten, den Konflikt zu beenden. Vor diesem Hintergrund versuchen die europäischen Staaten, ihre Rolle wieder zu stärken, während sie sich klar an die Seite der Ukraine stellen.
Schwierige Verhandlungen ohne externen Unterhändler
Die Möglichkeit, dass die 27 EU-Mitgliedstaaten einen neutralen Unterhändler benennen, der nicht einer Regierung angehört, gilt als zunehmend unwahrscheinlich. Diese Erkenntnis wurde bereits bei einem informellen Treffen der EU-Außenminister auf Zypern deutlich. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnte vor weiteren Diskussionen über einen solchen Ansatz: "Es ist eine Falle, in die Russland uns locken will."
Politische Weichenstellung in Deutschland
Die Bundesregierung sieht die Notwendigkeit eines "klaren politischen Kompasses" für den weiteren Prozess. Dies beinhaltet ein gemeinsames Zielbild, das im Einvernehmen mit der Ukraine und in größtmöglicher Abstimmung mit den anderen europäischen Staaten sowie "möglichst koordiniert" mit den USA verfolgt werden soll.
Zukünftige Gipfeltreffen als Plattform
Im Juni und Juli stehen mehrere bedeutende Gipfeltreffen an, bei denen das Thema Ukraine und mögliche Friedensgespräche im Fokus stehen könnten. Zunächst wird die G7 der wirtschaftsstarken westlichen Demokratien zusammentreten, gefolgt von einem EU-Gipfel auf höchster Ebene. Anfang Juli wird zudem ein NATO-Gipfel in der Türkei stattfinden, der ebenfalls Raum für strategische Diskussionen bieten könnte.

