Europa reagiert auf Trumps Wissenschaftskurs – Bundesregierung plant Exzellenzoffensive für internationale Talente
Während US-Präsident Donald Trump den Druck auf Eliteuniversitäten wie Harvard erhöht, formiert sich in Europa eine strategische Antwort: Die Bundesregierung prüft den Aufbau neuer europäischer Exzellenzuniversitäten, um international herausragende Forscher und Studierende zu gewinnen. Der Schritt folgt auf die Entscheidung des US-Heimatschutzministeriums, Harvard den Zugang für ausländische Studierende zu verwehren – mit der Begründung, die Universität fördere Antisemitismus und stehe der Kommunistischen Partei Chinas zu nahe.
Der Kurswechsel Washingtons trifft einen empfindlichen Nerv. In der Wissenschaftslandschaft der USA gelten die Kürzung von Forschungsetats – etwa um 50 % im Fall Harvard – und politische Einflussnahme als massive Eingriffe in die Wissenschaftsfreiheit. Das bringt auch die europäische Politik in Bewegung. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sprach am Freitag in Brüssel von einer „hochdramatischen“ Entwicklung und kündigte Gespräche mit EU-Partnern über eine Stärkung der europäischen Hochschul- und Forschungsfreiheit an.
Kern der Überlegungen ist ein europäisches Pendant zur deutschen Exzellenzstrategie. Das neue Vorhaben, so heißt es aus Regierungskreisen, solle zunächst zwei bis drei Universitäten identifizieren, die auf Basis internationaler Evaluation besondere Förderungen erhalten. Es gehe darum, die besten Cluster in Europa sichtbarer zu machen und strukturell im EU-Rahmenforschungsprogramm zu verankern.
Die EU-Kommission plant ergänzend ein Förderpaket in Höhe von 500 Millionen Euro für Stipendienprogramme internationaler Spitzenforscher. Parallel arbeitet die Bundesregierung an einem „1000-Köpfe-Programm“, das gezielt Top-Talente weltweit nach Deutschland holen soll. Auch die Max-Planck-Gesellschaft bereitet mit amerikanischen Partnern ein neues Transatlantik-Förderprogramm vor.
Doch nicht alle Experten sehen den Kurs unkritisch. Andreas Zaby, früher Präsident der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin und heute bei der Bundesagentur für Sprunginnovationen tätig, warnt vor überhasteter Abwerbung: „Aggressives Recruiting würde die lang gewachsenen Partnerschaften mit Harvard oder dem MIT unnötig belasten.“ Auch der DAAD mahnt diplomatische Zurückhaltung an.
Denn trotz wachsender Attraktivität bleibt Deutschland mit strukturellen Nachteilen konfrontiert: Im Vergleich zu US-Universitäten sind Professuren schlechter bezahlt, die Lehre stärker eingebunden, und der bürokratische Aufwand gilt als hoch. Spitzenforscher entscheiden sich deshalb oft für Kanada oder Großbritannien, wo die Rahmenbedingungen günstiger sind.
Gleichwohl ist Deutschlands internationale Anziehungskraft hoch: Bereits 13,2 % aller Studierenden an deutschen Hochschulen kamen im Wintersemester 2023/24 aus dem Ausland – Deutschland liegt damit weltweit auf Rang zwei hinter den USA. Auch transatlantisch verschieben sich die Gewichte. Während Anfang der 2000er noch dreimal so viele Europäer in den USA studierten wie umgekehrt, ist der Austausch heute ausgeglichen. Deutschlands Hochschulen spielen dabei eine zentrale Rolle: Bei US-Studierenden ist die Bundesrepublik nach Großbritannien das beliebteste europäische Ziel.

