Europa auf dem Schuldenpfad: Nagel zeigt sich offen für Eurobonds

Die Debatte über die Einführung gemeinsamer europäischer Schulden, den sogenannten Eurobonds, erlebt eine Renaissance. Bundesbank-Chef Joachim Nagel äußerte sich offen für diese Idee, jedoch nur unter bestimmten Auflagen. In einem Interview mit dem Nachrichtenportal 'Politico' betonte Nagel die Bedeutung eines liquiden Marktes für sichere europäische Vermögenswerte, um Europa attraktiver für Investoren von außerhalb zu machen. Diese Entwicklung steht im Kontext eines bevorstehenden informellen EU-Gipfels, der die Wettbewerbsfähigkeit Europas thematisiert.
Traditionell hielten sich die deutschen Institutionen, einschließlich der Bundesbank, zurück, was Eurobonds angeht. Diese Zurückhaltung wird nun von der gegenwärtigen Sicherheitslage infrage gestellt. Nagel, der bereits im Herbst erste positive Signale gesendet hatte, verweist auf eine veränderte Realität seit dem Zweiten Weltkrieg. Trotz seiner Offenheit betonte er die Notwendigkeit strenger Kontrolle durch europäische Behörden und Mitgliedstaaten. Eurobonds, so Nagel, sollten keinesfalls als freies Geschenk betrachtet werden.
Unterstützung für eine dauerhafte Einführung gemeinsamer Schulden in Form von Eurobonds kommt auch von der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese hat laut 'Politico' und 'Handelsblatt' der EU-Spitze Reformvorschläge unterbreitet. Eine offiziell bestätigte Stellungnahme der EZB stand allerdings noch aus. Der Vorschlag zu Eurobonds bleibt insbesondere in Deutschland umstritten.
Während Frankreich und Belgien regelmäßig für solche Instrumente plädieren, bleibt die deutsche Regierung skeptisch. Sie verwies jüngst auf raren Ausnahmen, wie die Hilfspakete während der Corona-Pandemie oder die Unterstützung der Ukraine im Konflikt mit Russland.

