EU setzt neuen Fokus im Kampf gegen Krebs: Gratisimpfungen und Aufklärung im Visier
Die Europäische Union intensiviert den Krebskampf und legt dabei ein Hauptaugenmerk auf die Bekämpfung von HPV und Hepatitis-B-Infektionen. In dem Vorstoß der Europäischen Kommission spielt die kostenfreie Verteilung von Impfstoffen eine signifikante Rolle. Diese strategische Entscheidung könnte etwa 40 Prozent der Krebserkrankungen in der EU verhinderbar machen, eine beachtliche Quote, die das Potenzial hat, das Gesundheitssystem nachhaltig zu entlasten.
Humane Papillomviren, die sexuell übertragbar sind, stehen in Zusammenhang mit verschiedenen Krebsarten, einschließlich Gebärmutterhals- und Mund-Rachen-Krebs. Zwar existiert die HPV-Impfung bereits seit Jahren, doch die Infektionszahlen bleiben ernst: Tausende erkranken jährlich in Deutschland. Die Hepatitis-B-Impfung wiederum nimmt Leberkrebs ins Visier und verspricht, durch breitere Anwendung, Schutz zu bieten.
Dabei wird das Augenmerk auch auf die Geschlechterverteilung bei den Impfungen gerichtet. Stella Kyriakides, EU-Gesundheitskommissarin, setzt sich vehement dafür ein, dass bis zum Jahr 2030 eine hohe Impfrate bei Mädchen und auch ein bedeutender Anteil von Jungen erreicht wird. Sie betont ferner die Notwendigkeit, die Zahlen in der Früherkennung zu verbessern, insbesondere bei Mammografien für Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren.
Kyriakides plädiert für eine sensible Herangehensweise, die ohne Furchtverbreitung einen gesundheitsbewussteren Lebensstil anregt. Unterstützung erfährt die Krebsprävention von der Spitze: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen berichtet von einer beachtlichen finanziellen Investition in Höhe von fast 120 Millionen Euro für neue Krebsbekämpfungsprojekte im laufenden Jahr.
Die Kommission schärft ihren Fokus zusätzlich auf die Bekämpfung von Impf-Falschinformationen und strebt an, Daten zu Impfraten präziser zu erfassen, um eventuelle Versäumnisse zu identifizieren. Ein wichtiger Punkt ist auch die Verbesserung der Impfquote bei Jugendlichen, die laut einer DAK-Analyse rückläufig ist – insbesondere bei 15- bis 17-jährigen Jungen.
Ein weiterer sozialpolitischer Schritt wird in der Zusammenarbeit mit dem Sektor der Finanzdienstleistungen angestrebt, wie Kyriakides ankündigt: Ein Treffen mit Vertretern von Versicherungen und Banken ist geplant, um einen Verhaltenskodex zu beschließen, der frühere Krebspatienten nicht bei der Inanspruchnahme von Finanzdienstleistungen benachteiligt. Dies soll beispielsweise den Zugang zu notwendigen Krediten für Krebsüberlebende erleichtern und Diskriminierung vorbeugen. (eulerpool-AFX)

