Erdrutsch im Wirecard-Prozess: Insolvenzverwalter entkräftet Brauns Verteidigungsstrategie
Im fortdauernden Verfahren um die finanziellen Abgründe des untergegangenen Zahlungsdienstleisters Wirecard hat der Insolvenzverwalter Michael Jaffé die Verteidigung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Markus Braun entschieden zurückgewiesen. Vor dem Landgericht München I legte Jaffé dar, dass die von Wirecard gemeldeten 1,9 Milliarden Euro auf südasischen Treuhandkonten ein Phantom waren. Seit fünf Jahren sucht er unermüdlich nach den vermeintlichen Milliarden.
Jaffé widersprach klar der Darstellung Brauns, dass der flüchtige Ex-Vertriebschef Jan Marsalek milliardenschwere Transaktionen über ein Netzwerk von Schattenfirmen abgeschöpft habe. Solche Geschäfte habe es schlicht nie gegeben. Braun hörte den Ausführungen regungslos zu.
Der österreichische Manager sitzt seit beinahe fünf Jahren in Untersuchungshaft und beteuert seine Unschuld. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und zwei Mitangeklagten organisierten Betrug im Volumen von drei Milliarden Euro vor. Braun sieht sich als Opfer von Marsalek und dessen Komplizen.
Die Vorzeigezahlenschmiede aus den DAX-Reihen generierte den Löwenanteil ihrer vermeintlichen Gewinne aus Drittpartnergeschäften im Mittleren Osten und Südostasien. Diese Partner sollten Kreditkartenzahlungen abwickeln, der Gewinn daraus auf Treuhandkonten in Singapur und zuletzt auf den Philippinen gelandet sein. Doch Jaffé verkündete ernüchtert: Von den 1,9 Milliarden Euro fehlte jede Spur.
Der Jurist untersuchte die Geschäfte akribisch und entlarvte sie als nicht existent. Brauns wiederkehrender Verweis auf Marsalek und den mitangeklagten Kronzeugen Oliver Bellenhaus fand bei Jaffé keinen Anklang. Seine Nachforschungen förderten keine Beweise für die behaupteten Geldflüsse zutage.
Jaffé, der von seinen intensiven Recherchen berichtete, stellte klar, dass echte Geschäfte dieser Größenordnung nicht ohne Spuren verschwinden können. Doch der Protest von Kunden blieb ebenso aus wie Beschwerden von Geschäftspartnern.
Der vielgelobte Technologiekonzern überlebte schließlich keineswegs durch wahre Geschäftstätigkeit, sondern durch Bankkredite. Jaffé rechnete den finanziellen Schaden der letzten Jahre auf 1,1 Milliarden Euro hoch. Der Prozess, der seit Dezember 2022 läuft, stagniert weiter, da die Beweisaufnahme noch nicht abgeschlossen ist.

