Investmentweek

Erbschaftssteuer im Visier – Unternehmensnachfolge droht teurer zu werden

28. Mai 2025, 10:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Das Bundesverfassungsgericht prüft erneut die Erbschaftsteuer – besonders Betriebsvermögen steht unter Druck. Für Unternehmer kann 2025 zum entscheidenden Jahr werden. Wer jetzt nicht handelt, riskiert hohe Steuerlasten.

Betriebsübergabe unter Zeitdruck

Die Uhr tickt für Unternehmer, die ihre Nachfolge planen. Noch ist das sogenannte Verschonungsregime für Betriebsvermögen intakt – aber wie lange noch? Das Bundesverfassungsgericht nimmt die Erbschaftsteuer in ihrer Gesamtheit erneut unter die Lupe.

Und es ist nicht das erste Mal, dass der Gesetzgeber beim Thema Gleichbehandlung und Steuerprivilegien Nachbesserungen liefern muss. Besonders umstritten: die teilweise vollständige Steuerbefreiung für übergebenes Betriebsvermögen.

Der Gesetzgeber erlaubt aktuell – unter strengen Bedingungen – eine 85- bis 100-prozentige Verschonung, wenn das Unternehmen als solches weitergeführt wird. Doch genau diese Privilegierung für Unternehmen ist Ziel der Kritik – aus verfassungsrechtlicher, aber auch gesellschaftspolitischer Sicht.

Denn während Betriebsvermögen großzügig geschützt wird, zahlen Erben mit privaten Immobilien oder Wertpapierdepots deutlich höhere Sätze.

90-Prozent-Grenze: ein Fallstrick mit Fallhöhe

Kernproblem vieler Unternehmensnachfolgen bleibt das Verwaltungsvermögen. Wird die 90-Prozent-Grenze überschritten – etwa durch zu hohe Kassenbestände, Wertpapiere oder vermietete Immobilien – entfällt die Begünstigung vollständig.

Bis vor Kurzem galt das selbst für operative Betriebe mit realwirtschaftlichem Hintergrund. Das Urteil des Bundesfinanzhofs von 2023 brachte zwar Erleichterung: Nun dürfen betrieblich veranlasste Schulden von den Finanzmitteln abgezogen werden.

Die Folge: Viele Unternehmen, die zuvor durchs Raster gefallen wären, können doch noch steuerlich begünstigt übertragen werden. Aber: Die Finanzverwaltung prüft genau. Besonders bei Konzernen, Beteiligungsstrukturen oder vermögensverwaltenden GmbHs wird es komplex. Und mit der laufenden Verfassungsprüfung steht auch diese Rechtsprechung erneut auf der Kippe.

Latente Steuerlast im Fokus: Wer GmbH-Gewinne nicht rechtzeitig ausschüttet, riskiert eine doppelte Besteuerung im Erbfall – Kapitalertragsteuer und Erbschaftsteuer gleichzeitig.

Latente Steuerlast: Die stille Gefahr im Nachlass

Ein weiterer Schwachpunkt in der steuerlichen Nachfolgeplanung: die sogenannte latente Steuerlast. Gewinne, die in Kapitalgesellschaften zurückgehalten wurden – etwa in GmbHs – führen bei Ausschüttung zur Kapitalertragsteuer. Und im Erbfall kommt es zur steuerlichen Doppelbelastung.

Ein aktueller Fall vor dem Finanzgericht Münster zeigt: Entscheidend ist der formale Zeitpunkt der Gutschrift. Selbst wenn ein Gewinn kurz vor dem Tod zugewiesen wurde, zählt steuerlich nur, was auch tatsächlich auf dem Konto des Verstorbenen lag.

Die Folge: Der Erbe zahlt sowohl Erbschaftsteuer auf den Bruttobetrag als auch Kapitalertragsteuer auf die spätere Auszahlung. Wer seine Nachfolge nicht rechtzeitig strukturiert, riskiert erhebliche Mehrbelastungen.

Asset-Light war gestern: Jetzt zählt Planungsschärfe

Die Zeiten, in denen Steuerplanung mit simplen Mustern funktionierte, sind vorbei. Gerade Unternehmer, die sich auf das Betriebsvermögensprivileg verlassen, sollten nun ihre Gesellschaftsstruktur kritisch hinterfragen.

Gehören Immobilien oder größere liquide Mittel zum Betrieb? Gibt es Beteiligungen mit rein vermögensverwaltendem Charakter? Wird das Hauptzweckprinzip erfüllt?

Denn jede einzelne Tochtergesellschaft kann zur steuerlichen Stolperfalle werden. Und wenn der Einstiegstest scheitert, gibt es keine Teilverschonung – sondern gar keine.

Entscheidung mit Sprengkraft: Karlsruhe 2026

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das Ende 2025 oder Anfang 2026 erwartet wird, könnte vieles verändern – oder sogar das gesamte Erbschaftssteuergesetz in seiner jetzigen Form kippen.

Für Unternehmer wäre das ein Desaster: Übergaben würden deutlich teurer, Planungssicherheit bliebe auf der Strecke, und es droht eine Phase der Ungewissheit, in der Finanzämter Bescheide nur noch vorläufig erlassen.

Hinzu kommt: In Zeiten explodierender Staatsausgaben ist nicht davon auszugehen, dass der Fiskus auf Steuereinnahmen verzichten wird. Im Gegenteil – Erbschaften und Schenkungen sind ein naheliegendes Ziel für künftige Steuererhöhungen.

Jetzt handeln, nicht abwarten

Wer eine Übergabe plant, sollte sie spätestens jetzt konkret prüfen – idealerweise noch vor der kommenden Entscheidung in Karlsruhe. Dazu gehört eine vollständige Vermögensaufstellung, die Analyse latenter Steuerpositionen und eine Bewertung aller Beteiligungsstrukturen. In vielen Fällen lassen sich durch Ausschüttungen, Verkäufe oder Umstrukturierungen steuerliche Nachteile noch vermeiden.

Was heute steuerlich möglich ist, kann in wenigen Monaten bereits nicht mehr gelten. Und wer zu lange wartet, dem bleibt nur noch die Reaktion auf ein neues Gesetz – statt die aktive Gestaltung des eigenen Nachlasses.

Finanzen
[InvestmentWeek] · 28.05.2025 · 10:00 Uhr
[0 Kommentare]
bitcoin, currency, finance, coin, crypto, economy
Ein langfristiger Stimmungsindikator für Bitcoin (BTC) hat ein extrem bärisches Niveau erreicht, das laut Analyst Joao Wedson typischerweise vor Markttiefs auftritt. Wedson zufolge stellt diese Zone, die oft von maximaler Verzweiflung geprägt ist, in der Kleinanleger erschöpft sind und die Erzählungen vollständig negativ werden, die idealen Bedingungen […] (00)
vor 40 Minuten
FDP-Logo auf Parteitag (Archiv)
Berlin - FDP-Vize Wolfgang Kubicki hält die Forderung seines Mitbewerbers um den Parteivorsitz, NRW-FDP-Chef Henning Höne, nach einem Neustart der Liberalen für falsch. "Ich will keinen Neuanfang der FDP, sondern ein Durchstarten", sagte er dem TV-Sender "Welt" am Dienstag. "Wir haben uns viel zu lange schon mit uns selbst beschäftigt. Darauf warten die […] (00)
vor 6 Minuten
Das Wireless Festival wurde abgesagt, nachdem das Innenministerium Kanye die ETA entzogen hat.
(BANG) - Das Wireless Festival wurde abgesagt, nachdem das Innenministerium Kanye die ETA entzogen und ihm damit die Einreise ins Vereinigte Königreich verweigert hat. Festival Republic bestätigte die Entscheidung in einer Erklärung und teilte mit, dass alle Ticketinhaber Rückerstattungen erhalten werden. Ein Sprecher sagte: "Das Innenministerium hat YE […] (00)
vor 2 Stunden
iPhone Fold Testproduktion hat begonnen
Nach aktuellen Informationen eines chinesischen Leakers hat Apples Fertigungspartner Foxconn mit der Testproduktion des lang erwarteten iPhone Fold begonnen. Diese Probefertigung ist ein essenzieller Schritt, bevor das Gerät in größerer Stückzahl hergestellt werden kann. iPhone Fold, […] (00)
vor 2 Stunden
Morbid Metal startet in den Early Access und zeigt, wie stylisches Hack-and-Slash aussehen kann
Wer auf temporeiche Kämpfe, schnittige Spielmechaniken und eine ordentliche Portion Roguelite-Suchtpotenzial steht, sollte jetzt aufhorchen. Morbid Metal, das ambitionierte Hack-and-Slash-Projekt von Entwickler Felix Schade, öffnet morgen seine Tore – und der Release-Trailer macht unmissverständlich klar, dass hier niemand halbherzig zu Werke gegangen […] (00)
vor 2 Stunden
Andy Serkis wird seine Rolle als Alfred Pennyworth in 'The Batman: Part II' erneut übernehmen.
(BANG) - Andy Serkis wird seine Rolle als Alfred Pennyworth in 'The Batman: Part II' erneut übernehmen. Der 61-jährige Schauspieler wird Berichten zufolge zur Besetzung als Bruce Waynes Butler für die kommende DC-Studios-Fortsetzung von Matt Reeves dazustoßen, deren Dreharbeiten im Juni in London beginnen sollen. Laut 'Deadline' hat Serkis einen Weg […] (00)
vor 2 Stunden
Eintracht Frankfurt - 1. FC Köln
Frankfurt/Main (dpa) - Ein Zuschauer ist nach einem medizinischen Notfall während des Bundesliga-Spiels zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Köln (2: 2) gestorben. Das teilte der Club zwei Tage nach der Partie mit. «Die Eintrachtfamilie ist tief betrübt» «Der 87-jährige Mann, der seit vielen Jahren Eintrachtmitglied und Dauerkartenbesitzer war, […] (01)
vor 8 Stunden
ARD-Magazin Plusminus berichtet über Staatshaftung im EA189-Abgasskandal
Lahr, 07.04.2026 (lifePR) - Das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus berichtet am Mittwoch, 8. April 2026 (21: 45 bis 22: 15 Uhr) über die Staatshaftungsklagen im VW-Abgasskandal um den Motor EA189. Im Zuge der aktuellen Entwicklung hat die Verbraucherkanzlei Dr. Stoll & Sauer weitere Staatshaftungsklagen eingereicht; zudem kommt Christian Grotz, […] (00)
vor 1 Stunde
 
Eine neue Ära des Fan-Erlebnisses In einer bahnbrechenden Initiative nutzt IBM […] (00)
Optimistische Prognosen beflügeln die Aktie Die Aktie von Carl Zeiss Meditec hat am […] (00)
Lücken im Ladenetz bremsen Innovation Das deutsche Transportgewerbe steht vor einem […] (00)
Euroscheine (Archiv)
Wiesbaden - Im Jahr 2025 hat der öffentliche Gesamthaushalt 6,0 Prozent mehr […] (00)
Primetime-Check: Ostermontag, 6. April 2026
Welcher Sender tat sich bei den Jüngeren als erster «Tatort»-Verfolger hervor? ProSieben- […] (00)
Daniel Altmaier
Monte-Carlo (dpa) - Tennisprofi Daniel Altmaier hat sein Auftaktmatch beim Masters- […] (01)
Star Wars Eclipse ist noch Jahre entfernt – droht das Aus für Quantic Dreams Projekt?
Seit dem spektakulären Ankündigungstrailer Ende 2021 ist es um Star Wars Eclipse […] (00)
iPhone ausschalten
Berlin (dpa/tmn) - Trotz jahrelanger Nutzung dürfte es den meisten iPhone-Besitzern […] (00)
 
 
Suchbegriff