Eisenbahn im Reformstau: Gewerkschaft widerspricht neuer Planung der Deutschen Bahn
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) übt scharfe Kritik an der Neuausrichtung der Sanierungsstrategie der Deutschen Bahn. In einem Brief an Bahn-Infrastrukturvorstand Berthold Huber bringt der EVG-Vizevorsitzende Kristian Loroch sein Unverständnis über die Verschiebung von Großprojekten zum Ausdruck. Eine solche Verzögerung würde lediglich die Lösungen aufschieben, so Loroch.
Diese Äußerung erfolgte im Kontext einer Aussage des für Digitalisierung und Technik verantwortlichen Vorstandsmitglieds Daniela Gerd tom Markotten. Tom Markotten hatte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" unlängst ein Umdenken hinsichtlich der zeitlichen Planung von Baustellen nahegelegt. Ihrer Meinung nach solle das Verschieben von Bauprojekten kein Tabu mehr sein, da neue Kennzahlen ein tieferes Verständnis für das komplexe Geflecht des Schienennetzes ermöglichten.
Diese neue Sichtweise wird auch durch die Infrastrukturgesellschaft InfraGo untersucht. Loroch hingegen sieht in diesen Ankündigungen lediglich kosmetische Veränderungen, die den Eindruck einer unzureichend koordinierten und nicht fundierten Weiterentwicklung der Bahn-Infrastruktur erwecken. Die generellen Sanierungsprojekte seien über Jahre hinweg detailliert vorbereitet.
Ursprünglich hatte sich die Deutsche Bahn das Ziel gesetzt, 42 Projekte bis zum Jahr 2031 abzuschließen. Nun wird über eine Verschiebung bis Mitte der 2030er Jahre diskutiert. Ein Schreiben der InfraGo, das der dpa vorliegt, bestätigt eine geplante Reduzierung der Generalsanierungen auf vier bis fünf pro Jahr in Abstimmung mit der Bundesregierung.

