Ein soziales Jahr für Rentner? Fratzschers Vorstoß entzündet hitzige Debatte
In einem Interview überraschte der Ökonom Marcel Fratzscher mit dem Vorschlag, ein verpflichtendes soziales Jahr für Rentner einzuführen – und löste damit eine kontroverse Diskussion aus. Der Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) äußerte zudem Kritik an der sogenannten Boomer-Generation, wodurch er auf erheblichen Widerspruch stieß.
Michaela Engelmeier vom Sozialverband Deutschland (SoVD) wies Fratzschers Kritik, ältere Generationen hätten zu wenige Kinder bekommen, als respektlos zurück. Sie betonte, finanzielle Zwänge hätten viele Menschen daran gehindert, große Familien zu gründen. Die Forderung nach sozialem Engagement im Alter empfinde sie als unangemessen.
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) äußerte sich kritisch. Anja Piel, Mitglied des Vorstands, warnte vor einem Pflichtdienst für Senioren. Solche Ideen könnten Generationenkonflikte schüren. Die Problematik der Verteilung von Lasten sehe sie eher zwischen Reich und Arm als zwischen Jungen und Alten.
Fratzscher betonte im 'Spiegel', dass mehr Solidarität zwischen den Generationen notwendig sei. Besonders in Bereichen wie Pflege und Verteidigung sieht er Entwicklungspotenziale durch die Einbindung erfahrener Senioren. Unterstützung erhielt er von Generationenforscher Klaus Hurrelmann, der ebenfalls für einen Pflichtdienst für Senioren eintrat.
Kritik kam auch aus politischen Reihen. AfD-Politiker René Springer empfand den Vorschlag als 'Schlag ins Gesicht' für die älteren Generationen. Sahra Wagenknecht von der BSW verurteilte den Vorstoß als zynisch gegenüber Senioren, die bereits mit geringen Renten auskommen müssen.
Marcel Fratzscher forderte bereits in der Vergangenheit, unter anderem mit der Idee eines 'Boomer-Soli', die oberste Einkommensschicht der Rentner stärker in die Verantwortung zu nehmen. Dies, so das DIW, könne zur Rentenstabilisierung beitragen.

