Drohnendrama um Europas größte Atomanlage
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) widmet sich Vorwürfen über einen vermeintlichen Drohnenangriff in der Nähe des von Russland kontrollierten Kernkraftwerks Saporischschja in der Ukraine. Die Betreiber der Anlage berichten von Schäden an Fahrzeugen, wie in einer Mitteilung der IAEA in Wien zu entnehmen ist. Das Ereignis habe sich insbesondere 600 Meter von einem der sechs Reaktoren zugetragen, wobei das Kraftwerk als größtes seiner Art in Europa gilt. Die stillgelegten Reaktoren verdeutlichen die Brisanz der Vorfälle.
IAEA-Experten in Saporischschja wurde ein möglicherweise von der Drohne getroffener Lastwagen präsentiert. Aus der Entfernung konnten die Experten weder Schäden noch Drohnenreste wahrnehmen. Sie stießen jedoch auf verbranntes Gras und andere verkohlte Pflanzenstrukturen, was auf mögliche Auswirkungen des Zwischenfalls hindeutet.
Eine brandgefährliche Situation beschreibt IAEA-Leiter Rafael Grossi, der in einem Statement sagte, sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre solch ein Angriff in der Umgebung einer bedeutenden Atomanlage inakzeptabel. Wer auch immer für derartige Angriffe verantwortlich sei, begebe sich in ein gefährliches Spiel, das umgehend beendet werden müsse. Drohnen, die ukrainischen Atomanlagen gefährlich nahe kommen, stellen aus seiner Sicht ein erhebliches Risiko für die nukleare Sicherheit dar.
Bereits im Februar erlitt das bei der Katastrophe vor nahezu vier Jahrzehnten beschädigte Kernkraftwerk Tschernobyl nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj einen Angriff, wobei eine Drohne die Schutzstruktur in Mitleidenschaft zog. Gleichwohl blieben erhöhte Strahlenwerte aus. Der Kreml dementierte derlei russische Aktivitäten gegen Tschernobyl.
Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine leistet die IAEA einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit und Überwachung ukrainischer Atomanlagen. So entsendet sie regelmäßig Expertenteams zu den aktiven Standorten, etwa in Riwne und Chmelnyzkyj, und ist seit September 2022 dauerhaft in Saporischschja präsent, welches seit März 2022 unter russischer Verwaltung steht.

