Diplomatische Verhandlungen: Spielerische Telefonate in ernsthaften Zeiten
Europäische Nationen beraten unter dem Eindruck von US-Präsident Donald Trumps diplomatischem Drahtseilakt im Ukraine-Konflikt über mögliche Unterstützung für das durch Russland bedrängte Land. Während sich die EU-Führung in Brüssel zu einem Gipfel trifft, finden in London Gespräche zwischen europäischen Militärvertretern und ihren Alliierten über einen potenziellen Einsatz in der Ukraine zur Sicherung eines Friedensabkommens statt.
Die militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine setzen sich indes mit unverminderter Härte fort. Kiew meldete über Nacht einen umfassenden russischen Drohnenangriff, der eine erneute Alarmbereitschaft in der östlichen Region auslöste. Besonders betroffen war Kupjansk, wo russische Jets zahlreiche Gleitbomben abwarfen, was zu Verlusten an menschlichem Leben und Schäden an ziviler Infrastruktur führte.
Ein durch Trump vermittelter Minimalkompromiss zwischen Russland und der Ukraine sieht zwar vor, die gegenseitigen Angriffe auf Energieanlagen auszusetzen, ist jedoch auf diesen Bereich beschränkt und noch nicht umgesetzt. Beim EU-Treffen in Brüssel, dem letzten regulären Gipfel für den scheidenden Kanzler Olaf Scholz, wird nicht mit weitreichenden Entscheidungen gerechnet. Doch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hofft auf die Zusage über die Lieferung von zwei Millionen Schuss Artilleriemunition an die Ukraine.
Ihr Versuch, umfassendere Militärh ilfen von bis zu 40 Milliarden Euro zu mobilisieren, traf bislang auf Widerstand. In London diskutieren hochrangige Militärs derweil über die Möglichkeiten und Beiträge einzelner Länder zu einer potenziellen Friedensmission in der Ukraine. Großbritannien und Frankreich zeigten sich bereit, Bodentruppen zu entsenden, bestehen aber auf einer Rückendeckung durch die USA für den Fall einer Eskalation, wobei Trump bislang zurückhaltend blieb.
Nach einem Gespräch mit Trump hat auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zugesichert, die Angriffe auf die Energieinfrastruktur des Gegners zu stoppen. Selenskyj sieht darin einen ersten Schritt zur Beendigung des Krieges. Russland hat in der Vergangenheit vor allem die Energieversorgung der Ukraine angegriffen, während die Ukraine als Gegenmaßnahme russische Ölanlagen ins Visier nimmt.
Die technischen Details der auf 30 Tage begrenzten Waffenruhe sollen in naher Zukunft in Saudi-Arabien besprochen werden. Selenskyj dringt darauf, dass die USA die Feuerpause kontrollieren, und ähnliche Gespräche mit Russland stehen noch aus. Selenskyj widersprach in einem Punkt der US-Version seiner Verhandlungen mit Trump: Während seitens der USA von einer Übergabe der ukrainischen Atomkraftwerke die Rede war, bestritt Selenskyj dies und erklärte, es sei nur über das besetzte AKW Saporischschja gesprochen worden.
Die USA betonten, ihr Fachwissen könne nützlich beim Schutz und Betrieb der ukrainischen Kraftwerke sein, sollten sie in den Besitz der USA übergehen.

