Digitale Kampfansagen: Medwedew droht Selenskyj auf Telegram

In einem weiteren Kapitel digitaler Kriegskommunikation hat der ehemalige russische Staatschef Dmitri Medwedew, derzeitiger Vizechef des russischen Sicherheitsrates, auf Telegram den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj beleidigt und mit dessen Tod gedroht. Anlass für diese verbale Eskalation soll Selenskyjs Ansprache zu Weihnachten gewesen sein, in der er angeblich dem Kremlchef Wladimir Putin den Tod gewünscht haben soll. Medwedew unterstellte Selenskyj in einem sprachlich aggressiven Post nicht nur Todeswünsche gegen Putin, sondern auch gegen das gesamte russische Volk sowie die Befehlsverantwortung für großangelegte militärische Angriffe.
Überdies schlug Medwedew in einer makaberen Wendung vor, Selenskyjs Leichnam zu wissenschaftlichen Zwecken in der Kunstkammer in St. Petersburg auszustellen – eine Anspielung auf das historische Raritätenkabinett von Zar Peter I. Diese Äußerungen gehen selbst für Medwedews oft hitzigen Tonfall an die Grenzen des Zumutbaren.
Der ukrainische Präsident hatte zuvor in seiner Weihnachtsrede indirekt dem russischen Staatsoberhaupt den Tod gewünscht und anschließend erklärt, die Ukrainer würden für Frieden beten. Gleichzeitig wies er Anschuldigungen des russischen Außenministers Sergej Lawrow zurück, die Ukraine hätte einen Drohnenangriff auf Putins Residenz inszeniert. Diese Behauptungen wurden auch im Westen mit Skepsis betrachtet, während der frühere US-Präsident Donald Trump angab, von Putin über diesen Vorfall informiert worden zu sein und die ukrainische Vorgehensweise als "nicht gut" kritisierte.
Der fast vier Jahre andauernde Konflikt hat bisher auf beiden Seiten keine erfolgreichen Luftangriffe auf die jeweils führenden Staatsoberhäupter verzeichnet. Gleichwohl stand Selenskyj am Beginn des Konflikts im Fokus russischer Spezialkräfte, während ukrainische Dienste im Verlauf der Auseinandersetzung mehrfach russische Attentatspläne durchkreuzten.

