Äußerung über Brasilien

Diesmal Brasilien: Merz löst nächste Stadtbild-Debatte aus

20. November 2025, 08:54 Uhr · Quelle: dpa
Bundeskanzler Merz' Kritik an Belém löst Empörung in Brasilien aus, doch er plant unbeeinträchtigte Gespräche mit Präsident Lula. Die Kontroverse wirft Fragen zu Respekt und internationaler Diplomatie auf.

Berlin (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz sieht das deutsch-brasilianische Verhältnis durch seine viel kritisierte Äußerung über die brasilianische Millionenstadt Belém nicht als belastet an. «Ich habe gesagt, Deutschland ist eines der schönsten Länder der Welt, und das wird vermutlich auch Präsident Lula so akzeptieren», sagte der CDU-Vorsitzende bei einer Pressekonferenz mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson in Berlin. 

Er werde am Wochenende beim G20-Gipfel im südafrikanischen Johannesburg «völlig unbelastet» mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva sprechen. Zuvor hatte bereits Regierungssprecher Stefan Kornelius gesagt, das Merz sich nicht entschuldigen werde. 

Der Kanzler hatte sich nach seinem Besuch bei der Klimakonferenz in Belém auf einem Handelskongress in Berlin zu seinen Eindrücken von der armen Millionenstadt am Amazonas geäußert. «Ich habe einige Journalisten, die mit mir in Brasilien waren, letzte Woche gefragt: Wer von euch würde denn gerne hierbleiben? Da hat keiner die Hand gehoben», sagte er. «Die waren alle froh, dass wir vor allen Dingen von diesem Ort, an dem wir da waren, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind.» Man lebe in Deutschland «in einem der schönsten Länder der Welt».

«Unglücklich, arrogant und voreingenommen»

Der letzte Satz war die Botschaft, die Merz mit seiner Äußerung verbinden wollte. In Brasilien kam das ganz anders an. Mit einigen Tagen Verzögerung brach sich die Empörung Bahn. Etliche brasilianische Medien griffen die Bemerkung auf. Das Nachrichtenportal «Diário do Centro do Mundo» schrieb von einem «unverschämten Vergleich». Auch der Bürgermeister der Stadt reagierte auf Merz´Aussagen und bezeichnete diese als «unglücklich, arrogant und voreingenommen». 

Der Bürgermeister von Rio de Janeiro, Eduardo Paes, postete Berichten zufolge auf X, er sei «nicht so höflich» wie seine Freunde in Pará, und schrieb zu Merz: «Sohn von Hitler! Mistkerl! Nazi!» Den Post löschte er kurz darauf wieder und schrieb stattdessen: «Das war mein heutiger Frustabbau. Bleibt ruhig im Außenministerium. Es lebe die Freundschaft zwischen Brasilien und Deutschland.»

Lula: Merz hätte in Belém tanzen sollen 

Auch Lula meldete sich zu Wort. Merz hätte in eine Bar gehen, dort tanzen und die lokale Küche probieren sollen, «denn dann hätte er gemerkt, dass Berlin ihm nicht einmal zehn Prozent der Qualität bietet, die der Bundesstaat Pará und die Stadt Belém bieten», sagte er.

Lula hatte die selbst für brasilianische Verhältnisse arme Stadt Belém bewusst als Gastgeberstadt ausgewählt, trotz großer logistischer Probleme wie zu wenig Hotelbetten. Dem linken Politiker geht es darum, der Welt die Klimakrise am Amazonas vor Augen zu führen, und zugleich die harte soziale Realität in einer Millionenmetropole im Globalen Süden. 

Laut der Volkszählung von 2022 leben mehr als 57 Prozent der Bevölkerung von Belém in Favelas, wie dort die Armenviertel genannt werden, der höchste Prozentsatz unter den brasilianischen Provinzhauptstädten. 16 Prozent der Einwohner der Hauptstadt des Bundesstaates Pará haben keinen Zugang zu einer Kanalisation.

Merz war nur 20 Stunden in Belém

Merz hielt sich nur rund 20 Stunden in Bélem auf. Er flog mit seinem Regierungsflieger abends von Deutschland nach Brasilien ab und kam in der Nacht in Belém an. Am nächsten Tag folgte ein eintägiges Programm auf der Klimakonferenz, die in einem riesigen, abgeschotteten Kongresszentrum stattfindet. Seine Eindrücke von der Stadt gewann er vor allem auf den Kolonnenfahrten vom und zum Flughafen. Am Abend gab es allerdings noch eine Bootstour zu einem Restaurant am Amazonas, wo er zu einem Abendessen mit Wirtschaftsvertretern verabredet war. 

Die Szene, die Merz beim Handelskongress schilderte, spielte bei einem Hintergrundgespräch mit Journalisten in seinem Vier-Sterne-Hotel. «Die Bemerkung bezog sich im Kern auf den Wunsch der Delegation nach einem sehr anstrengenden Nachtflug und einem langen Tag in Belém auch, die Rückreise wieder anzutreten», sagte Kornelius. 

«Kleine Hierarchisierung» der schönsten Länder der Welt

Der Regierungssprecher widersprach der Lesart, dass sich der Kanzler «missfallend» oder gar «angewidert» über die Stadt am Amazonas geäußert habe. «Er hat gesagt, wir leben in einem der schönsten Länder der Welt und das hat er auf Deutschland bezogen», erläuterte Kornelius. Brasilien gehöre zwar sicherlich auch zu den schönsten Ländern der Welt. «Aber, dass der deutsche Bundeskanzler hier eine kleine Hierarchisierung vornimmt, ist, glaube ich, jetzt nicht verwerflich.»

In Deutschland erinnerten sich trotzdem einige an eine Debatte, die Merz eigentlich für überwunden gehalten hatte. Stichwort: Stadtbild. Dass Merz im Zusammenhang mit Migration von Problemen im Stadtbild in Deutschland gesprochen hatte, wird ihn wohl seine ganze Amtszeit verfolgen. Der «Spiegel» überschrieb seinen allmorgendlichen Newsletter mit der Schlagzeile «Merz gefällt das Stadtbild in Brasilien nicht».

Es gab einzelne Forderungen nach einer Entschuldigung, von der Linken und von Greenpeace zum Beispiel. «Langsam fragt man sich, ob der Kanzler überhaupt noch irgendwo auftreten kann, ohne Deutschland in Erklärungsnot zu bringen», sagte die Co-Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Dröge, der Deutschen Presse-Agentur. «Das Bild, das der Kanzler bei seiner Brasilienreise abgegeben hat, war fatal: außenpolitisch taktlos, klimapolitisch ambitionslos und gegenüber Brasilien schlicht respektlos.»

Der Umweltminister schwärmt von «großartiger Stadt»

Umweltminister Carsten Schneider (SPD) wurde auf der Konferenz von brasilianischen Journalisten in die Mangel genommen. «Belém ist der beste Austragungsort, den man sich für eine Konferenz vorstellen kann, wo es um das Weltklima geht», sagte er – nicht nur mit Blick auf den Amazonas, sondern auch die Lebendigkeit und «Seele» der Stadt. Er selbst habe Lulas Ratschlag befolgt und die Natur und «Herzlichkeit der Menschen» in der Region kennengelernt. «Was ich nicht gemacht habe, ist Tanzen. Ich glaube, das wird mit meinem Talent auch nichts mehr.»

Am Nachmittag traf Schneider Lula. «Ich hab ihn gebeten, Präsident Lula meine herzlichen Grüße auszurichten», sagte Merz. Er selbst freue sich auf sein Gespräch mit Lula beim G20 in Johannesburg.

Update: In einer früheren Version des Artikels vom 19. November stand ein falsches Wort im Zitat von Umweltminister Schneider.
Klima / UN / #COP30 / Brasilien / Deutschland / International
20.11.2025 · 08:54 Uhr
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