Dieselskandal: Gericht spricht harte Urteile gegen Ex-Manager von Volkswagen aus
Fast ein Jahrzehnt nach dem Aufdecken des Dieselskandals hat die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Braunschweig vier ehemalige Führungskräfte des Volkswagen-Konzerns verurteilt. Zwei der Angeklagten müssen mehrjährige Haftstrafen antreten, während zwei weitere auf Bewährung verurteilt wurden. Besonders bemerkenswert ist die viereinhalbjährige Haftstrafe für den ehemaligen Leiter der Dieselmotoren-Entwicklung, die sogar über das Strafmaß der Staatsanwaltschaft hinausging. Die Kammer sah in ihm eine zentrale Figur in den hinterhältigen Manipulationen.
Mit 175 Verhandlungstagen und dem Schuldspruch ist der Prozess jedoch noch nicht abgeschlossen. Ein weiteres Gefängnisurteil betrifft einen ehemaligen Leiter der Antriebselektronik, der zu zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt wurde. Beide Angeklagte verfolgten die mehrstündige Urteilsverkündung mit gesenkten Köpfen.
Interessant ist die Verurteilung des ranghöchsten Angeklagten, eines Ex-Entwicklungsvorstands, der ein Jahr und drei Monate auf Bewährung erhielt. Ebenso wurde ein ehemaliger Abteilungsleiter, der als erster VW-Mitarbeiter den Betrug eingestand, zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Angeklagten sahen sich in der Rolle von Bauernopfern, während die Verteidigung Freisprüche und mildere Strafen gefordert hatte.
Mit Blick auf den enormen Schaden von 2,1 Milliarden Euro, den die Kammer sah, ist die juristische Aufarbeitung des Dieselskandals längst nicht beendet. Der Skandal, der 2015 aufgedeckt wurde, hat den Wolfsburger Autobauer immense Summen gekostet und ist bisher mit etwa 33 Milliarden Euro zu Buche geschlagen.
Der Richter Schütz betonte, dass nicht nur die Verurteilten für die Abgasmanipulationen verantwortlich seien, sondern auch weitere Involvierte existieren könnten, die bislang nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Er äußerte deutliche Kritik an einigen Zeugenaussagen und vermutete Gefälligkeitsaussagen, um die eigene Beteiligung zu kaschieren.
Während der Prozess weiter in den Mittelpunkt der deutschen Wirtschaftsberichterstattung rückt, laufen in Braunschweig noch weitere Verfahren, die den Skandal weiter aufrollen könnten. Die einstige Rolle von Martin Winterkorn bleibt dabei ungeklärt, auch aufgrund des Unterbrechens seines Verfahrens. Der Ausgang der weiteren Prozesse bleibt fraglich, während die Öffentlichkeit weiterhin auf Antworten dringt.

