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Die versteckte Rentenfalle: Wie die Entgeltumwandlung Ihre Altersvorsorge schmälert

28. Februar 2025, 14:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Betriebliche Altersvorsorge und steuerfreie Gehaltsumwandlung klingen nach einer sinnvollen Strategie. Doch was viele nicht wissen: Wer sein Bruttogehalt für Jobrad, Direktversicherungen oder bAV nutzt, zahlt später den Preis – in Form einer spürbar niedrigeren Rente.

Ein finanzieller Vorteil – mit unsichtbaren Kosten

Das Prinzip ist auf den ersten Blick verlockend: Statt eine Gehaltserhöhung in voller Höhe zu versteuern, fließt ein Teil des Einkommens steuer- und sozialabgabenfrei in eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) oder andere Modelle wie das Dienstfahrrad-Leasing.

Die Folge: Weniger Steuern, geringere Sozialabgaben und im besten Fall eine erkleckliche Zusatzrente im Alter. Doch was oft übersehen wird: Diese Ersparnis von heute kann sich langfristig als Bumerang erweisen.

Denn jede Entgeltumwandlung senkt das sozialversicherungspflichtige Einkommen – und damit auch die spätere gesetzliche Rente.

Was viele Arbeitnehmer nicht auf dem Schirm haben: Auch Krankengeld, Arbeitslosengeld und selbst Kurzarbeitergeld fallen geringer aus. Eine stille, aber gravierende Einbuße, die sich über Jahrzehnte summiert.

Kleine Beträge, große Wirkung: So schrumpft die Rente

Wie stark die Rentenkürzung ausfallen kann, zeigt eine Beispielrechnung der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Wer monatlich 150 Euro per Entgeltumwandlung spart, reduziert sein sozialversicherungspflichtiges Einkommen um 1.800 Euro im Jahr.

Unsichtbare Einbußen: Nicht nur die Rente schrumpft – auch Krankengeld, Arbeitslosengeld und Kurzarbeitergeld fallen geringer aus, wenn das sozialversicherungspflichtige Einkommen durch Entgeltumwandlung gesenkt wird.

Bei einem aktuellen Durchschnittsentgelt von 50.493 Euro führt das zu einem Verlust von 1,40 Euro pro Monat bei der gesetzlichen Rente – jedes Jahr.

Läuft ein Jobrad-Leasing über drei Jahre, summiert sich der Rentenverlust auf 4,20 Euro monatlich. Wer über Jahrzehnte hinweg größere Beträge umwandelt, verliert deutlich mehr: Bei einer maximal möglichen Entgeltumwandlung von 644 Euro pro Monat schrumpft die spätere Rente laut DRV um 6,02 Euro pro Monat – nach 30 Jahren wären das 181 Euro weniger Rente.

Zum Vergleich: Die durchschnittliche gesetzliche Rente in Deutschland liegt derzeit bei rund 1.100 Euro monatlich. Die Differenz durch die Entgeltumwandlung macht damit fast 10 % aus.

Was kaum einer sagt: Auch andere Sozialleistungen sind betroffen

Noch gravierender wird es, wenn man bedenkt, dass sich nicht nur die Rente, sondern auch andere Sozialleistungen an der Höhe des beitragspflichtigen Einkommens orientieren.

Krankengeld: Wer durch Krankheit länger ausfällt, erhält 70 % des Bruttogehalts der letzten 12 Monate. Wer sein Bruttogehalt per Entgeltumwandlung reduziert, bekommt also auch weniger Krankengeld.

Arbeitslosengeld: Gleiches gilt bei Jobverlust: Die Höhe des Arbeitslosengelds berechnet sich aus dem durchschnittlichen Bruttogehalt der letzten 12 Monate. Wer große Teile seines Gehalts umgewandelt hat, erhält entsprechend weniger Unterstützung.

Kurzarbeitergeld: Auch hier gibt es Abzüge. Wer während einer Krise in Kurzarbeit geschickt wird, erhält nur einen Anteil des reduzierten Gehalts – das durch die Entgeltumwandlung ohnehin schon niedriger ausfällt.

Ein Rechenbeispiel: Was bleibt am Ende übrig?

Ein Arbeitnehmer spart über 30 Jahre hinweg monatlich 200 Euro in eine betriebliche Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung. Während der Einzahlungsphase profitiert er von Steuer- und Abgabenvorteilen. Doch im Alter stellt sich heraus:

  • Die gesetzliche Rente fällt um rund 60 Euro pro Monat geringer aus.
  • Auch das Krankengeld in einem Notfall wäre um etwa 140 Euro monatlich niedriger.
  • Bei Arbeitslosigkeit bekäme er rund 75 Euro weniger pro Monat an Unterstützung.

Auf den ersten Blick mag das wenig erscheinen. Doch im Rentenalter zählt jeder Euro – vor allem, wenn man bedenkt, dass die gesetzliche Rente für viele Menschen die wichtigste Einkommensquelle bleibt.

Experten bemängeln, dass diese Einbußen in der Beratung zur betrieblichen Altersvorsorge oft nicht ausreichend kommuniziert werden.

„Die Entgeltumwandlung führt zu realen Renteneinbußen, aber das wird vielen Arbeitnehmern nicht bewusst gemacht“, kritisiert Klaus Morgenstern vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA).

Besonders problematisch sei, dass Online-Rechner für bAV und Jobrad fast ausschließlich die Steuerersparnis in der Einzahlungsphase betonen – und die späteren Verluste bei der Rente oder anderen Sozialleistungen verschweigen.

Ein weiteres Problem: Arbeitnehmer unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze (derzeit 8.050 Euro monatlich) sind besonders betroffen, da jeder Euro weniger direkt auf ihre Sozialversicherungsleistungen durchschlägt.

Finanzen / Reichtum
[InvestmentWeek] · 28.02.2025 · 14:00 Uhr
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