Deutschland erwartet Auslieferung des Nord-Stream-Verdächtigen
Mehr als drei Jahre nach den spektakulären Anschlägen auf die Nord-Stream-Gasleitungen in der Ostsee steht Deutschland kurz davor, den mutmaßlichen Drahtzieher, einen 49-jährigen Ukrainer, inhaftieren zu können. Italien hat nach einer Entscheidung seines obersten Gerichtshofs der Auslieferung zugestimmt und plant, ihn in den nächsten Tagen zu überstellen.
Diese Ereignisse, die 2022 weltweit Schlagzeilen machten, führten bislang zu keiner Anklageerhebung, obwohl ernsthafte Ermittlungen im Gange sind. Der Kassationshof in Rom hat kürzlich entschieden, dass Serhij K. nach Deutschland gebracht werden darf, wo er wahrscheinlich in Hamburg vor Gericht gestellt wird. Die Bundesanwaltschaft beschuldigt ihn, als Kopf einer siebenköpfigen Gruppe für die Anschläge verantwortlich zu sein, weist jedoch darauf hin, dass Serhij K. die Anschuldigungen bestreitet.
Auch die anderen Verdächtigen sind derzeit frei, was den Fall zusätzlich brisant macht. Die Ermittlungsbehörden werfen dem Ukrainer vor, gemeinschaftliche Sprengstoffanschläge und verfassungsfeindliche Sabotage begangen zu haben. Er wurde während eines Sommerurlaubs in Italien festgenommen und sitzt seitdem in einem Hochsicherheitsgefängnis – bis zur jüngsten Entscheidung auch im Hungerstreik.
Sein italienischer Anwalt, Nicola Canestrini, äußerte seinen Glauben an einen möglichen Freispruch in Deutschland, sieht aber wenig Aussicht auf einen Rechtsweg vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Interessanterweise verhindert Polen die Auslieferung eines weiteren ukrainischen Verdächtigen ebenfalls an Deutschland, ein Mann, der mittlerweile auf freiem Fuß ist. Der Fall zieht immer weitere Kreise, wobei deutsche Ermittler vermuten, dass auch eine gemietete Segeljacht namens 'Andromeda' im Zusammenhang mit den Anschlägen steht, die sich in der Nähe der dänischen Insel Bornholm ereigneten.

