Deutschland erlebt Rückenwind im Windkraftausbau
Der Ausbau der Windenergie in Deutschland verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 einen beeindruckenden Zuwachs. Nach vorläufigen Zahlen gingen 409 neue Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 2,2 Gigawatt ans Netz – ein Anstieg um zwei Drittel im Vergleich zum Vorjahr und der beste Halbjahreswert seit 2017, wie der Bundesverband Windenergie und der Fachverband VDMA Power Systems berichten.
Nordrhein-Westfalen führt die Liste der Bundesländer mit den meisten neuen Windkraftanlagen an, gefolgt von Niedersachsen. Trotz einiger Stilllegungen betrug der Netto-Zuwachs im ersten Halbjahr rund 1,9 Gigawatt. Besonders hervorzuheben ist die gesteigerte Leistungsstärke der neuen Windräder, die den Bestand um 199 auf insgesamt 29.000 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 65,3 Gigawatt erhöht haben. Im ersten Halbjahr trugen die Onshore-Windkraftanlagen mit über 22 Prozent zur Stromerzeugung bei. Ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, da die ersten vier Monate ungewöhnlich windschwach waren.
Ein bemerkenswerter Erfolg zeigt sich auch bei den neu genehmigten Leistungen: Bis Ende Juni wurden Windkraftkapazitäten von rund 7,8 Gigawatt durch die Behörden genehmigt – ein Anstieg um 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bleiben Spitzenreiter, doch auch Bayern holt deutlich auf.
Trotz des langjährigen Nord-Süd-Gefälles im Windkraftausbau erfordert der Weg von der Genehmigung zur Inbetriebnahme durchschnittlich mehr als zwei Jahre. Die Regierung, bestehend aus SPD, Grünen und FDP, setzt auf den beschleunigten Windkraftausbau als Kernelement zur Erreichung der Klimaziele.
Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Bundesverbands Windenergie, hebt die Notwendigkeit eines zuverlässigen Fahrplans und stabiler Finanzierungsoptionen hervor, da der wachsende Strombedarf durch Wasserstoff, Wärmepumpen, E-Fahrzeuge und die industrielle Elektrifizierung gedeckt werden muss. Katherina Reiche, Wirtschafts- und Energieministerin, kündigte angesichts hoher Kosten einen „Realitätscheck“ der Energiewende an und betonte die Notwendigkeit, den Ausbau der erneuerbaren Energien besser mit dem Netzausbau zu synchronisieren.
Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA Power Systems, verweist darauf, dass die Branche ihre Aufgaben erledige, allerdings stagniere der Fortschritt beim Netzausbau.

