Deutsche Inflation mit überraschendem Rückgang – Entspannung in Sicht?
Die jüngsten Daten aus Wiesbaden zeigen, dass die Inflation in Deutschland auf 2,0 Prozent gesunken ist – der niedrigste Wert seit Oktober. Während die Preise im Mai noch um 2,1 Prozent gestiegen waren, haben nun günstigere Energiekosten und eine verlangsamte Preissteigerung bei Lebensmitteln für Entlastung gesorgt. Dies könnte signalisieren, dass der Inflationsdruck langsam nachlässt.
Ökonomen bewerten die Situation unterschiedlich. Michael Heise von HQ Trust warnt, dass trotz des Rückgangs kaum Abkühlung spürbar sei, insbesondere im Dienstleistungssektor. Urlauber spüren die Teuerung an steigenden Hotelpreisen, und auch Eisdielenbesucher bleiben nicht verschont. Ulrich Kater von der Dekabank sieht die Inflation auf einem 'Schmusekurs' und bemerkt, dass trotz vorangegangener Rohölanstiege keine nachhaltige Beeinträchtigung der Inflationsrate festzustellen ist.
Ralph Solveen von der Commerzbank hebt hervor, dass die Kerninflation, welche volatilen Posten wie Lebensmittel und Energie ausschließt, noch immer bei 2,7 Prozent liegt. Dennoch rechnen die Experten mit einem langsamen Rückgang in den kommenden Monaten. Ralf Umlauf von der Helaba ergänzt, dass trotz Benzinpreisschwankungen die Haupt-Kerninflation schwach bleibt. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zeichnet sich daher eine abwartende Haltung ab, wenngleich zukünftige Zinssenkungen nicht ausgeschlossen sind.
Carsten Brzeski von ING sieht die Inflation auf einem Abwärtstrend und erwartet ein weiteres Absinken unter die 2-Prozent-Marke. Trotz eines potenziellen Inflationsdrucks durch staatliche Konjunkturmaßnahmen und die zukünftigen Ölpreise ist eine Abkühlung auf dem Arbeitsmarkt ein dämpfender Faktor. Auch Thomas Gitzel von der VP Bank glaubt, dass die EZB vorsichtig optimistisch bleiben könnte und vorerst keine weiteren Zinssenkungen plant, solange die Dienstleistungspreise nicht nachgeben.

