Deutsche Bahn setzt überraschend auf Preisstabilität im Fernverkehr
In einer unerwarteten Wendung hat die Deutsche Bahn verkündet, die Ticketpreise im Fernverkehr im Dezember nicht wie üblich anzuheben. Erstmals seit Jahren bleiben sowohl Spar- und Flexpreise als auch die Bahncards von Erhöhungen verschont. Diese Entscheidung kommt inmitten einer Zeit, in der die Branche mit Sorgen über mögliche Preissprünge zum Dezemberfahrplanwechsel aufgrund der Schienenmautentwicklung lebte.
Ein Sprecher der Deutschen Bahn erklärte, das Unternehmen wolle mit stabilen Preisen ein Zeichen setzen, da viele Züge durch den desolaten Zustand des Schienennetzes und zahlreiche kurzfristige Baustellen ausgebremst wurden, was längere Fahrzeiten für die Reisenden zur Folge hatte. Gleichzeitig bleiben die Preise für Sitzplatzreservierungen und Ticketstornierungen unverändert. Zuvor hatte die "Bild" über diesen Schritt berichtet.
In den vergangenen Jahren hatte die Bahn regelmäßig ihre Fernverkehrstarife zum Dezemberfahrplanwechsel nach oben angepasst, zuletzt um durchschnittlich 5,9 Prozent. Eine im Juni abgeschaffte familienfreundliche Sitzplatzreservierung wurde stark kritisiert, dennoch bleibt die Bahn dabei, dass Kinder in Begleitung Erwachsener bis 14 Jahre kostenlos mitfahren.
Die kritische Lage bleibt: Nur 55 Prozent der ICE- und IC-Züge erreichten im September pünktlich ihren Zielbahnhof, während der Nahverkehr bei knapp 87 Prozent Pünktlichkeit lag. Regionale Verkehrsverbünde haben bereits Preiserhöhungen im Nahverkehr angekündigt, und das Deutschlandticket wird ab Januar 2026 teurer.
Die Entscheidung, die Fernverkehrspreise stabil zu halten, passt zur kundenfreundlicheren Zielsetzung von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. Dennoch stellt sich die Frage, wie lange die DB Fernverkehr diese Preisstrategie aufrechterhalten kann, da die finanzielle Situation angespannt ist. Der EVG-Chef Martin Burkert warnt, dass eine Preiserhöhung unvermeidlich sei, da die Trassenpreise gestiegen sind und die Trassenpreisförderung nicht entsprechend angepasst wurde.
Durch Verschuldung hat die Bahn die Preissteigerung in diesem Jahr abgewendet, was jedoch ein Risiko für die ohnehin angeschlagene Wirtschaftlichkeit der DB Fernverkehr darstellt.

