Deutsche Anleihekurse unter Druck: Politik auf globaler Bühne im Fokus
Die Kurse der deutschen Staatsanleihen setzen ihre Talfahrt fort. Der Euro-Bund-Future, als bedeutender Indikator im Anleihemarkt, fiel am Dienstag um 0,41 Prozent und notierte bei 129,57 Punkten. Dies führte zu einem Anstieg der Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihen auf 2,69 Prozent, was die Analystenschar aufhorchen ließ.
Analystin Sophia Oertmann von der DZ Bank bemerkte die Parallelen zum US-amerikanischen Markt, wo die Zinsen ebenfalls anzogen. Der Druck auf die Anleihekurse zeigte sich europaweit und weist laut Oertmann auf einen stärkeren Einfluss internationaler Entwicklungen als nationaler Daten hin, da in dieser Woche kaum relevante wirtschaftliche Neuigkeiten anstehen.
Besonders die Entwicklungen in der US-Handelspolitik gestalten sich richtungsweisend. Präsident Donald Trump hat die ursprünglich für Mittwoch angesetzten Zölle auf den 1. August verschoben und damit einen neuen Verhandlungsspielraum eröffnet.
Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Privatbank Berenberg, betont, dass solche Fristverlängerungen die Effekte der bereits bestehenden Zölle auf die US-Verbraucherpreise verstärken. Er prognostiziert, dass die US-Inflation von 2,4 Prozent im Mai auf 3,2 Prozent im dritten Quartal und sogar 3,4 Prozent im vierten Quartal 2025 steigen wird. Diese absehbare Inflationserhöhung könnte den Druck auf den US-Präsidenten verstärken, Handelsvereinbarungen abzuschließen, um der heimischen Wirtschaft Erleichterung zu verschaffen.

