Denken ans Auswandern: Jeder Fünfte überlegt, Deutschland den Rücken zu kehren
Eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) beleuchtet, dass 21 Prozent der Bevölkerung in Deutschland mit dem Gedanken spielen, das Land zu verlassen. Besonders auffällig in der Statistik: Menschen ohne Migrationshintergrund sind zu 17 Prozent geneigt auszuwandern, während dieser Anteil bei Eingewanderten doppelt so hoch ausfällt. Ihre Nachkommen übertreffen dies sogar mit 37 Prozent. Die häufigste Motivation, die in der Studie zur Sprache kommt, ist die Hoffnung auf ein besseres Leben, welche bei jedem Zweiten mit Auswanderungsambitionen zu finden ist. Diskriminierungserfahrungen werden oft von Menschen mit Migrationsgeschichte als weiterer Grund genannt.
Zwar denken viele an einen Aufbruch, aber konkret sind die Pläne nur bei zwei Prozent der Befragten, die in Erwägung ziehen, binnen eines Jahres zu gehen. Dennoch verließen im Jahr 2024 tatsächlich 1,2 Millionen Menschen Deutschland. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass die Auswanderung, trotz der dominierenden Einwanderungsdebatten, gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel und drohende Arbeitskräftemangel von Relevanz ist. Besonders Personen mit familiärer Verbindung zur Türkei, dem Nahen Osten und Nordafrika zeigen mit 39 Prozent eine erhöhte Bereitschaft auszuwandern.
Dem folgen Bevölkerungsgruppen aus der ehemaligen Sowjetunion mit 31 Prozent und aus EU-Staaten mit 28 Prozent. Bedeutend ist, dass die hypothetischen Auswanderungsüberlegungen kurz vor der Bundestagswahl im Februar 2025 bemerkenswert anstiegen, insbesondere unter Menschen mit Migrationshintergrund und deren Nachkommen. Interessanterweise liegen die Dezim-Werte etwas über denen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, welches Mitte 2025 berichtete, dass 26 Prozent der Eingewanderten über eine Auswanderung nachdenken. Davon hatten damals drei Prozent oder rund 300.000 Menschen konkrete Pläne, das Land zu verlassen.

