Dax verliert an Boden: Geopolitische Spannungen und Quartalszahlen drücken die Stimmung
Nach zwei Tagen der Gewinne zogen sich Anleger von deutschen Aktien zurück und setzten den Dax unter Druck. Ohne sich weiter dem Rekordhoch von 24.771 Punkten anzunähern, beendete der Leitindex den Handelstag mit einem Minus von 0,74 Prozent bei 24.151,13 Punkten. Auch der MDax musste Federn lassen und fiel um 0,44 Prozent auf 30.007,74 Punkte. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China bot keinen Anlass zur Entspannung, da Experten weiterhin zähe Verhandlungen erwarten und eine Verlängerung der Fristen im Raum steht. Zusätzlich sorgten Bedenken rund um die Chipversorgung für Unsicherheit, da die Kontrolle über den chinesischen Halbleiter-Hersteller Nexperia nun niederländisch ist.
Die US-Berichtssaison trug mit den Tech-Schwergewichten Netflix und Texas Instruments negative Impulse bei, während die bevorstehenden Zahlen des Software-Giganten SAP im Mittelpunkt standen. Insbesondere das Cloud-Geschäft von SAP wurde mit Spannung erwartet. Ein herber Rückschlag ereilte den deutschen Technologietitel Teamviewer, dessen Aktien im MDax um beachtliche 21,6 Prozent einbrachen. Gesenkte Wachstumsziele, resultierend aus der Übernahme von 1E, schockierten die Anleger und ließen Zweifel an der strategischen Weitsicht des Unternehmens aufkommen.
Im Dax verzeichneten die Aktien von Siemens Energy mit einem Verlust von 3,7 Prozent den größten Rückgang. Der erhoffte Rückenwind durch den US-Rivalen GE Vernova verwandelte sich nach Eröffnung der New Yorker Börse in Gegenwind. Adidas stellte mit einem fast drei Prozent großen Verlust im Dax einen weiteren Unsicherheitsfaktor dar, obwohl das Unternehmen seine Gewinnprognose zuvor erhöht hatte. Es scheint, als hätten die Anleger nach einer Erholungsphase beschlossen, Gewinne mitzunehmen.
Auch die Automobilhersteller BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz gerieten unter Druck. Die Zulieferproblematik um Nexperia verstärkte die Sorgen über mögliche Produktionsausfälle in der Branche. Infineon verlor 2,9 Prozent an Wert, teils durch die Nexperia-Problematik, teils durch enttäuschende Prognosen von Texas Instruments. Die Rüstungstitel, beispielsweise Rheinmetall, gaben ebenfalls nach. Obwohl es anfangs noch deutlich zu Kursgewinnen kam, führten gedämpfte Hoffnungen auf einen US-Russland-Gipfel zu Gewinnmitnahmen.
Die Online-Apotheke Redcare Pharmacy büßte im MDax 5,5 Prozent ein, belastet durch Berichte über mögliche Konkurrenten wie DM, Rossmann und Lidl im Medikamentensektor. Der EuroStoxx geriet ebenfalls unter Druck, verlor 0,84 Prozent und durchbrach damit seinen jüngsten Rekordlauf. Der SMI fiel um 0,1 Prozent und der britische FTSE 100 legte fast ein Prozent zu. Auch die US-Börsen zeigten Schwäche: Der Dow Jones Industrial und der Nasdaq 100 verloren 0,3 beziehungsweise 0,7 Prozent.

