Das Cherry XTRFY H3 Wireless im Test: Kabelloser Klang-König oder nur Mittelmaß?
Du kennst das: Die Gaming-Session läuft, die Gegner schwitzen, und plötzlich zwickt das Headset oder der Akku gibt auf. Schluss damit! Denn Cherry, bekannt für legendäre Tastaturen, und XTRFY, die schwedische Gaming-Schmiede, haben sich zusammengetan und endlich ein kabelloses Gaming-Headset auf den Markt gebracht. Das Cherry XTRFY H3 Wireless verspricht satten Sound, endlosen Akku und Komfort für lange Nächte. Doch hält es auch wirklich, was es verspricht? Ich habe das Headset auf Herz und Nieren getestet – und verrate dir, ob sich der Kauf lohnt!
Design und Verarbeitung: Skandinavisch schlicht, angenehm robust
Gleich beim Auspacken fällt auf: Das H3 Wireless ist kein schriller Paradiesvogel, sondern eher der coole Schwede unter den Headsets. Komplett in Schwarz gehalten, mit silbernem Herstellerlogo auf den Ohrmuscheln – Understatement pur. Wer die HyperX-Modelle kennt, wird Parallelen entdecken, nur ohne rote Akzente. Der robuste Metallbügel und das dick gepolsterte Kopfband sorgen für Stabilität und Komfort, auch wenn die Bedienelemente etwas billig wirken und einen präziseren Druckpunkt vertragen könnten.

Das Gehäuse besteht aus Kunststoff, was das Gewicht niedrig hält – zumindest in der Theorie. Mit 325 Gramm (ohne Mikrofon und Kabel) ist das H3 Wireless kein Fliegengewicht, aber dank der großen Stoff-Ohrpolster mit Kunstlederrand sitzt es trotzdem bequem. Die 25 mm dicken und großzügig geschnittenen Polster bieten mittelgroßen Ohren ausreichend Platz. Wer jedoch mit Segelohren gesegnet ist, könnte sich etwas eingeengt fühlen. Die Polster sind zudem eher fest und weniger dehnbar als bei mancher Konkurrenz.
Ausstattung und Bedienung: Alles, was das Gamer-Herz begehrt
Für den aufgerufenen Preis von 129,00€ liefert Cherry XTRFY ein beeindruckendes Ausstattungspaket. Das H3 Wireless funkt nicht nur per 2,4 GHz-Dongle, sondern auch via Bluetooth 5.1 – perfekt für PC, Konsolen und mobile Geräte. Zwar kannst du nicht beide Verbindungen gleichzeitig nutzen, aber die Reichweite überzeugt: Selbst der Kühlschrank- oder Toilettengang ist problemlos möglich, ohne dass die Verbindung abreißt.
Auf eine eigene App zur Feineinstellung musst du verzichten. Dafür gibt es einen Equalizer-Knopf, mit dem du per Tastendruck zwischen Gaming-, Film- und Musik-Modus wechselst. Die Bedienelemente sitzen alle auf der linken Ohrmuschel: An/Aus, Lauter/Leiser, Mikrofon-Stummschaltung – alles selbsterklärend. Jede Taste hat zudem eine Sekundärfunktion (z. B. Wechsel zwischen Bluetooth und Funk), die durch langes Drücken aktiviert wird.
Ein kleiner Wermutstropfen: Die Lautstärkeregelung unter Windows ist etwas grobmotorisch. Ein Tastendruck verändert die Lautstärke mal um 6, mal um 8 Stufen – Feintuning sieht anders aus. Da hilft nur: Augen zu und durch!
Akkulaufzeit: Der Marathonläufer unter den Headsets
Hier punktet das H3 Wireless gewaltig: Bis zu 100 Stunden Akkulaufzeit sind drin! Damit spielt das Headset locker in der Oberliga – und du kannst selbst epische Gaming-Nächte ohne Ladeangst genießen. Eine App zur Akkuanzeige gibt’s nicht, dafür informiert eine Status-LED über den Ladezustand: Grün = voll, Gelb = unter 75 Prozent, Hellrot = unter 50 Prozent, Dunkelrot = Zeit zum Laden.

Und das Beste: Während des Ladens kannst du einfach weiterspielen, denn das Headset funktioniert auch mit angestecktem USB-C-Kabel. Für alle, die Ladepausen hassen: ein echter Pluspunkt!
Klangqualität: Der Shooter-Profi mit kleinen Schwächen
Beim Sound setzt Cherry XTRFY auf Bewährtes: Die 53 mm-Treiber stammen aus dem XTRFY H2 und liefern einen Frequenzbereich von 20 Hz bis 20.000 Hz. Mit nur 16 Ohm Impedanz sind die Kopfhörer auch für schwächere Quellen kein Problem.
Im Praxistest überzeugt das H3 Wireless vor allem in kompetitiven Shootern: Schritte, Nachladegeräusche und andere akustische Hinweise werden klar und deutlich wiedergegeben – perfekt, um Gegner zu orten und die nächste Runde für sich zu entscheiden. Der Sound ist bewusst auf E-Sport und Shooter abgestimmt: Höhen und Tiefen stehen im Vordergrund, die Mitten sind dagegen etwas flach und detailarm.
Wer mehr Wumms für Musik oder Filme will, kann einfach auf den entsprechenden Equalizer-Modus umschalten. Dann werden Mitten und Bässe ordentlich geboostet, allerdings auf Kosten der Höhen. Das Ergebnis: ein spaßiger, aber nicht besonders neutraler Klang, der vor allem bei Filmen und Singleplayer-Spielen Laune macht.

Klar, es gibt Headsets, die noch besser klingen – zum Beispiel das Creative SXFI AIR Gamer, das im direkten Vergleich etwas räumlicher und detaillierter aufspielt, aber in den Höhen schnell unangenehm werden kann. Das H3 Wireless bleibt dagegen angenehm ausgewogen und liefert für den Preis eine mehr als solide Performance.
Mikrofonqualität: Hier ist noch Luft nach oben
Das Mikrofon ist abnehmbar und erinnert ebenfalls stark an das des H2 – leider mit ähnlichen Schwächen. Aufnahmen sind zwar mit 16 Bit und 48 kHz möglich, aber die Qualität und vor allem die maximale Lautstärke lassen zu wünschen übrig. Für den Voice-Chat reicht es, für Streaming oder Podcasts solltest du aber besser ein separates Mikrofon nutzen. Hier verschenkt Cherry XTRFY viel Potenzial.
Praxistest: Alltagstauglich und vielseitig
Im Alltag macht das H3 Wireless eine gute Figur: Schnell verbunden, unkomplizierte Bedienung, starker Akku und ein angenehmer Sitz selbst bei längeren Sessions. Die Möglichkeit, zwischen Bluetooth und 2,4 GHz zu wechseln, macht das Headset extrem flexibel – egal ob am PC, an der Konsole oder unterwegs am Smartphone.
Einziger echter Kritikpunkt bleibt die fehlende App, mit der du das Soundprofil noch genauer anpassen könntest. Auch die grobe Lautstärkeregelung unter Windows nervt auf Dauer. Aber das sind Kleinigkeiten, die den insgesamt guten Eindruck nicht trüben.

