Cum-Ex-Skandal: Hanno Berger kämpft um seine Sicht der Dinge
Hanno Berger, die zentrale Figur im berüchtigten Cum-Ex-Steuerskandal, bleibt auch nach seiner Verurteilung zu erheblichen Haftstrafen von seiner Unschuld überzeugt. In einem Gespräch mit dem 'Handelsblatt' äußerte der 74-Jährige aus seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt heraus, dass er sich nie im Unrecht gesehen habe. Seit mittlerweile zwölf Jahren widme er sich ausschließlich seiner Verteidigung und hält die umstrittenen Cum-Ex-Aktiendeals, bei denen sich Investoren Steuern mehrfach erstatten ließen, noch immer für rechtmäßig.
Kritik übt Berger insbesondere an der juristischen Behandlung seines Falles. Die Razzia der Kölner Staatsanwaltschaft in seinen Privaträumen im Jahr 2014 bezeichnete er als 'Schande für den Rechtsstaat'. Speziell wirft er der ehemaligen Staatsanwältin Anne Brorhilker Voreingenommenheit vor und unterstellt, dass man von Anfang an hätte erkennen müssen, dass es sich bei den Geschäften um Straftaten handelt.
Berger war eine Schlüsselfigur bei der Einführung der Cum-Ex-Deals in Deutschland, die als größter Steuerbetrug der Geschichte des Landes gelten. Die Geschäfte hatten dem Fiskus massive Steuerverluste beschert, und richteten sich an Banken und wohlhabende Investoren.
Trotz der späteren Verurteilung setzte Berger seine Flucht in die Schweiz fort, bis er schließlich zurück nach Deutschland ausgeliefert und verurteilt wurde. Die Cum-Ex-Strategie beinhaltete den Handel von Aktien mit und ohne Dividendenanspruch, was zu ungerechtfertigten Steuererstattungen führte.
Eine Gesetzesänderung 2012 sowie ein entscheidendes Urteil des Bundesgerichtshofs 2021 stellten klar, dass diese Geschäfte Steuerhinterziehung darstellen. Berger hat sich inzwischen auch mit seinem ehemaligen Kanzleipartner Kai-Uwe Steck überworfen, der als Kronzeuge mildere Strafen erhielt.
Berger hingegen plant weiterhin, gegen vermeintliche Falschaussagen vorzugehen und erklärt kämpferisch: 'Ich kämpfe. Die Sache ist noch nicht zu Ende.'

