Citigroup setzt auf Ex-JPMorgan-Elite – Raghavan treibt aggressiven Personalumbau voran
Citigroup hat ihre Investmentbank binnen eines Jahres sichtbar umgebaut. Seit dem Amtsantritt von Vis Raghavan im Juni 2023 sind mindestens zehn frühere Kollegen aus seiner Zeit bei JPMorgan zu Citi gewechselt – ein Schritt, der dem Institut zuletzt ein Umsatzplus von 13 Prozent im Investmentbanking brachte. Laut Dealogic stieg Citi damit auf Platz fünf im globalen Ranking, mit einem Marktanteil von 4,5 Prozent.
Zu den prominentesten Neuzugängen zählen Guillermo Baygual als Co-Head of Global M&A, Pankaj Goel für Technology Investment Banking und BJ Vargas an der Spitze des nordamerikanischen Equity Capital Markets. Auch Amit Nayyar (Europäische Technologie) und Ashish Agarwal (Real Estate) gehören zum Kreis der Ex-JPMorgan-Banker, die Raghavan nun in Schlüsselpositionen installiert hat. Schon zuvor war sein langjähriger Vertrauter Achintya Mangla zu Citi gewechselt, wo er heute das Finanzierungsgeschäft leitet.
Insider sprechen von einer ungewöhnlichen Geschwindigkeit, mit der Raghavan seine Mannschaft formt. „Es geht zunächst darum, die Qualität des Teams zu heben – und zugleich darum, politische Stärke aufzubauen, indem man loyale Führungskräfte platziert“, kommentiert ein erfahrener Investmentbanker. Das Muster zeigt sich auch bei David Lomer, ehemals ICG, der nach seiner Kündigung in London erwartet wird.
Doch die Offensive reicht über das JPMorgan-Netzwerk hinaus. Von Goldman Sachs holte Citi zuletzt drei Partner, darunter David Friedland, der nach 25 Jahren das Haus verließ, um Co-Head of North America Coverage zu werden. Mit Aashish Dhakad, bislang bei Ares Management, verstärkt Citi zudem das Private-Credit-Geschäft – ein Feld, das über eine 25-Milliarden-Dollar-Allianz mit Apollo erheblich ausgebaut werden soll.
Raghavan verweist selbst auf die Breite der Offensive. Bei einer Konferenz im Juni erklärte er, Citi habe „eine Menge Leute eingestellt“ und sei „erst am Anfang, was Talent-Investitionen betrifft“. Parallel dazu beriet das Haus jüngst Nippon Steel bei der 15-Milliarden-Dollar-Übernahme von US Steel und unterstützte Boeing beim Verkauf von Software-Assets an Thoma Bravo.
Die Personalpolitik zahlt sich bislang aus. Doch sie schärft auch die Konturen im Wettbewerb: JPMorgan selbst meldete, seit 2024 über 300 Banker neu verpflichtet zu haben – fast ein Drittel davon auf Managing-Director-Level. Der Kampf um Top-Talente verlagert sich damit zunehmend von den Deal-Tischen an die Rekrutierungsfront.


