Chinesischer Wetterballon vor Taiwans Küste entdeckt
Taiwans Streitkräfte haben einen chinesischen Wetterballon nahe der Küste des Inselstaates gefunden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Taipeh hat der Ballon am Donnerstag die mittlere Linie in der Meerenge zwischen Taiwan und China überquert und ist kurz darauf verschwunden. Das Fluggerät wurde vermutlich für Messungen verwendet und befand sich etwa 6400 Meter über dem Boden südwestlich von Keelung.
Der chinesische Außenamtssprecher Wang Wenbin äußerte sich dazu, dass ihm die Situation nicht bekannt sei und es sich nicht um eine diplomatische Angelegenheit handele. Der taiwanische Verteidigungsminister Chiu Kuo-chen erklärte hingegen, dass die jahreszeitbedingten Winde den Ballon vermutlich so weit nach Osten getrieben haben.
Die Entdeckung erinnert an einen Vorfall Anfang dieses Jahres, als ein mutmaßlicher chinesischer Spionage-Ballon über US-Gebiet schwebte. Peking erklärte damals, dass es sich um einen abgedrifteten Ballon für wissenschaftliche Zwecke gehandelt habe.
Taiwan berichtet regelmäßig über militärische Aktivitäten Chinas vor seiner Küste, jedoch sind Ballon-Entdeckungen äußerst selten. Chinas Militär führt beinahe täglich Übungen mit Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen vor Taiwans Küste durch. Innerhalb von 24 Stunden sind 15 Jets in den Luftraum der Inselrepublik eingedrungen, insgesamt wurden 26 Militärflugzeuge und 10 Schiffe der chinesischen Marine um Taiwan gesichtet. Taiwans Streitkräfte haben die Situation überwacht.
Peking betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz, basierend auf dem chinesischen Bürgerkrieg zwischen 1927 und 1949. Obwohl in Taipeh eine eigenständige Regierung sitzt, sieht die kommunistische Partei Chinas die Insel als chinesisches Territorium an. Durch die täglichen Übungen dürfte China laut Experten eine Testung der militärischen Fähigkeiten Taiwans anstreben und die Streitkräfte des Inselstaates ermüden wollen.
Die internationale Gemeinschaft ist besorgt über einen möglichen Konflikt. China hat bereits mit einer Invasion gedroht, sollte eine "Wiedervereinigung" nicht möglich sein. Ein Konflikt in der Region, in der wichtige Handelsrouten verlaufen, hätte erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. (eulerpool-AFX)

