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Chinas Banken-Riesen durchbrechen Todesspirale: Erste Gewinnsteigerung seit 2022

04. Mai 2026, 15:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Chinas Banken-Riesen durchbrechen Todesspirale: Erste Gewinnsteigerung seit 2022
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Chinas fünf größte Banken melden Gewinnwachstum im Q1 2026. ICBC steigert Profit um 3,3% auf 86,9 Mrd. Yuan, stärkster Anstieg seit 2022.
Nach Jahren der Margenerosion melden die fünf größten Staatsbanken plötzlich Gewinnwachstum. ICBC steigert Profit um 3,3 Prozent – doch hinter den Zahlen verbirgt sich ein Balanceakt zwischen staatlichen Zwängen und Überlebensdrang.

Chinas größte staatliche Banken haben im ersten Quartal 2026 einen Gewinnzuwachs verzeichnet und signalisieren damit eine mögliche Trendwende für eine Branche, die jahrelang von schrumpfenden Margen geplagt wurde. Die Industrial & Commercial Bank of China (ICBC), die weltweit gemessen an der Bilanzsumme größte Bank, steigerte ihren Gewinn um 3,3 Prozent auf 86,9 Milliarden Yuan (12,7 Milliarden Dollar) – der stärkste Anstieg seit Ende 2022.

Die Zahlen der anderen Giganten fallen ähnlich aus: Agricultural Bank of China und Bank of Communications verzeichneten Gewinnsteigerungen von 4,5 Prozent beziehungsweise 3,1 Prozent. China Construction Bank lieferte ein Plus von 3,5 Prozent, während Bank of China um 4,2 Prozent zulegte. Diese Entwicklung ist bemerkenswert, denn sie bricht mit einer jahrelangen Negativspirale.

Die meisten Kreditinstitute profitierten von einer Erholung der Gebühreneinnahmen, da sich die Märkte erholten, während sie gleichzeitig die Einlagenzinsen strafften, um die Margen zu schützen. Nettozinsmargen und Kreditausfallquoten blieben im gesamten Sektor weitgehend stabil. Doch diese oberflächliche Stabilität verschleiert die strukturellen Zwänge, unter denen chinesische Banken operieren.

Peking zwingt Banken zum nationalen Dienst auf Kosten der Profitabilität

Stagnierende Gewinne sind zu einem strukturellen Merkmal der Branche geworden, da Peking von staatlichen Kreditgebern verlangt, die Wirtschaft durch billige Kredite und Schuldenerlasse zu stützen. Diese politische Instrumentalisierung hat die Banken in einen Teufelskreis aus schrumpfenden Margen und verschlechterter Kreditqualität gezwungen.

Die anhaltenden Gegenwinds zwangen die Kreditgeber, sich zwischen rekordniedrigen Margen und sich verschlechternder Vermögensqualität durchzuschlagen. Diese anhaltende Belastung veranlasste die Behörden im März, die Ausgabe spezieller Staatsanleihen zur Rekapitalisierung der größten Banken des Landes anzukündigen – ein Schritt, der darauf abzielt, das 70 Billionen Dollar schwere Finanzsystem zu stärken.

44 Milliarden Dollar sollen über diese Anleihen in die Banken fließen. Diese Summe ist nicht nur eine finanzielle Stütze, sie ist ein Eingeständnis: Das aktuelle Modell – Banken zu zwingen, unprofitable Kredite zu vergeben, um die Wirtschaft zu stützen – funktioniert langfristig nicht ohne staatliche Intervention.

Die chinesischen Banken befinden sich in einer paradoxen Situation. Einerseits sind sie die größten Finanzinstitute der Welt nach Bilanzsumme. Andererseits haben sie weniger operative Freiheit als kleinere westliche Institute. Peking diktiert faktisch, wem zu welchen Konditionen Kredite vergeben werden müssen.

Erste Anzeichen eines Wendepunkts trotz struktureller Zwänge

Einige Analysten sehen einen Wendepunkt am Horizont. Eine wachsende Zahl von Ökonomen prognostiziert, dass die Zentralbank des Landes in diesem Jahr weder die Zinssätze noch die erforderlichen Reserven der Kreditgeber senken wird, da die durch den Irankrieg verursachte Ölkrise die Inflationserwartungen nach oben treibt.

Der Irankrieg und die Blockade der Straße von Hormus haben die Ölpreise dramatisch steigen lassen. Für China, das massiv von Ölimporten abhängig ist, bedeutet das Inflationsdruck. Die People's Bank of China kann sich in diesem Umfeld keine weiteren geldpolitischen Lockerungen leisten. Das wiederum stabilisiert die Margen der Banken.

Morgan Stanley erwartet eine positivere Aussicht für den Rest des Jahres 2026 und prognostiziert eine Umsatzerholung, da der Margendruck nachlässt und die Gebühreneinnahmen sich stabilisieren. „Die Neubepreisung von Einlagen und ein Schritt hin zu 'Anti-Involution' bei der Kreditpreisgestaltung – die Reduzierung irrationalen Wettbewerbs – gehören zu den Faktoren, die voraussichtlich die Nettozinsmarge in diesem Jahr stützen werden", schrieben Analysten unter der Leitung von Richard Xu in einer Note von Ende März.

"Anti-Involution" ist ein bemerkenswerter Begriff. Er deutet darauf hin, dass die chinesischen Banken – möglicherweise mit stillschweigender Billigung der Regulierungsbehörden – aufhören, sich gegenseitig mit immer niedrigeren Kreditzinsen zu unterbieten. Wenn dieser Trend anhält, könnten die Margen sich stabilisieren oder sogar leicht steigen.

Die Kreditqualität findet möglicherweise einen Boden

Auch bei der Vermögensqualität wird erwartet, dass sie einen Boden findet. Laut Vivian Xue, Direktorin für Finanzinstitute bei Fitch Ratings, werden die Bilanzen chinesischer Kreditgeber durch einen vorsichtigeren Ansatz beim Kreditwachstum und eine proaktive Strategie zur Entsorgung toxischer Vermögenswerte unterstützt.

Diese Einschätzung ist optimistischer als noch vor einem Jahr. Damals dominierten Sorgen über die Immobilienkrise, die Verschuldung lokaler Regierungen und die schwache Verbrauchernachfrage die Diskussion. Dass Fitch nun davon ausgeht, die Kreditqualität finde einen Boden, signalisiert, dass das Schlimmste möglicherweise vorbei ist.

Doch "einen Boden finden" bedeutet nicht "sich erholen". Es bedeutet: nicht weiter fallen. Für Anleger ist das eine wichtige Unterscheidung. Die chinesischen Banken werden nicht plötzlich zu Wachstumsmaschinen. Sie bewegen sich von einer Abwärtsspirale in Richtung Stabilisierung.

Die proaktive Strategie zur Entsorgung toxischer Vermögenswerte ist ebenfalls bemerkenswert. Chinesische Banken haben in der Vergangenheit dazu geneigt, faule Kredite möglichst lange in den Büchern zu behalten. Ein aktiverer Ansatz – Problemkredite schneller abzuschreiben oder zu verkaufen – würde kurzfristig die Gewinne belasten, aber langfristig die Bilanzen bereinigen.

Der Iran-Faktor verhindert weitere geldpolitische Lockerungen

Der Irankrieg spielt eine zentrale Rolle in dieser Entwicklung. Die Blockade der Straße von Hormus hat die Ölpreise in die Höhe getrieben. China importiert den Großteil seines Öls aus dem Nahen Osten und ist von dieser Blockade massiv betroffen. Die steigenden Energiekosten schlagen auf die Verbraucherpreise durch.

In einem normalen Jahr hätte die People's Bank of China auf die schwache Wirtschaftsentwicklung mit weiteren Zinssenkungen und Reservelockerungen reagiert. Doch die Inflationsrisiken durch steigende Ölpreise machen das unmöglich. Die Zentralbank sitzt in der Falle: Die Wirtschaft braucht Stimulus, doch Inflation verbietet ihn.

Für die Banken ist das paradoxerweise positiv. Keine weiteren Zinssenkungen bedeuten stabilere Margen. Die Nettozinsmarge – die Differenz zwischen den Zinsen, die Banken für Kredite erhalten, und denen, die sie für Einlagen zahlen – wird nicht weiter komprimiert. Das stoppt die Erosion der Profitabilität.

Allerdings ist diese Stabilisierung fragil. Sollte der Ölpreis wieder fallen oder der Irankrieg sich entspannen, könnte Peking die geldpolitischen Schleusen wieder öffnen. Dann würde der Margendruck zurückkehren.

Die 70-Billionen-Dollar-Frage bleibt unbeantwortet

Das chinesische Finanzsystem hat eine Bilanzsumme von 70 Billionen Dollar. Diese Zahl ist schwer zu fassen. Sie übertrifft das BIP der gesamten Europäischen Union. Ein System dieser Größe kann nicht einfach kollabieren, ohne globale Schockwellen auszulösen.

Die geplanten Staatsanleihen zur Rekapitalisierung sind ein Sicherheitsnetz, aber sie lösen nicht das Grundproblem: Chinas Banken müssen gleichzeitig profitabel sein und politische Aufträge erfüllen, die ihrer Profitabilität zuwiderlaufen. Dieser Widerspruch ist nicht auflösbar, solange Peking beide Ziele verfolgt.

Die Gewinnsteigerungen im ersten Quartal sind ermutigend. Sie zeigen, dass die Banken manövrieren können, selbst unter schwierigen Bedingungen. Doch ob dies der Beginn einer nachhaltigen Erholung ist oder nur eine temporäre Verbesserung, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.

Für internationale Investoren bleiben chinesische Bankaktien eine Wette auf politische Entscheidungen in Peking, nicht auf freie Marktkräfte. Das macht sie fundamental anders als westliche Finanzwerte – und schwerer zu bewerten.

Finanzen / Quartalszahlen / Chinesische Banken / Gewinnsteigerung / Wirtschaft Chinas / Irankrieg / Staatsanleihen
[InvestmentWeek] · 04.05.2026 · 15:00 Uhr
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