China startet Megaprojekt: Neuer Staudamm in Tibet soll Maßstäbe setzen
Mit spektakulären Ambitionen hat China den Bau eines weiteren monumentalen Staudamms im tibetischen Nyingchi in Angriff genommen. Während der feierlichen Zeremonie zum ersten Spatenstich verkündete Ministerpräsident Li Qiang den offiziellen Beginn der Bauarbeiten dieses ehrgeizigen Vorhabens. Der Damm soll am bedeutenden Yarlung Tsangpo Fluss errichtet werden, nahe der südlichen Grenze zu Indien. Dabei bleibt China seiner Linie treu, mit groß angelegten Energieprojekten nicht nur den regionalen Strombedarf zu decken, sondern auch das landesweite Netz zu optimieren.
In die Realisierung des aus fünf Kraftwerken bestehenden Megaprojekts investiert Peking satte 1,2 Billionen Yuan, was knapp 143,8 Milliarden Euro entspricht. Das gigantische Vorhaben, das dreimal mehr Strom als der legendäre Drei-Schluchten-Damm produzieren soll, gilt als wesentlicher Bestandteil des chinesischen Fünf-Jahres-Plans. China plant, den Staudamm jährlich 300 Milliarden Kilowattstunden Strom generieren zu lassen – ein beachtlicher Beitrag zu Chinas ambitionierten Klimazielen.
Trotz des Potenzials, einen bedeutenden Fortschritt in Richtung CO2-Neutralität bis 2060 zu machen, sind nicht alle Staaten von Chinas Megaprojekt begeistert. Länder wie Indien und Bangladesch, die am Unterlauf des Yarlung Tsangpo liegen, haben angesichts möglicher Umweltauswirkungen und der geopolitisch sensiblen Lage bereits Bedenken geäußert. Besonders kritisch wird die Lage im Grenzgebiet betrachtet, das zwischen China, wo es Zangnan genannt wird, und Indien, wo es als Arunachal Pradesh bekannt ist, umstritten ist. Der Damm wirft Fragen über potenzielle Auswirkungen auf angeschlossene Ökosysteme und nachbarschaftliche Diplomatie auf.

