Bundesgesundheitsminister Lauterbach plant Maßnahmen zur Unterstützung der überlasteten Hausarztpraxen
Im Kampf gegen die zunehmende Überlastung von Hausarztpraxen hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ein Maßnahmenpaket angekündigt. Ziel ist es, die Arbeit der Hausärztinnen und -ärzte zu erleichtern und die Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherzustellen. Einige der geplanten Maßnahmen beinhalten die Aufhebung von Honorar-Obergrenzen für Hausärztinnen und -ärzte sowie Erleichterungen bei bürokratischen Anforderungen und Regelungen für Hausbesuche. Laut Ministeriumskreisen in Berlin sollen diese Verbesserungen bei einem Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern der niedergelassenen Ärzteschaft und der Krankenkassen erörtert werden, das an diesem Dienstag in Berlin stattfinden wird.
Markus Beier, Vorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, warnt davor, dass Absichtserklärungen alleine nicht ausreichen. Ohne konkrete gesetzgeberische Maßnahmen in den kommenden Wochen und Monaten drohe sich die Situation weiter zuzuspitzen. Beier betont, dass immer mehr Patientinnen und Patienten keine Hausarztpraxis finden könnten und die Wartezeiten immer länger würden. Das Krisentreffen bei Lauterbach müsse daher ein Wendepunkt sein, um ein drohendes Wegbrechen der hausärztlichen Versorgung zu verhindern.
Um auf die prekäre Lage hinzuweisen, hatten Ärzteverbände zuletzt bundesweit dazu aufgerufen, Praxen zwischen den Jahren geschlossen zu halten, als Teil einer Kampagne unter dem Motto "Praxis in Not". Kritiker werfen den Ärzten vor, ihren Unmut auf Kosten der Patientinnen und Patienten auszutragen, da Ärzte der Notfallversorgung im Krankenhaus einspringen müssen, wenn keine offene Praxis verfügbar ist.
Beier fordert die Entbudgetierung der hausärztlichen Versorgung, um sicherzustellen, dass Hausarztpraxen für alle erbrachten Leistungen angemessen bezahlt werden. Derzeit sei dies nicht überall der Fall. Der Deckel bei der Bezahlung, der bereits bei Kinderärztinnen und -ärzten aufgehoben wurde, müsse auch für Hausärztinnen und -ärzte abgeschafft werden. Ein eklatanter Mangel an Hausärzten besteht vor allem in ländlichen Gebieten, was zu einer "ausgewachsenen Krise der hausärztlichen Versorgung" führt, so Beier.
Eine weitere Forderung ist der Abbau der zunehmenden Bürokratie, sowohl von Seiten der Ärzteverbände als auch von Bundesgesundheitsminister Lauterbach. Seit Monaten arbeitet sein Ministerium bereits an einem Gesetz zum Bürokratieabbau in den Praxen.
Die Forderung nach allgemein mehr Geld für niedergelassene Ärzte erteilte Lauterbach eine Absage. Andere Ärzteverbände hatten gefordert, dass die Budgets generell abgeschafft werden sollten.
Die Einnahmen von Arztpraxen setzen sich zu mehr als 70 Prozent aus der Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen zusammen. Die durchschnittlichen Einnahmen im Jahr 2021 betrugen laut Statistischem Bundesamt 756.000 Euro, während die Aufwendungen bei 420.000 Euro lagen. Der durchschnittliche Reinertrag je Praxis betrug 336.000 Euro. Allerdings sind darin auch Praxen mit sehr hohen Einnahmen und Ausgaben enthalten. Etwa die Hälfte der Praxen hatte Einnahmen von bis zu 464.000 Euro und einen Reinertrag von bis zu 233.000 Euro.
Es ist wichtig anzumerken, dass der Reinertrag nicht mit dem Gewinn oder dem Einkommen der Ärzte gleichzusetzen ist. Der Reinertrag spiegelt das Ergebnis des Geschäftsjahres der gesamten Praxis wider und berücksichtigt beispielsweise nicht die Aufwendungen für Versicherungen oder Kosten für Personal. Auch Einkommenssteuer und Investitionen in medizinische Geräte müssen davon bezahlt werden.
Zu den im Artikel genannten Aktiennamen gehören:
- Hausärztinnen und -ärzteverband
- Ärzteschaft und Krankenkassen
- Bürokratieabbau
- Kinderärztinnen und -ärzte
- Virchowbund. (eulerpool-AFX)

