Brüssel plant Reform: Freie Handgepäckregeln und neue Verspätungsentschädigungen auf dem Prüfstand
Das Europäische Parlament unternimmt einen neuen Anlauf, um die Rechte von Flugreisenden zu stärken. Der Verkehrsausschuss unterstützt mit überwältigender Mehrheit die Forderung, dass Passagiere künftig ohne Zusatzkosten zwei kleine Gepäckstücke im Flugzeug mitnehmen können.
Einmal Handtasche, Rucksack oder Laptop-Tasche – Maße 40x30x15 cm – und ein zweites, das zwar als Koffer bezeichnet wird, aber in Höhe und Volumen streng reglementiert ist: maximal 46 Zentimeter hoch und mit Kantenmaßen, die kumuliert 100 Zentimeter nicht übersteigen. Parallel dazu soll jungen Flugreisenden mehr Komfort geboten werden. Kinder unter zwölf Jahren sollen ohne Zusatzkosten neben ihren erwachsenen Begleitpersonen sitzen dürfen. Dies erfordert jedoch noch die Zustimmung der EU-Staaten, um wirksam zu werden.
Die geplanten Neuerungen basieren auf einem lange diskutierten Vorschlag zur Reform der Rechte von Flugreisenden, der auch neue Bestimmungen für Entschädigungszahlungen bei Verspätungen umfasst. Einigen EU-Staaten schwebt vor, die Ausgleichszahlungen erst nach vier Stunden Verzögerung zu leisten, eine Regelung, die einen Widerstand bei deutschen Behörden entfacht hat.
Ab vier Stunden Verspätung sind demnach Entschädigungen von 300 Euro für Distanzen bis 3.500 Kilometer und 500 Euro für längere Strecken vorgesehen. Die derzeit geltenden Entschädigungen betragen 250 Euro ab drei Stunden für Flüge bis 1.500 km, 400 Euro bis 3.500 km und 600 Euro für Fernflüge über 3.500 km.
Jan-Christoph Oetjen, FDP-Europaabgeordneter und einer der Verhandlungsführer, sieht die neue Vier-Stunden-Regel als inakzeptabel an. Vivien Costanzo von der SPD und Jens Gieseke von der CDU schließen sich an und unterstreichen, dass das Europaparlament dringend auf zumutbare Pflichten für Beförderer besteht.
Verhandlungen mit den EU-Staaten sollen im Oktober starten und idealerweise bis zum Jahresende oder Anfang des kommenden Jahres abgeschlossen sein.

