Boeing im Aufwind: Nach Krisenjahren erste Erholung mit höheren Auslieferungszahlen
Der amerikanische Flugzeugkonzern Boeing hat nach einer herausfordernden Phase im Jahr 2024 nun wieder einen deutlichen Anstieg bei den Flugzeugauslieferungen verzeichnet. Im letzten Jahr brachte Boeing insgesamt 600 Passagier- und Frachtflugzeuge zu ihren Kunden. Dies markiert eine deutliche Erholung gegenüber dem Vorjahr, als die Auslieferungszahlen aufgrund verschärfter Aufsichtsmaßnahmen der US-Luftfahrtbehörde FAA, ausgelöst durch ein Beinahe-Unglück und Produktionsmängel, auf 348 Maschinen eingerissen waren.
Doch trotz dieser Fortschritte blieb Boeing im Jahr 2025 hinter dem europäischen Branchenführer Airbus zurück, welcher trotz einer Delle am Jahresende insgesamt 793 Passagierjets an den Markt brachte. Boeing konnte jedoch bei den Bestellungen mit 1.175 Maschinen Airbus, das auf 1.000 neue Bestellungen kam, übertreffen und auch nach Berücksichtigung von Stornierungen die Nase vorn behalten.
Die Börse reagierte wohlwollend auf diese Entwicklungen: Die Boeing-Aktie legte kräftig zu und kletterte um 2,7 Prozent auf 246,51 Dollar. Die Airbus-Aktie zeigte ebenfalls Stärke und wurde so hoch gehandelt wie nie zuvor.
Dennoch bleibt die Boeing-Aktie weit unter ihrem Höchststand von rund 446 Dollar aus dem März 2019, vor der tiefgreifenden Krise, die durch die tragischen Abstürze zweier 737 Max Jets in den Jahren 2018 und 2019 ausgelöst wurde. Obwohl die Modellreihe nach technischen Anpassungen seit Herbst 2020 wieder im Einsatz ist, traten bei Boeing weitere Produktions- und Qualitätsprobleme zutage. Besonders einschneidend war der Vorfall Anfang 2024, als ein Flugzeug der 737 Max im Flug ein Rumpfsegment verlor, was zu regulatorischen Beschränkungen führte. Obwohl diese Einschränkungen mittlerweile etwas gelockert wurden, lieferte Boeing im vergangenen Jahr nur 440 Flugzeuge dieses Typs aus.
Finanzielle Klarheit wird Boeing erst mit der Bekanntgabe seiner Jahreszahlen am 27. Januar schaffen. Nach einem Verlust von fast sechs Milliarden US-Dollar in den ersten drei Quartalen deutet sich für 2025 das siebte Verlustjahr in Folge an, in erster Linie wegen Verzögerungen beim Großraumjet 777X, dessen Auslieferung sich nun bis 2027 verzögert. Die Verschiebung geht mit erheblichen Kosten von fast fünf Milliarden Dollar einher und verzögert das Projekt um sieben Jahre.
Obwohl Boeing bei den Bestellungen gegenüber Airbus punkten konnte, bleibt der europäische Flugzeughersteller mit einem dickeren Auftragsbuch vorn. Ende 2025 meldete Airbus einen Auftragsbestand von 8.754 Maschinen, während Boeing auf 6.720 Jets kam; selbst nach Abzug problemlos kündbarer Bestellungen war Airbus klarer Spitzenreiter.

