Gaza-Krieg

Bodenoffensive in der Stadt Gaza: Wie geht es jetzt weiter?

16. September 2025, 15:14 Uhr · Quelle: dpa
Israels Truppen dringen in Gazas Stadtzentrum vor, um Hamas zu schwächen. Die Offensive erhöht die Gefahr für Zivilbevölkerung und Geiseln, was den Konflikt weiter eskalieren könnte.

Tel Aviv/Gaza (dpa) - Nach wochenlangem Einsatz in den Außenbezirken der Stadt Gaza dringen israelische Bodentruppen jetzt in Richtung Stadtzentrum vor. Vor dem umstrittenen und risikoreichen Einsatz war von verschiedenen Seiten immer wieder scharf gewarnt worden - auch von der eigenen Militärspitze. Doch die politische Führung um Ministerpräsident Benjamin Netanjahu besteht darauf, für die Offensive gebe es nach ergebnislosen Verhandlungen mit der Hamas über eine Waffenruhe keine Alternative. 

Was will Israel mit dem Bodeneinsatz in der Stadt Gaza erreichen?

Israel verfolgt mit der Offensive in der Stadt Gaza mehrere zentrale Ziele: Im Kern geht es darum, das verbliebene Bollwerk der islamischen Terrororganisation Hamas in der Küstenstadt zu zerschlagen, ihre noch bestehende militärische Infrastruktur – insbesondere das weit verzweigte Tunnelsystem – soweit möglich zu zerstören und bis zu 3.000 dort noch vermutete Kämpfer der Palästinenserorganisation auszuschalten. 

Gleichzeitig betont die Armee, dass die Freilassung der noch festgehaltenen Geiseln eine unveränderte Priorität bleibe. Ziel der Operation sei es, das Machtzentrum der Hamas in der Stadt Gaza auszuschalten und so eine Wiederholung von Angriffen wie dem am 7. Oktober 2023 unmöglich zu machen. Es wird damit gerechnet, dass die Offensive zumindest mehrere Wochen dauert, möglicherweise aber auch Monate. Israel betont immer wieder der Krieg könne «sofort» enden, wenn die Hamas die Geiseln freilässt und die Waffen niederlegt. 

Es gibt allerdings auch Bestrebungen ultrarechter Koalitionspartner des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, den 2005 von Israel geräumten Küstenstreifen dauerhaft wiederzubesetzen und zu besiedeln. Sie streben auch eine Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung an. Ein solcher Schritt könnte die fortschreitende internationale Isolation Israels noch dramatisch verschärfen. Zuletzt hatten mehrere Länder und auch der UN-Generalsekretär António Guterres angesichts der dramatischen Lage im Gazastreifen die israelische Regierung dazu aufgerufen, von einer Bodenoffensive in der Stadt Gaza abzusehen.

Was bedeutet dies für die Zivilbevölkerung in der Küstenstadt?

Fast alle der rund zwei Millionen Einwohner des Gazastreifens sind während des verheerenden Krieges, der schon seit fast zwei Jahren wütet, zu Binnenvertriebenen geworden. Viele von ihnen mussten schon mehrmals unter unbeschreiblichen Umständen fliehen. Im vergangenen Monat wurde die Zahl der Zivilisten in der Stadt Gaza auf rund eine Million geschätzt. Nach Angaben beider Seiten ist mehr als Drittel von ihnen bereits aus der Stadt geflohen, zumeist in Richtung Süden. 

Seit Beginn der Offensive am Montagabend sind nach palästinensischen Berichten bereits mehrere Dutzend Menschen in Gaza getötet worden. In sozialen Medien kursieren zahlreiche Bilder von Verletzten, zerstörten Gebäuden und weinenden Menschen, die um getötete Angehörige trauern. Besonders in der vergangenen Nacht wurde über unaufhörliche israelische Luftangriffe und ohrenbetäubende Explosionen in der Stadt berichtet. 

Die Armee hat die in der Stadt verbliebenen Zivilisten aufgerufen, so schnell wie möglich in Richtung Süden in die sogenannte humanitäre Zone zu fliehen. Dort gebe es Nahrungsmittel, Wasser, medizinische Versorgung und Unterkünfte. Doch auch in der Zone war es in der Vergangenheit immer wieder zu tödlichen Angriffen der Luftwaffe gekommen - aus Sicht der Palästinenser gibt es im ganzen Gazastreifen keinen wirklich sicheren Ort. 

Was sagen Betroffene vor Ort in Gaza?

Der 45-jährige Samer aus der Stadt Gaza schilderte der Deutschen Presse-Agentur, die vergangene Nacht sei «die schlimmste seit Wochen» gewesen. «Die Bombardierungen waren extrem heftig, Luftangriffe und Artilleriefeuer ließen die Wände unseres Hauses erzittern», erzählte er. «Wir dachten, das Gebäude würde über uns einstürzen.» Er und seine Familie seien hin- und hergerissen bei der Frage, ob sie die Stadt verlassen sollten oder nicht. Samer und weitere Betroffene in Gaza wollten ihre Familiennamen aus Sicherheitsgründen nicht nennen. 

Die 38-jährige Nasrin, die im Osten der Stadt Gaza lebt, berichtet von einem ständigen Zustand der Angst. «Das Artilleriefeuer hat nicht aufgehört, und vergangene Nacht konnten wir unter dem unaufhörlichen Beschuss nicht schlafen.» Die Mutter von vier Kindern sagt: «Wir stehen vor unmöglichen Entscheidungen: zu Hause bleiben und unser Leben riskieren oder in andere Gebiete fliehen, die ebenfalls unter Beschuss stehen. In Wirklichkeit bleibt uns keine echte Wahl, außer auszuhalten und zu beten.»

Der 27-jährige Jasser aus dem Flüchtlingsviertel Al-Schati der Stadt Gaza beschreibt die Lage ebenfalls als «unerträglich». Die Angriffe in der Nacht hätten eine «andere Dimension» gehabt als vorheriger Beschuss. «Wir fühlen uns von allen Seiten eingekesselt und fürchten, dass das, was kommt, noch gewalttätiger sein wird.»

Welche Risiken birgt die Offensive für die verbliebenen Geiseln?

Die Angehörigen der Geiseln, die auch fast zwei Jahre nach ihrer Entführung noch im Gazastreifen festgehalten werden, sind angesichts der Bodenoffensive verzweifelt und außer sich vor Sorge. Netanjahu habe beschlossen, «Gaza zu erobern, selbst um den Preis, unsere Liebsten zu opfern, darunter auch mein Sohn», sagte Anat Angrest, die Mutter der Geisel Matan Angrest, bei einem Protest vor Netanjahus Residenz in Jerusalem. Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln, von denen nach israelischen Informationen noch 20 am Leben sind - darunter auch deutsche Staatsbürger.

Nach Medienberichten soll die Hamas mehrere Geiseln, die zuvor in Tunneln festgehalten worden seien, an Orte über der Erde in der Stadt Gaza gebracht haben - in Zelte und Häuser. 

«Unsere Kinder sind dort und werden als menschliche Schutzschilde missbraucht», hieß es in einer Mitteilung des Forums der Geisel-Angehörigen «Und dennoch schickt der Ministerpräsident – trotz der Warnungen der Militärführung, dass ein Abkommen geschlossen werden müsse – Soldaten in eine Todesfalle.»

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16.09.2025 · 15:14 Uhr
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