Blue Origin nutzt Bruch zwischen Trump und Musk – Bezos drängt auf neue Regierungsaufträge
Nach dem öffentlichen Zerwürfnis zwischen Präsident Trump und Elon Musk nutzt Jeff Bezos die Gunst der Stunde: Der Amazon-Gründer und sein Raumfahrtunternehmen Blue Origin verstärken ihre politischen Kontakte in Washington, um sich künftig größere Teile des US-Weltraumprogramms zu sichern. In persönlichen Gesprächen mit Trump sowie über CEO Dave Limp sucht Blue Origin aktiv nach neuen Regierungsaufträgen – und will damit verlorenen Boden gegenüber dem Marktführer SpaceX gutmachen.
Blue Origin war zuletzt ins Hintertreffen geraten: Während SpaceX 2024 allein 180 Starts anpeilt und einen milliardenschweren Vertrag mit der Space Force über 28 Missionen erhalten hat, kommt Blue Origin bislang auf sieben geplante Starts mit einem Gesamtvolumen von 2,4 Milliarden Dollar. Der Erstflug der New Glenn-Rakete im Januar war zwar technisch erfolgreich, doch ein geplanter zweiter Start im Frühjahr verzögerte sich – nun soll der nächste Versuch im August erfolgen.
Bezos’ strategisches Kalkül fußt auf der Erkenntnis, dass sich Trumps Verhältnis zu Musk rapide verschlechtert hat. Noch im Juni drohte der Präsident öffentlich, Musks staatliche Förderungen zu streichen – kurz nachdem dieser Kritik an Trumps Gesetzesvorschlägen auf der Plattform X geäußert und eine neue Partei ins Spiel gebracht hatte. Parallel dazu zog Trump die Nominierung eines von Musk unterstützten Kandidaten für die NASA-Spitze zurück.
Der Zeitpunkt für Blue Origin ist günstig. CEO Dave Limp traf Mitte Juni im Weißen Haus auf Trumps Stabschefin Susie Wiles, flankiert von persönlichen Telefonaten zwischen Bezos und dem Präsidenten. Trump soll in den Gesprächen insbesondere sein Interesse an einer bemannten Mondmission während seiner Amtszeit betont haben – ein Ziel, das Blue Origin mit einem geplanten Frachtflug zum Mond noch in diesem Jahr aufgreifen könnte.
Bezos investiert auch jenseits der Raumfahrt in die Beziehungspflege. Amazon bezahlte 40 Millionen Dollar für die Rechte an einer Dokumentation über First Lady Melania Trump – mehr als das Dreifache des nächsthöchsten Gebots. Zudem saß er bei Trumps zweiter Amtseinführung mit seiner Verlobten Lauren Sánchez prominent hinter dem Präsidenten. Und: Bezos blockierte offenbar die geplante Wahlempfehlung der Washington Post für die demokratische Kandidatin Kamala Harris – ein Schritt, den Trump laut Beratern positiv registrierte.
Ob Blue Origin den Rückstand zu SpaceX aufholen kann, bleibt offen. Zwar hat Bezos politisch Boden gutgemacht, doch in puncto technischer Zuverlässigkeit, Startfrequenz und Marktanteil bleibt Musk vorerst uneinholbar. Die entscheidende Frage wird sein, ob Blue Origin nun schnell genug liefert, um das politische Momentum in wirtschaftliche Substanz zu übersetzen.

