Musikpreise

Grammys ungewohnt politisch - Bad Bunny mit bestem Album

02. Februar 2026, 14:51 Uhr · Quelle: dpa
68. Grammy Awards
Foto: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa
Bad Bunny nimmt den Preis für das Album des Jahres entgegen.
Witze über Trump, Reden gegen die Einwanderungsbehörde ICE und ein spanischsprachiger Gewinner in einer der wichtigsten Kategorien: Die Grammys waren dieses Mal außergewöhnlich politisch.

Los Angeles (dpa) - Bei einer besonders politischen Grammy-Gala hat der US-Rapper Bad Bunny den Preis für das beste Album gewonnen. Mit «DeBÍ TiRAR MáS FOToS» wurde bei der Gala in Los Angeles in dieser bedeutenden Kategorie erstmals ein Album ausgezeichnet, dessen Songtexte komplett auf Spanisch sind. 

Das Album ist eine Hommage Bad Bunnys an seine Heimat Puerto Rico, es geht um Themen wie kulturelle Identität oder Kolonialismus. Der 31-Jährige nutzte wie einige andere Stars die Bühne für politischen Protest. Einige Promis trugen Anstecknadeln mit der Aufschrift «ICE Out» als Zeichen der Kritik am Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde, Moderator Trevor Noah verteilte Seitenhiebe gegen US-Präsident Donald Trump. 

Trump schimpft über Grammys

Seit der zweiten Amtsübernahme von Trump wurde noch bei keiner live im US-Fernsehen übertragenen Entertainment-Gala geballt so viel Kritik an seiner Politik geäußert wie bei dieser. 

Das ließ der US-Präsident dann auch nicht unkommentiert. Die Musikpreis-Verleihung sei «Müll» und «praktisch nicht anschaubar», schrieb Trump kurz nach Ende der Gala bei seinem Online-Sprachrohr Truth Social. Trump bezeichnete Moderator Noah als «totalen Verlierer», der kein Talent habe, und drohte ihm mit einer Klage.

Kendrick Lamar gewinnt die meisten Trophäen

Die Grammys, die zu den begehrtesten Musikpreisen der Welt gehören, wurden in diesem Jahr zum 68. Mal verliehen. Rund 13.000 Mitglieder der Recording Academy entscheiden über die Preisträger. 

Die meisten Trophäen in Form goldener Grammophone gewann der Rapper Kendrick Lamar. Er war mit den meisten Nominierungen in die Gala gegangen und konnte schließlich fünf von neun in Preise verwandeln. 

Bad Bunny: «ICE raus!» 

Bad Bunny, der mit bürgerlichem Namen Benito Antonio Martínez Ocasio heißt, gewann auch die Auszeichnungen für «Bestes Música Urbana Album» und «Best Global Music Performance». Der 31-Jährige übte auf der Bühne scharfe Kritik an der US-Einwanderungsbehörde ICE: «Bevor ich Gott danke, sage ich: ICE raus!». 

Er fuhr fort: «Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Fremden, wir sind Menschen, und wir sind Amerikaner.» Die Gäste im Saal reagierten mit Standing Ovations, Jubel und langem Applaus.

Die Auszeichnung für das beste Album widmete er später «all den Menschen, die ihre Heimat, ihr Land verlassen mussten, um ihren Träumen zu folgen». 

Der Puertoricaner hatte schon zuvor Kritik an Abschiebungen und Razzien geübt und angekündigt, aus Sorge vor ICE-Einsätzen im Rahmen seiner Welttournee vorerst keine Konzerte in den USA zu spielen. 

«Das Einzige, was stärker ist als Hass, ist Liebe», sagte er auf der Bühne. «Deshalb müssen wir anders sein. Wenn wir kämpfen, müssen wir es mit Liebe tun. Wir hassen sie nicht. Wir lieben unser Volk.»

Billie Eilish: «Fuck ICE»

Auch Billie Eilish, die den Grammy für den Song des Jahres gewann, wurde deutlich. «So dankbar ich auch bin, ich habe ehrlich gesagt nicht das Bedürfnis, etwas anderes zu sagen als: Niemand ist illegal auf gestohlenem Land», sagte die 24-Jährige und erhielt dafür Jubel und Applaus aus dem Publikum.

«Es ist wirklich schwer zu wissen, was man jetzt sagen und tun soll», fuhr die US-Amerikanerin fort. «Ich bin voller Hoffnung in diesem Raum und habe das Gefühl, dass wir einfach weiterkämpfen, unsere Stimme erheben und protestieren müssen. Unsere Stimmen sind wirklich wichtig, und die Menschen sind wichtig. "Fuck ICE" ist alles, was ich sagen möchte.»

Die britische Sängerin Olivia Dean, die den Grammy als beste Nachwuchskünstlerin gewann, betonte, sie stamme ebenfalls von Einwanderern ab und diese mutigen Menschen müssten gefeiert werden. «Wir sind nichts ohne einander.» Die Sängerin SZA rief dazu auf, trotz dieser «Angst machenden Zeiten» nicht in Verzweiflung zu verfallen. 

Trevor Noah immer wieder mit scharfer Trump-Kritik

Besonders scharfe Trump-Kritik kam von Noah, der die Gala zum sechsten Mal moderierte - und zum letzten Mal, wie er mit Blick auf Trump betonte. «Ich glaube an Amtszeitbegrenzungen. Ich möchte ein Beispiel setzen für jeden, der die Show anschaut.» Weil es seine letzte Moderation sei, könne er sich so einiges trauen. «Ich habe euch gesagt, es ist mein letztes Mal. Was wollt ihr machen?» 

In den USA gebe es ein neues Trinkspiel, witzelte der 41-Jährige zum Beispiel. «Jedes Mal, wenn man die Nachrichten anschaltet, trinkt man.» Zudem sei «Anxiety» (auf Deutsch etwa «Sorge») - ein Song der Rapperin Doechii - nun die neue Nationalhymne des Landes. 

«Wenn die Dinge hier weiter schlechter werden, kann ich dann zu dir nach Puerto Rico kommen und da leben?», fragte er Bad Bunny. «Ich brauche einen Plan B.» Bad Bunny informierte ihn dann allerdings darüber, dass Puerto Rico zu den USA gehört. 

Nach der Verleihung des Grammys an Billie EIlish sagte Noah, das sei eine Auszeichnung, die jeder wolle - «genau so sehr wie Trump Grönland will. Epsteins Insel ist weg. Er braucht eine neue, um mit Bill Clinton abzuhängen.» 

Grammy für Dalai Lama, K-Pop - und Spielberg wird EGOT

Doch nicht nur politische Statements sorgten für Aufmerksamkeit. Gleich mehrere prominente Premieren-Grammys gab es diesmal: So gewann der Dalai Lama seinen ersten Grammy für sein Hörbuch «Meditations: The Reflections of His Holiness the Dalai Lama». Das spirituelle Oberhaupt des tibetischen Buddhismus bedankte sich aus seinem Exil in Indien. Er glaube, «Frieden, Mitgefühl, die Sorge für die Umwelt und das Verständnis der Einheit der Humanität» seien wesentlich für das kollektive Wohlergehen, teilte er über die Website seines Büros mit und äußerte die Hoffnung, die Grammy-Auszeichnung könne helfen, diese Botschaften zu verbreiten. 

Auch Regisseur Steven Spielberg bekam erstmals einen Grammy, als Produzent für den «Besten Musikfilm» mit «Music for John Williams». Der 79-Jährige ist nun einer der wenigen sogenannten EGOT-Preisträger, also ein Künstler, der alle vier wichtigen US-Unterhaltungspreise gewonnen hat - Emmy, Grammy, Oscar und Tony. 

Zudem gab es erstmals einen Grammy für einen K-Pop-Song. Das Lied «Golden» aus dem Netflix-Erfolgsfilm «KPop Demon Hunters» bekam die Ehrung als bester für visuelle Medien geschriebener Song. 

Nackt-Mode sorgt für Aufsehen

Einige Stars präsentierten sich bei der Gala außergewöhnlich unbedeckt: Die US-Sängerin Chappell Roan (27) sorgte auf dem roten Teppich mit einem fast durchsichtigen burgunderfarbenen Kleid für Aufsehen, das an zwei Piercings in ihren Brustwarzen befestigt war. Für die Gala zog sich Roan später allerdings nochmal um und präsentierte sich deutlich bedeckter. 

Der kanadische Popstar Justin Bieber (31) machte es genau umgekehrt: Während er sich auf dem roten Teppich noch im Anzug an der Seite seiner Ehefrau Hailey zeigte, spielte er später einen Song auf der Grammy-Bühne nur in Boxershorts und Socken. Das deutsche Model Heidi Klum präsentierte sich in einem sehr eng anliegenden beigefarbenen Latex-Kleid. 

Cher zeigt sich verwirrt

Musik-Ikone Cher sorgte dagegen nicht mit ihrem Outfit, sondern mit einem verwirrt wirkenden Auftritt für Aufsehen. Die 79-Jährige nahm eine Ehren-Auszeichnung entgegen und hielt dann eine kurze Dankesrede. Anschließend sollte sie die Auszeichnung für die beste Aufnahme des Jahres überreichen, machte sich aber daran, die Bühne zu verlassen und musste von Moderator Trevor Noah darum gebeten werden, zu bleiben. 

Dann öffnete sie den Umschlag mit dem Namen des Gewinners - und sagte: «Der Grammy geht an Luther Vandross.» Anschließend korrigierte sie sich: «Der Grammy geht an Kendrick Lamar.» 

Der Musiker Luther Vandross ist bereits 2005 gestorben. Rapper Lamar hat seinen Song «luther», für den er den nun gemeinsam mit der Sängerin SZA einen Grammy bekam, nach Vandross benannt und einen Teil von dessen Musik dafür benutzt.

Auszeichnungen / Musik / Leute / USA / Grammys / Bad Bunny / Politische Proteste
02.02.2026 · 14:51 Uhr
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