Biden macht erste Schritte im Kampf gegen Waffengewalt

08. April 2021, 20:43 Uhr · Quelle: dpa

Washington (dpa) - Angesichts der ausufernden Schusswaffengewalt in den USA will Präsident Joe Biden die Waffenregularien an mehreren Stellen strenger machen.

«Waffengewalt in diesem Land ist eine Epidemie», sagte Biden im Rosengarten des Weißen Hauses in Washington. Es sei auf internationaler Ebene auch ein Grund zur Scham für die Vereinigten Staaten. «Es ist lange überfällig, dass wir handeln.»

Biden will mit Hilfe des Justizministeriums unter anderem gegen sogenannte Geisterwaffen vorgehen, die einfach im Internet gekauft und schnell zusammengebaut werden können, aber keine Seriennummer haben - was die Strafverfolgung im Falle eines Verbrechens erschwert. Für eine grundlegende Verschärfung der Waffengesetze ist der Präsident aber auf den Kongress und vor allem den Senat angewiesen, den Biden einmal mehr zum Handeln aufrief.

«Ghost Guns» seien für Sicherheitskräfte ein zunehmendes Problem, hieß es auf dem Weißen Haus. Biden wies das US-Justizministerium an, innerhalb von 30 Tagen eine Vorschrift vorzulegen, um deren Verbreitung einzudämmen. Das Ministerium soll unter anderem auch Muster-Gesetzgebung für Bundesstaaten erarbeiten, wonach Gerichte auf Antrag bestimmten Personen zeitweise ihre Waffen entziehen können, wenn diese für sich oder andere eine Gefahr darstellen.

In mehreren Bundesstaaten gibt es solche Gesetze bereits. Bidens Regierung wünscht sich dies jedoch flächendeckend und will durch die Mustergesetzgebung den Staaten den Weg dahin erleichtern.

Biden will zudem David Chipman zum Chef der Aufsichtsbehörde ATF machen, die in den USA unter anderem den illegalen Einsatz und Verkauf von Feuerwaffen bekämpft. Chipman war zuletzt ein Berater des Giffords-Zentrums, das sich für strengere Waffengesetze einsetzt.

Der Präsident forderte zugleich den Kongress auf, schärfere Waffengesetze zu beschließen. Die Demokraten im Repräsentantenhaus hatten erst kürzlich einen neuen Anlauf unternommen, um gesetzlich zu regeln, dass Waffenkäufer strenger kontrolliert werden. Der Präsident appellierte erneut an den Senat, diese Änderungen zu verabschieden.

Außerdem sprach er sich dafür aus, Kriegswaffen wie Sturmgewehre zu verbieten. Niemand brauche Kriegswaffen mit 100 Schuss Munition, mahnte er. Biden beklagte, Beileidsbekundungen von Kongressmitgliedern nach tödlichen Schussattacken reichten nicht aus. «Genug mit den Gebeten - es ist Zeit zum Handeln.»

Vor wenigen Wochen hatten zwei schwere Angriffe in den USA für Entsetzen gesorgt. In und um die Stadt Atlanta im Bundesstaat Georgia hatte ein Angreifer in drei Massagesalons Mitte März acht Menschen erschossen. Wenige Tage später tötete ein Schütze in einem Supermarkt in der Stadt Boulder im Bundesstaat Colorado zehn Menschen.

In den USA kommt es regelmäßig zu tödlichen Zwischenfällen mit Schusswaffen, die dort leicht zu kaufen sind. Die Gesundheitsbehörde CDC verzeichnete in ihrer jüngsten Statistik aus dem Jahr 2018 insgesamt 39.740 Schusswaffentote in den USA - also etwa 109 Tote pro Tag. Bei rund 60 Prozent der Fälle handelte es sich um Selbsttötungen, bei rund 30 Prozent um Morde. Während der Pandemie und der Beschränkungen des sozialen Lebens waren tödliche Schussattacken etwas seltener geworden. Beobachter beklagten angesichts der zwei schweren Attacken innerhalb weniger Tage jedoch die Rückkehr zu einer düsteren «Normalität» in den USA.

Auch in den vergangenen Tagen kam es zu weiteren tödlichen Schusswaffenangriffen. Erst am Mittwoch tötete ein Schütze im US-Bundesstaat South Carolina fünf Menschen, darunter einen Arzt, dessen Ehefrau und zwei Enkel. Die Kinder waren laut US-Medien fünf und neun Jahre alt.

Biden verwies auf diesen jüngsten Vorfall und äußerte sich insgesamt entsetzt über die hohe Anzahl an Schießereien und Toten. «Dies ist eine Epidemie, Herrgott noch mal!», mahnte er. «Und es muss aufhören.» Die nun vorgestellten Schritte seien nur eine Anfang. «Wir haben viel Arbeit vor uns.»

Justizminister Merrick Garland bezeichnete die Waffengewalt im Land als «Plage» und «andauernde Tragödie». Allein in diesem Jahr seien geschätzt bereits rund 11.000 Menschen in den USA durch Schusswaffen ums Leben gekommen.

Rufe nach schärferen Waffengesetzen gibt es nach jeder größeren Schuss-Attacke in den USA - jedoch ohne größeren Erfolg. Strengere Überprüfungen von Waffenbesitzern und das Verbot von Kriegswaffen werden in den USA schon seit längerem diskutiert, fanden bislang jedoch nicht die nötigen Mehrheiten im Kongress. Viele Republikaner lehnen eine Verschärfung der Waffengesetze ab. Die Waffenlobby ist in den Vereinigten Staaten sehr mächtig.

Biden sind damit - wie auch zum Beispiel dem früheren demokratischen Präsidenten Barack Obama - teils die Hände gebunden. Die Verfügungen eines Präsidenten haben nur begrenzten Einfluss. Für weitreichendere Veränderungen müsste der Gesetzgeber handeln. Die Demokraten haben derzeit in beiden Kammern des US-Kongresses eine knappe Mehrheit, wären im Senat aber auf Stimmen der Republikaner angewiesen.

Der führende Demokrat im US-Senat, Chuck Schumer, kündigte an, im Plenum der Kammer Abstimmungen zu Waffengesetzesänderungen anzusetzen. Die Schritte des Präsidenten könnten signifikante Gesetzesänderungen nicht ersetzen. Es ist jedoch fraglich, welche Erfolgsaussichten eine Verabschiedung schärferer Waffengesetze in der Kammer haben.

Regierung / Waffen / Joe Biden / Geisterwaffen / Waffengewalt / Waffengesetz / USA
08.04.2021 · 20:43 Uhr
[14 Kommentare]
Holzstämme im Wald (Archiv)
Wiesbaden - Im Jahr 2025 sind in den deutschen Wäldern insgesamt 57,3 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen worden. Damit lag der Holzeinschlag 6,4 Prozent unter dem Vorjahreswert von 61,2 Millionen Kubikmetern, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Mittwoch mitteilte. Der Rückgang war vor allem auf den stark gesunkenen Schadholzeinschlag […] (00)
vor 8 Minuten
Bessie Carter hat sich selbst versprochen, dass sie aufhören wird, Red Flags zu daten.
(BANG) - Bessie Carter hat sich selbst versprochen, dass sie "aufhören wird, Red Flags zu daten". Die 'Bridgerton'-Schauspielerin, die zuvor mit ihrem Co-Star Sam Phillips zusammen war, erzählte jetzt, dass sie Single ist und "noch nie glücklicher war". Das liege unter anderem auch daran, dass sie einige "wunderbare Freunde" habe. Bessie – Tochter der […] (01)
vor 15 Stunden
Nubert – Die richtige Technik für den kommenden Record Store Day
Mit vier abgestimmten Plattenspieler-Bundles bietet Nubert genau die richtige Technik für den kommenden Record Store Day am 18. April 2026 auf und stellt eine Form des Musikhörens in den Mittelpunkt, die sich Zeit nimmt und Musik wieder bewusst erlebbar macht. Bewusst hören statt nur abspielen Der Record Store Day ist für viele Musikliebhaber weit mehr […] (00)
vor 40 Minuten
Assassin’s Creed Shadows – Hinter den Kulissen der Anvil‑Engine Technologie
Das im vergangenen Jahr erschienene  Assassin’s Creed Shadows  basiert auf der Leistungsfähigkeit der Anvil‑Engine – einer proprietären Ubisoft‑Technologie, die Entwicklerinnen und Entwicklern ermöglicht, detailreiche und dynamische Welten in großem Maßstab zu erschaffen. Hinter den Kulissen arbeiten Teams bei Ubisoft kontinuierlich daran, die Tools […] (00)
vor 46 Minuten
Herzschmerz-Storys bringen «In aller Freundschaft» 3,22 Millionen
Im Anschluss an die Sachsenklinik ging es um Fakten: «Report München» strahlte eine Dokumentation über Linksextremismus aus. Sabrina Amali überzeugte ein weiteres Mal in ihrer Rolle als Dr. Nina Haddad. An einem heißen Sommertag wurde das Team in Mannheim an seine Grenzen gebracht. 2,88 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten die Regiearbeit von Florian Gottschick, das Buch von Jan Haering, Tina […] (00)
vor 1 Stunde
Marie-Louise Eta
Berlin (dpa) - Für gewöhnlich ist der 1. FC Union ein Berliner Thema. Doch dank Marie-Louise Etas historischer Beförderung interessiert der Fußball-Bundesligist plötzlich international. Als die 34-Jährige ihr erstes Training in Köpenick leitete, war der Presseauflauf am Rande der Hauptstadt so groß wie selten zuvor.  Das gewaltige Medienecho, die vielen […] (00)
vor 3 Minuten
bitcoin, crypto, finance, coins, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Der CEO von Ripple, Brad Garlinghouse, zeigt sich weniger optimistisch bezüglich des mit Spannung erwarteten „Clarity Act“ als zuvor, betont jedoch weiterhin dessen Bedeutung für die Schaffung eines notwendigen regulatorischen Rahmens für die Kryptowährungsbranche in den USA. In einem kürzlich veröffentlichten Beitrag auf X äußerte Garlinghouse, dass […] (00)
vor 38 Minuten
Lokale KI im Unternehmen: Gemma 4 setzt ohne Cloud-Zwang neue Maßstäbe
Ostfildern, 14.04.2026 (PresseBox) - Wer KI im Unternehmen betreibt und dabei keine Daten an externe Dienste übermitteln will, stand bislang vor einem unbequemen Kompromiss: Entweder man akzeptiert die Einschränkungen lokaler Modelle, wie kein Bild-Verständnis, begrenzte Kontexttiefe, holpriges Tool-Calling oder man gibt die Datensouveränität auf. Gemma […] (00)
vor 13 Stunden
 
Sanktions-Beben beim Bürgergeld: Staat greift bei Terminsündern knallhart durch
Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg wirken wie ein Weckruf für das […] (03)
Trump
Washington (dpa) - Im Streit mit Papst Leo XIV. um dessen Appell für ein Ende der […] (03)
Bundeskanzleramt (Archiv)
Berlin - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) befürchtet, dass die Mineralölkonzerne […] (04)
Bauer mit Traktor (Archiv)
Wiesbaden - Unternehmensgruppen nehmen eine zunehmend wichtige Rolle in der deutschen […] (00)
WM-Qualifikation Deutschland - Österreich
Nürnberg (dpa) - Als die Fußballfans in Nürnberg den Erfolg gegen Österreich […] (08)
Der Aufstieg der algorithmischen Wirtschaft
In seiner wöchentlichen Kolumne analysiert Michael C. Jakob die großen Kräfte hinter […] (00)
Lena Dunham
(BANG) - Lena Dunham legte eine Pause von ihrem Aufenthalt in einer Entzugsklinik […] (00)
«Dexter: Resurrection»: Dan Stevens wird neuer Serienkiller in Staffel zwei
Für die zweite Staffel der Paramount+-Serie stößt Dan Stevens als gefährlicher Gegenspieler zu […] (00)
 
 
Suchbegriff