Berkshire nach Buffett: Öffnet sich das Imperium nun für Bitcoin?
Buffetts Vermächtnis: Klare Ablehnung von Kryptowährungen
Warren Buffett hatte an seiner Skepsis gegenüber Bitcoin nie Zweifel gelassen. Die Kryptowährung sei „unproduktiv“, erzeuge keine Cashflows und besitze keinen inneren Wert – ähnlich wie Gold, nur mit noch höherer Volatilität. Für einen Investor, der Unternehmen als produktive Maschinen zur Erzeugung von Erträgen versteht, war Bitcoin damit kein Investment, sondern ein reines Spekulationsobjekt.
Diese Haltung prägte die Kapitalallokation des Konzerns konsequent. Während Technologie- und Wachstumsinvestoren zunehmend in digitale Assets einstiegen, blieb Berkshire außen vor – und baute stattdessen ein gigantisches Liquiditätspolster aus.
Greg Abel und die Frage der strategischen Öffnung
Mit dem Rückzug Buffetts Anfang 2026 übernimmt Greg Abel die operative Führung eines Konzerns mit rund 382 Milliarden US-Dollar an Cash und kurzfristigen Staatsanleihen. Schon eine Allokation von einem Prozent dieser Summe würde ausreichen, um Berkshire schlagartig zu einem der größten institutionellen Bitcoin-Investoren der Welt zu machen.
Die makroökonomische Lage verschärft den Handlungsdruck: Sinkende Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten ungenutzter Liquidität. In einem Umfeld, in dem reale Renditen auf sichere Anleihen schrumpfen, wächst der Anreiz, neue Anlageklassen zumindest strategisch zu prüfen – auch solche, die bislang als unvereinbar mit der klassischen Berkshire-Doktrin galten.
Indirekte Krypto-Exponierung: Das Beispiel Nu Holdings
Ganz ohne Berührungspunkte mit der Krypto-Welt ist Berkshire allerdings schon heute nicht. Die Beteiligung an der brasilianischen Digitalbank Nu Holdings, die aktiv im Kryptogeschäft ist, erwies sich als außerordentlich erfolgreich. Seit dem Einstieg 2021 mit insgesamt 750 Millionen US-Dollar hat sich der Wert der Beteiligung stark erhöht, allein 2025 legte die Aktie um mehr als 50 Prozent zu.
Zwar handelt es sich dabei nicht um ein direktes Investment in Bitcoin, doch die Position zeigt, dass Berkshire unter der Oberfläche längst in Geschäftsmodelle investiert ist, die von der Blockchain-Ökonomie profitieren.
Liquiditätsmacht und strategische Optionalität
In den vergangenen drei Jahren hat Berkshire Aktien im Volumen von rund 184 Milliarden US-Dollar verkauft und seine Kriegskasse weiter gefüllt. Dieses Kapital verschafft dem Konzern eine außergewöhnliche strategische Optionalität: Er kann Marktverwerfungen aussitzen – oder neue Anlageklassen mit einem einzigen Schritt institutionalisieren.
Ein Einstieg in Bitcoin würde nicht nur eine Abkehr von Buffetts persönlicher Überzeugung bedeuten, sondern auch ein starkes Signal an die Finanzmärkte: dass Kryptowährungen endgültig im Kern des globalen Finanzsystems angekommen sind.
Paradigmenwechsel oder Kontinuität?
Ob Greg Abel diesen Schritt wagt, bleibt offen. Möglich ist ebenso, dass Berkshire an der strikten Trennung zwischen produktiven Unternehmen und spekulativen Assets festhält. Doch allein die Tatsache, dass die Frage heute ernsthaft diskutiert wird, zeigt, wie sehr sich das Umfeld verändert hat.
Der Rücktritt Buffetts ist mehr als ein Personalwechsel. Er markiert den potenziellen Übergang von einer Ära des klassischen Value Investing in eine Phase, in der selbst die konservativsten Kapitalgiganten prüfen müssen, ob digitale Knappheit – in Form von Bitcoin – zu einer neuen Kategorie von Wertaufbewahrung geworden ist.


