Berichte über Streit im israelischen Kabinett und Warnungen vor der humanitären Lage im Gaza-Streifen
Der Gaza-Krieg liegt mittlerweile rund drei Monate zurück, doch scheinbar ist die Situation noch immer hochexplosiv. Bei einer Sitzung des israelischen Kabinetts ist laut Medienberichten ein heftiger Streit ausgebrochen. Grund dafür ist der Vorschlag des Generalstabschefs Herzi Halevi, eine Kommission einzusetzen, um mögliche Fehler der Armee im Zusammenhang mit dem Überraschungsangriff der islamistischen Hamas am 7. Oktober aufzudecken. Rechtsgerichtete Minister haben Halevi scharf angegriffen und sogar die Sitzung vorzeitig verlassen. Die Angelegenheit wurde daraufhin vertagt, obwohl eigentlich über die Zukunft des Gazastreifens diskutiert werden sollte. Die Berufung des ehemaligen Verteidigungsministers Schaul Mofas als Leiter der Untersuchungskommission hat zusätzlich für Proteste gesorgt. Rechtsextreme Minister fordern eine Wiederbesiedlung des Gebiets und eine dauerhafte Militärpräsenz, während Verteidigungsminister Joav Galant eine Verantwortungsübernahme der Palästinenser befürwortet.
Währenddessen warnen Hilfsorganisationen erneut vor der katastrophalen humanitären Lage im Gaza-Streifen. Ausländische Organisationen berichten von grausigen Zuständen in den wenigen Krankenhäusern, die noch arbeiten. Verletzungen durch Explosionen und Splitter sind an der Tagesordnung, und es gibt viele Fälle von traumatischen Amputationen von Armen und Beinen. Die zivilen Infrastrukturen, darunter auch Krankenhäuser, sind stark zerstört, und es fehlt an Treibstoff, Medikamenten, Narkosemitteln, Lebensmitteln und Trinkwasser. Das UN-Nothilfebüro OCHA gibt außerdem bekannt, dass seit Tagen keine dringend benötigte Hilfe in den Norden des Gaza-Streifens gelangt. Der Zugang wurde verzögert oder verweigert, und es wird dort weiterhin gekämpft. Besonders alarmierend ist die Lage für Minderjährige, von denen laut UN-Kinderhilfswerk Unicef 90 Prozent nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt sind. Zudem ist die Zahl der Durchfallerkrankungen stark angestiegen.
Augenzeugen im südlichen Gazastreifen berichten von schweren Gefechten, die in der Gegend der Stadt Chan Junis stattfinden. Es sind laufend schwere Detonationen und Schüsse zu hören. Die israelischen Truppen rücken weiter in die Flüchtlingslager Nuseirat, Bureidsch und Maghasi vor. Die Bewohner fliehen in andere Sicherheitsgebiete, oft nur mit prekären Unterkünften aus Plastikplanen. Die Situation ist äußerst angespannt, nicht zuletzt durch die Tötung des Hamas-Anführers Saleh al-Aruri in Beirut. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hat Vergeltung angekündigt und betont, dass der Libanon bloßgestellt wäre, wenn es keine Reaktion auf diese Tötung gäbe.
Die Eskalation der Lage im Gaza-Streifen und die zerrütteten Beziehungen zwischen Israel und der Hamas sorgen weiterhin für Unruhe in der Region. Die humanitäre Krise verschärft sich zunehmend, und auch politische Streitereien innerhalb der israelischen Regierung tragen nicht zur Lösungsfindung bei. (eulerpool-AFX)

