Baywa: Chefwechsel in turbulenten Zeiten
Der finanzschwache Münchner Mischkonzern Baywa trennt sich unerwartet von seinem Vorstandsvorsitzenden Frank Hiller nach weniger als einem Jahr im Amt. Der Aufsichtsrat gab bekannt, dass Hiller zum 31. Juli das Unternehmen im "gegenseitigen Einvernehmen" verlassen wird, wobei er seine Aufgaben mit sofortiger Wirkung niederlegt. Grund seien verschiedene Ansichten über die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Einen direkten Nachfolger gibt es nicht – die verbleibenden Vorstandskollegen übernehmen seine Aufgaben.
Der bestehende Sanierungsplan, der eine Stabilisierung des Konzerns bis 2028 vorsieht, bleibt davon unberührt. Aufsichtsratsvorsitzender Gregor Scheller betonte die ungebrochene Entschlossenheit, den Restrukturierungskurs fortzusetzen. Das bisherige Zusammenspiel von Hiller, der die Neuausrichtung steuern sollte, und Sanierungschef Michael Baur, scheint nicht reibungslos funktioniert zu haben. Dies hatte bereits frühzeitig die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ angedeutet, und der Aufsichtsrat traf sich mehrfach, um die Situation zu bewerten.
Baywa, verantwortlich für den wichtigen Agrarhandel im Süden und Osten Deutschlands, hatte im Sommer 2024 wegen enormer Zinslasten von 5,4 Milliarden Euro Krediten in finanzielle Turbulenzen geraten. Der Sanierungsplan strebt an, vier Milliarden dieser Verbindlichkeiten abzutragen und etwa zwei Drittel der Nicht-Kerngeschäfte zu veräußern, darunter viele der in den 2010er Jahren erworbenen Auslandstöchter. Auch die Belegschaft steht vor radikalen Einschnitten: Von rund 23.000 Mitarbeitern sollen laut Plan nur etwa 8.000 verbleiben, wodurch sich die Baywa künftig wieder stärker auf den deutschen Markt konzentrieren wird.

