Agrar

Bauern hindern Minister Habeck am Verlassen einer Fähre

04. Januar 2024, 22:26 Uhr · Quelle: dpa
Im Dezember erregten Landwirte mit Tausenden Traktoren in Berlin viel Aufmerksamkeit für ihre Kritik an der Bundesregierung. Ab Montag wollen sie wieder protestieren. Manche konnten nicht so lange warten.

Berlin (dpa) - Der Bauernverband trägt seinen Frust über die Bundesregierung seit der Vorweihnachtszeit auf die Straße, ab Montag wollen die Landwirte nun mit einer Aktionswoche auf ihre Lage aufmerksam machen. Wütende Bauern haben Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) aber schon heute in Schlüttsiel in Schleswig-Holstein am Verlassen einer Fähre gehindert. Sie blockierten den Anleger, wie ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Habeck, der auch Wirtschaftsminister ist, habe deshalb wieder auf die Hallig Hooge zurückkehren müssen.

Eine Sprecherin Habecks sagte der dpa, der Minister sei gerne bereit gewesen, mit den Landwirten zu sprechen. «Leider ließ die Sicherheitslage ein Gespräch mit allen Landwirten nicht zu, das von Minister Habeck gemachte Gesprächsangebot mit einzelnen Landwirten wurde leider nicht angenommen.»

Die Bauern sind empört wegen dem von der Ampel-Koalition geplanten Abbau von Subventionen. Heute reagierte die Bundesregierung dann auf die massiven Bauernproteste: Die Koalition will auf die Abschaffung der Kfz-Steuerbefreiung für die Landwirtschaft verzichten. Die Abschaffung der Steuerbegünstigung beim Agrardiesel soll gestreckt und in mehreren Schritten vollzogen werden, wie der Sprecher der Bundesregierung in Berlin mitteilte. Der Deutsche Bauernverband hält die Maßnahmen aber für unzureichend - und hält an einer ab Montag geplanten Aktionswoche fest.

Wie groß wird der Bauernprotest? Noch viele Fragen offen

Verbandspräsident Joachim Rukwied fordert die Regierungskoalition aus SPD, Grünen und FDP zur Rücknahme von Einsparplänen beim Agrardiesel und der Kfz-Steuer auf. Am Donnerstag verkündete Nachbesserungen seitens des Bundes hält er für unzureichend. Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) will sich kommende Woche den Protesten anschließen.

In den sozialen Netzwerken hat die geplante Aktionswoche bereits für viel Aufregung gesorgt. «Der Deutsche Bauernverband distanziert sich aufs Schärfste von Schwachköpfen mit Umsturzfantasien, Radikalen sowie anderen extremen Randgruppe, die unsere Aktionswoche kapern und unseren Protest für ihre Anliegen vereinnahmen wollen», schrieb der Bauernverband bei Instagram. Ein Generalstreik, von dem in den Netzwerken die Rede ist, ist in Deutschland rechtlich so gut wie unmöglich. Sowohl im Bauernverband als auch im BGL sind Arbeitgeber organisiert - sie können zu einem Protest aufrufen, ein rechtlich geschützter Streik ist das dann aber nicht.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur anstehenden Aktionswoche:

Was genau plant der Bauernverband?

Als Reaktion auf die Sparpläne der Bundesregierung hat der Verband zu einer Aktionswoche ab dem 8. Januar aufgerufen. Sie soll am 15. Januar in einer Großdemonstration in Berlin gipfeln. Was genau an den einzelnen Tage passieren wird, ist bisher im Detail offen. Für Montag sind etwa Kundgebungen und Sternfahrten angekündigt.

Die Bundesregierung wollte den Landwirten Steuervergünstigungen beim Agrardiesel und der Kraftfahrzeugsteuer streichen, um Löcher im Haushalt zu stopfen. Am Donnerstag kündigte sie an, die geplanten Kürzungen der Subventionen teilweise wieder zurückzunehmen. Die Kfz-Steuerbefreiung soll demnach bleiben. Die Abschaffung der Steuerbegünstigung beim Agrardiesel werde nicht in einem Schritt vollzogen, hieß es.

Besänftigen ließen sich die Landwirte davon nicht. «Dies kann nur ein erster Schritt sein», betonte Rukwied. «Unsere Position bleibt unverändert: Beide Kürzungsvorschläge müssen vom Tisch.» An der Aktionswoche halte der Verband fest.

Bereits vor Weihnachten demonstrierten Landwirte gegen die Pläne, teilweise kam es dabei zu Behinderungen des Verkehrs. «Die Steuererhöhungspläne der Bundesregierung müssen zurückgenommen werden», forderte Verbandspräsident Joachim Rukwied zuletzt. Bei einem großen Protest am 18. Dezember in Berlin kamen nach Verbandsangaben mehr als 3000 Trecker in die Hauptstadt, die Polizei sprach von 1700 Traktoren.

Was planen die Spediteure?

Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung fordert Entlastungen bei der Maut und beim Diesel-Kraftstoff und mehr Geld für Straßen, Brücken und Parkplätze. Der Verband will sich daher den Aktionen der Bauern anschließen. «Wir beginnen die Aktionswoche am 8. Januar mit Demonstrationen in den Landeshauptstädten», hieß es. Auch hier fehlen bisher Details.

Welche Auswirkungen sind zu erwarten?

Das ist angesichts der noch lückenhaften Informationslage schwierig abzuschätzen - ein großes Chaos auf den Straßen ist aber bisher nicht absehbar. Voraussichtlich wird es vereinzelt und regional zu Beeinträchtigungen kommen, vor allem Demonstrationen mit Traktoren erzeugen in der Regel allein wegen der Größe der Gefährte viel Aufmerksamkeit und tendenziell auch Staus. Es ist auch möglich, dass die Landwirte mit den Traktoren vereinzelt Straßen blockieren werden. Große Auswirkungen für den Alltag der meisten Menschen in Deutschland sind aber nicht zu erwarten.

Welche Rolle spielt dabei die Lokführergewerkschaft GDL?

Die GDL steckt aktuell in schwierigen Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn und wird absehbar in den nächsten Tagen zu einem längeren Streik auf der Schiene aufrufen. Mit den Plänen von Bauern und Spediteuren hat das aber nichts zu tun, es gibt lediglich eine zufällige zeitliche Überschneidung. Auch die Ziele der Organisationen sind völlig unterschiedlich: Der GDL geht es um mehr Geld für gut 10.000 DB-Beschäftigte, nicht um Kritik an der Ampel-Regierung.

Ob Aktionen der Bauern zeitgleich zu einem GDL-Streik für Chaos im Verkehr sorgen, ist ebenfalls völlig offen und hängt von den genauen Plänen der beiden Organisationen ab - die im Detail aber noch nicht bekannt sind.

Generalstreik - ist das in Deutschland überhaupt möglich?

Nein, Generalstreiks sind in der Bundesrepublik so gut wie ausgeschlossen und der Begriff für die anstehenden Ereignisse fehl am Platz. Das Streikrecht ist in der Bundesrepublik ein hohes Gut. Entscheidend ist dabei aber, dass sich der Streik auf den Abschluss eines Tarifvertrags bezieht, nicht auf politische Ziele oder Ideen. «Die Rechtsprechung in Deutschland sagt klar, dass für politische Ziele Streiks nicht möglich sind. Auch Generalstreiks für politische Ziele sind ausgeschlossen», sagte Ernesto Klengel vom Hugo Sinzheimer Institut für Arbeits- und Sozialrecht der Deutschen Presse-Agentur.

Bei Streiks für Tarifverträge sind die Teilnehmer rechtlich geschützt, ein solcher Arbeitskampf darf beispielsweise nicht als Kündigungsgrund angeführt werden. Bei Protesten oder Demonstrationen während der Arbeitszeit gilt dieser Schutz nicht. Wer also kommende Woche die Arbeit niederlegt, um sich mit den Bauern gegen die Politik der Bundesregierung zu solidarisieren, riskiert Konsequenzen.

«Man kann, auch als Unternehmerverband, natürlich zu Demonstrationen aufrufen. Rechtlich ist das aber eine ganz andere Ebene als ein Streik», erklärte Klengel. «Ein unrechtmäßiger Streik oder Generalstreik könnte für die Verbände Schadenersatzforderungen zur Folge haben. Deswegen distanzieren sie sich wahrscheinlich gerade von dem Begriff.»

Agrar / Demonstrationen / Subventionen / Haushalt / Bauernprotest / Ampel / Robert Habeck / Deutschland / Fragen & Antworten
04.01.2024 · 22:26 Uhr
[13 Kommentare]
Wetter in Berlin
Berlin (dpa) - Kultur und Kunst im Überfluss, günstige Mieten und bei aller Atemlosigkeit eine gewisse «Jemütlichkeit» im Kiez – dieses Versprechen Berlins an die Republik gehört aus Sicht vieler Hauptstädter der Vergangenheit an. Vor der Wahl des Landesparlaments an diesem Sonntag bestimmt der oft raue Alltag in der größten Metropole zwischen Paris und […] (00)
vor 29 Minuten
Myles Kennedy will künstliche Intelligenz nicht zum Schreiben seiner Songs verwenden.
(BANG) - Myles Kennedy will künstliche Intelligenz nicht zum Schreiben seiner Songs verwenden. Der Alter-Bridge-Frontmann empfindet den kreativen Prozess als einen der erfüllendsten Teile seiner Arbeit und sieht keinen Grund, sich diese Erfahrung von KI wegnehmen zu lassen. In der SiriusXM-Sendung 'Trunk Nation With Eddie Trunk' machte Kennedy seine […] (01)
vor 13 Stunden
Symbolbild Künstliche Intelligenz
Berlin (dpa) - Die Digitalwirtschaft hat sich zu einem der stärksten wirtschaftlichen Pfeiler in Deutschland entwickelt und stellt traditionelle Industriezweige mittlerweile deutlich in den Schatten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) und des Mannheimer Forschungsinstituts ISTARI.AI. Demnach […] (00)
vor 1 Stunde
Eiserne Demokratie bringt frisches Arsenal — Helldivers 2 erweitert Loadouts
Am 22. September erhalten Helldiver auf PlayStation 5, PC und Xbox Series mit der neuen Premium-Kriegsanleihe „Eiserne Demokratie“ Zugriff auf eine Vielzahl neuer Waffen und Ausrüstungsgegenstände für den intergalaktischen Krieg. „Kriegsanleihen” sind ein Live-Service in Helldivers 2, der Zugriff auf zahlreiche freischaltbare Inhalte bietet. Die […] (00)
vor 9 Stunden
Tyler Perry holt sich nächsten Hit
Bei den englischsprachigen Serien ist «The Gentlemen» weiterhin auf dem ersten Platz. Guy Ritchies aristokratische Unterwelt ist zurück, und das Publikum ist begeistert. Staffel 2 von The Gentlemen kletterte mit 9,9 Millionen Aufrufen auf den ersten Platz der englischen TV-Liste. Die Zuschauer holten auch die erste Staffel der stilvollen Serie nach, wodurch diese mit 5,5 Millionen Aufrufen auf […] (00)
vor 6 Stunden
Lionel Messi
Buenos Aires (dpa) - Nach seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft könnte Lionel Messi doch noch zu einem weiteren Einsatz für Argentinien kommen. Trainer Lionel Scaloni nominierte den 39 Jahre alten Superstar in seinen Kader für drei anstehende Freundschaftsspiele. Verbandspräsident Claudio Tapia sagte, Messi habe die Einladung für das Duell mit […] (02)
vor 6 Stunden
btc, bitcoin, cryptocurrency, currency, crypto, gold, digital, blockchain, cryptography, 3d
Händler bereiten sich auf eine seltene Phase synchronisierter Zinserhöhungen vor, da sowohl die Federal Reserve als auch die Bank of Japan (BOJ) innerhalb von 48 Stunden ihre Zinsen anheben könnten. Die Fed wird ihre Entscheidung am Mittwochnachmittag bekanntgeben, wobei die Futures-Märkte eine über 80%ige Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung um einen […] (00)
vor 1 Stunde
03.10.2026 ab 20 Uhr Konzert mit Siggi Schwarz & Band
Gundelfingen, 15.09.2026 (lifePR) - Gitarrenmeister Siggi Schwarz, der zu Deutschlands prägenden und bekanntesten Gitarristen zählt und seine internationale, hochkarätige Band interpretieren die Musik von Gary Moore auf eine einzigartige, besondere und begeisternde Art und Weise. Im Vordergrund steht die gefühlvoll und virtuos gespielte Gitarre von […] (00)
vor 13 Stunden
 
Trump attackiert "negative Kräfte" – Warnt vor AI-Hysterie am Finanzmarkt
Präsident schießt gegen AI-Kritiker – Marktturbulenzen drohen Donald Trump hat am […] (00)
Illegaler Goldabbau im Amazonas
Rio de Janeiro (dpa) - In der brasilianischen Amazonasregion sind die Gebiete indigener […] (00)
Das 313-Millionen-Euro-Desaster: Wenn grüne Politik zur Festungshaft wird
Nordrhein-Westfalen plant die Errichtung einer gigantischen Abschiebehaftanstalt. Auf […] (02)
Autos
München (dpa) - Ungeachtet der hohen Spritpreise haben in der Sommerreisezeit noch […] (00)
Olympiastadion
Budapest/Thessaloniki/München (dpa) - Kurz vor der Entscheidung über den deutschen […] (02)
Stabileres Schnellladen: Zellulose und Zeolith lösen altes Problem der Lithium-Metall-Akkus
Lithium-Metall-Akkus gelten seit Jahren als vielversprechender Nachfolger heutiger […] (01)
Marvel’s Wolverine ist ab sofort verfügbar
Marvel’s Wolverine von Insomniac Games und Marvel Games ist ab sofort exklusiv für […] (00)
Trump plant radikale Kehrtwende 2028: Was "Liberation Day 2.0" für Ihre Geldanlage bedeutet
Das Comeback mit Ankündigung: Trumps "Liberation Day 2.0" Das politische […] (01)
 
 
Suchbegriff