Nahost

Baerbock: Unterstützung für libanesische Armee wird erhöht

10. Januar 2024, 18:11 Uhr · Quelle: dpa
Die Spannungen zwischen Israel und der vom Libanon aus operierenden Schiitenmiliz Hisbollah nehmen zu. Die deutsche Außenministerin versucht zu deeskalieren. Zeitgleich werden israelische Häuser beschossen.

Beirut (dpa) - Deutschland stellt dem Libanon angesichts der wachsenden Spannungen zwischen Israel und der Schiitenmiliz Hisbollah weitere 15 Millionen Euro zur Verfügung, um die Armee des Landes besser aufzustellen.

Das Geld solle dafür sorgen, dass die libanesischen Soldaten an der Grenze zu Israel im Süden des Landes besser für Sicherheit sorgen könnten, sagte Außenministerin Annalena Baerbock beim Besuch der UN-Beobachtermission Unifil in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Die Grünen-Politikerin rief sowohl die Hisbollah als auch Israel zur Deeskalation auf, um einen Flächenbrand in der Region zu vermeiden.

Hintergrund der Auseinandersetzungen

Seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen am 7. Oktober haben auch die Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon im Grenzgebiet beider Länder deutlich zugenommen. Die vom Iran unterstützte und mit der Hamas verbündete Hisbollah feuert aus dem Libanon vermehrt Geschosse auf Israel ab.

Israel reagiert darauf meist mit Angriffen auf Hisbollah-Stellungen im Libanon. Auslöser des Gaza-Kriegs war der beispiellose Überfall der Hamas und anderer palästinensischer Terrorgruppen auf Grenzorte in Israel am 7. Oktober.

Baerbock: Handlungsfähige Armee unverzichtbar

Je stärker Unifil unterstützt werde, «desto stärker kann unser gemeinsamer Beitrag zu einer Deeskalation sein», sagte Baerbock. Eine gut ausgestattete und ausgebildete libanesische Armee, deren Soldaten wie in jeder anderen Armee bezahlt würden, «ist genauso wichtig wie eine handlungsfähige libanesische Regierung».

Dies sei unverzichtbar, um wirksame Kontrolle über libanesisches Territorium auszuüben und bewaffnete Milizen und Terrororganisationen einzudämmen. Dabei sei die Zusammenarbeit der Unifil mit der libanesischen Armee zentral.

Mit den 15 Millionen Euro soll etwa die Beschaffung von Treibstoff bezahlt werden. Es geht aber auch um mittelfristige Maßnahmen, etwa eine bessere Grenzüberwachung auf der Landseite. Die Aufstockung erfolge in enger Abstimmung mit internationalen Partnern, insbesondere den USA, Frankreich und Großbritannien, hieß es. Sie sei auch mit Israel abgesprochen.

Baerbock verlangt «maximale militärische Zurückhaltung»

Die Bundesaußenministerin forderte von allen Seiten eine «maximale militärische Zurückhaltung. Wir brauchen Deeskalation von allen Seiten.» Die Hisbollah müsse sich von der blauen Linie zurückziehen, der Demarkationslinie an der Grenze.

«Der Krieg in Gaza gegen die Hamas darf nicht zum Vorwand genutzt werden, eine weitere Front zu eröffnen und einen regionalen Krieg zu provozieren», warnte sie.

Zeitung: Israelische Häuser mit Panzerabwehrraketen beschossen

Die Schiitenmiliz Hisbollah im Südlibanon setzt nach einem Bericht der israelischen Zeitung «Haaretz» in ihrem Kampf gegen Israel ungewöhnlich viele Panzerabwehrraketen gegen Wohnhäuser ein. Diese Waffen wurden eigentlich zur Bekämpfung gepanzerter Fahrzeuge entwickelt und haben zwar nur eine relativ geringe Reichweite, können dafür aber sehr präzise vom Schützen ins Ziel gelenkt werden.

Die israelische Armee habe große Probleme, diese Waffen abzufangen, schrieb die Zeitung weiter. Hunderte Häuser in den seit Wochen evakuierten grenznahen Orten in Nordisrael wie Metula, Manara oder Avivim seien bereits von Geschossen aus dem Libanon getroffen oder von den Druckwellen israelischer Artillerie beschädigt worden, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Bewohner. Die Menschen hätten Angst und könnten nicht in ihre Heimatorte zurück.

Pufferzone seit Ende 2006

Bereits mit Ende des zweiten Libanon-Krieges 2006 war eine Pufferzone im Südlibanon eingerichtet worden. Die UN-Resolution 1701 verbot den Einsatz libanesischer Hisbollah-Milizen südlich des Litani-Flusses, dem Grenzgebiet zu Israel. Das libanesische Militär sollte im Südlibanon stationiert werden. Die israelischen Truppen wiederum mussten sich hinter die Blaue Linie - die Grenze - zurückziehen.

Israel fordert den Rückzug der Hisbollah gemäß der Resolution 1701 nördlich des Litani-Flusses, der etwa 30 Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Bisher hat die Hisbollah dem nicht zugestimmt.

Älteste aktive UN-Blauhelmmission

Unifil überwacht seit 1978 das Grenzgebiet zwischen Israel und dem Libanon. Der Blauhelmeinsatz gilt als eine der ältesten aktiven UN-Beobachtermissionen. Gegenwärtig sind etwas mehr als 10 000 Soldaten am Einsatz beteiligt. Die Bundeswehr ist aktuell mit rund 200 Soldaten bei der Mission dabei, das Mandat lässt bis zu 300 zu.

Besuch auf der deutschen Fregatte «Baden-Württemberg»

Im Hafen von Beirut informierte sich Baerbock auf der deutschen Fregatte «Baden-Württemberg» über die Arbeit der Bundeswehrsoldaten. Das Schiff ist mit rund 120 Soldaten seit dem 20. Oktober im Unifil-Einsatz.

Die Mission soll die libanesische Regierung dabei unterstützen, die Seegrenzen zu sichern und den Waffenschmuggel über See zu verhindern. Für das 2019 in Dienst gestellte Schiff des neuen Fregatten-Typs F125 ist es der erste Einsatz überhaupt.

Weiterflug auf die Philippinen

Am Nachmittag will die Bundesaußenministerin nach Südostasien weiterreisen. Baerbock will angesichts des immer aggressiveren Auftreten Chinas in der Region für eine engere Kooperation mit Partnern in Südostasien werben.

«Die Freiheit der Seewege, die Sicherheit von Lieferketten und damit die globale Wirtschaftsentwicklung stehen hier auf dem Spiel – in einem Gebiet, durch das ein Drittel des globalen Seehandels fließt», warnte die Grünen-Politikerin vor ihrem Abflug aus dem libanesischen Beirut.

In den vergangenen Jahren ist es immer wieder zu Zwischenfällen zwischen China und den Philippinen im Südchinesischen Meer gekommen. Es geht neben geopolitischen Fragen um Fischgründe, Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas, sowie um die Sicherheit der Seewege.

Baerbock kündigte auch an, mit den Philippinen noch enger beim Klimaschutz zusammenarbeiten zu wollen. Großes Potenzial berge auch die Fachkräftekooperation. Tausende philippinische Pflegekräfte leisteten in Deutschland unverzichtbare Arbeit.

Politik / Bundesregierung / International / Diplomatie / Konflikte / Annalena Baerbock / Hisbollah / Hamas / Deutschland / Israel / Palästinensische Gebiete / Libanon
10.01.2024 · 18:11 Uhr
[7 Kommentare]
Sepp Müller (Archiv)
Berlin - Nach der Entscheidung von CDU, SPD und FDP in Sachsen-Anhalt für einen vorzeitigen Wechsel an der Regierungsspitze verteidigt Sepp Müller, CDU-Landesgruppenchef im Bundestag und Fraktionsvize, den Schritt trotz der Landtagswahl am 6. September 2026. Der Wechsel von Ministerpräsident Reiner Haseloff zu Wirtschaftsminister Sven Schulze komme nicht zu spät: "Nein, das ist genau richtig", […] (00)
vor 10 Minuten
Erneuter Rekord: Wärmeaufnahme der Ozeane ist höher als jemals zuvor gemessen
Die Ozeane gelten seit Langem als eine Art Stoßdämpfer des Klimasystems. Ein Großteil der zusätzlichen Wärme, die durch den menschengemachten Treibhauseffekt entsteht, verschwindet nicht in der Atmosphäre, sondern wird von den Weltmeeren aufgenommen. Neue Messdaten zeigen nun, dass diese Wärmespeicherfunktion ein bislang unbekanntes Ausmaß erreicht hat. Die globale Ozeanwärme hat erneut einen Rekordwert überschritten – mit Folgen, die weit über […] (01)
vor 18 Stunden
Wikipedia-Logo
San Francisco/Berlin (dpa) - Wikipedia wird 25 Jahre alt. Am 15. Januar 2001 ging das Onlinelexikon unter www.wikipedia.com ins Netz. Die beiden Gründer Jimmy Wales und Larry Sanger wollten ihre von professionellen Autoren verfasste Online-Enzyklopädie Nupedia eigentlich nur durch ein Mitmachprojekt ergänzen. Doch während das Profi-Projekt kaum von der Stelle kam und 2003 eingestellt wurde, wuchs […] (00)
vor 1 Stunde
Survival-Horror Cakey’s Twisted Bakery jetzt für PS4 & PS5 erhältlich
Seit dem 8. Januar ist Cakey’s Twisted Bakery für PlayStation 4 und PlayStation 5 verfügbar. Entwickelt von dem Zweierstudio TinyMindz, ist dieses auf Schleichen basierende Survival-Horrorspiel ein Kampf ums Überleben in einer verdrehten Bäckerei, die von düster-süßen Monstern bewohnt wird. Cakey’s Twisted Bakery wurde zuvor für PC, Xbox One und Xbox Series X|S veröffentlicht. Cakey’s Twisted […] (00)
vor 11 Stunden
Little Dot Studios Deutschland baut Führungsteam aus
Mit zwei neu geschaffenen Schlüsselpositionen stärkt das Unternehmen seine Strategie-, Distributions- und Netzwerkkompetenz. Little Dot Studios Deutschland richtet sich personell neu aus und besetzt zwei zentrale Führungspositionen. Marco Wagner übernimmt ab sofort die Rolle des Head of Distribution & Content Strategy, Thomas Konnerth wird Head of Network Germany. Mit den Beförderungen will die Social-Media-Agentur mit angeschlossenem digitalen […] (00)
vor 1 Stunde
Los Angeles Clippers - Charlotte Hornets
Los Angeles (dpa) - James Harden hat den legendären Shaquille O'Neal in der NBA-Scorerliste überholt. Der 36 Jahre alte Basketball-Profi der Los Angeles Clippers erreichte den Meilenstein mit einem verwandelten Dreier im Heimspiel gegen die Charlotte Hornets. Harden steht nun auf Rang neun der Punkte-Bestenliste vor O'Neal. Der Center war in 1.207 NBA-Spielen auf 28.596 Punkte gekommen. Bester […] (00)
vor 42 Minuten
btc, bitcoin, coin, cryptocurrency, crypto, finance, trader, currency, money, btc, crypto, crypto, trader, trader, trader, trader, trader
Monero (XMR) hat einen bedeutenden Meilenstein erreicht, indem es die $600-Marke überschritten und ein neues Allzeithoch von $611,01 erreicht hat. Ein erfahrener Trader sieht Parallelen zur historischen Entwicklung von Silber und prognostiziert eine mögliche starke Kursrallye. Monero erreicht neue Höchststände Am Montag übertraf Monero den restlichen Kryptomarkt mit einem Anstieg von fast 21 % und erreichte ein neues Allzeithoch. Die auf […] (00)
vor 48 Minuten
Nexus Uranium nähert sich entscheidender Phase
Lüdenscheid, 12.01.2026 (PresseBox) - Die Anhörung vor der Rohstoffbehörde ist der letzte Schritt im umfangreichen staatlichen Genehmigungsverfahren Nexus Uranium Corp. (ISIN: CA65345P2008 | WKN: A41PJQ), Nexus oder das Unternehmen, freut sich bekannt zu geben, dass im Anschluss an die am 6. Januar 2026 im Vorfeld der Anhörung […] (00)
vor 11 Stunden
 
winter, snow, trees, frost, winter landscape, nature, covered in snow
Dienstag, den 13. Januar 2026 – Nach den gestrigen Niederschlägen mit Schnee und Glatteis […] (01)
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - Die US-Regierung will Importe aus allen Ländern, die Geschäfte mit dem Iran […] (00)
Eisregen in Bayern
Düsseldorf/Mainz (dpa) - Nachdem sich die Wetterlage im Westen des Landes wieder beruhigt hat, […] (01)
Außenminister Wadephul in den USA
Washington (dpa) - Deutschland und andere Nato-Staaten werben für eine gemeinsame […] (01)
Xabi Alonso
Madrid (dpa) - Xabi Alonso ist nicht mehr Trainer von Real Madrid. So reagiert die spanische […] (02)
Arbeitsmarkt 2026: Warum für Jobsuchende ein Jahr mit Licht und Schatten bevorsteht
Arbeitslosigkeit bleibt auf hohem Niveau Die Talsohle ist erreicht – zumindest statistisch. So […] (00)
Quarantine Zone: The Last Check – Könnt ihr die Seuche aufhalten?
Das von Brigada Games entwickelte Quarantine Zone: The Last Check  ist ein apokalyptischer […] (00)
Nikki Glaser
(BANG) - Nikki Glaser wollte keine Scheu haben, bei den Golden Globes Prominente zu verspotten. […] (00)
 
 
Suchbegriff