Aufschwung für Autobranche: Handelskriegspause belebt europäische Aktienmärkte
Der Handelskonflikt zwischen den USA und China erlebt eine willkommene Abkühlung, die den europäischen Börsen deutliche Kursgewinne beschert hat — insbesondere den Autoaktien. Nach Verhandlungen in Genf kündigten beide Länder eine signifikante Reduzierung der gegenseitigen Zölle an. Die US-Abgaben auf Importgüter aus China werden von 145 auf 30 Prozent gesenkt, während die chinesischen Zölle auf US-Waren von 125 auf 10 Prozent fallen. Diese Änderung ist jedoch auf einen Zeitraum von 90 Tagen begrenzt, wie aus einer gemeinsamen Erklärung hervorgeht.
Der europäische Autobranchenindex erzielte am Mittag einen Anstieg von 3,6 Prozent. Damit notiert der Index wieder über der wichtigen 200-Tage-Linie, nachdem er zuvor Verluste von 25 Prozent hatte hinnehmen müssen. Der Börsenaufschwung folgt auf die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle im April, die eine Woche später für europäische Güter vorübergehend ausgesetzt wurden. Deutschland profitierte nun von der Deeskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China.
Im Dax verzeichneten Autohersteller wie Mercedes-Benz, BMW, Porsche AG und Volkswagen (VW) Kurssteigerungen von bis zu 5,3 Prozent. Noch deutlicher stieg Daimler Truck an, dessen Aktienkurs um 6,2 Prozent zulegte. Auch Traton, ein Konkurrent im MDax, zeigte mit einem Plus von 4,1 Prozent eine positive Entwicklung. Der Autohersteller Stellantis erzielte in der Eurozone mit einem Gewinn von 6,6 Prozent bemerkenswerte Kurszuwächse, während Renault um 2,1 Prozent im französischen CAC 40 zulegte.
Der deutsche Automobilsektor kann aufatmen, kommentiert Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Autoinstitut in Bochum. Besonders BMW und Mercedes, die SUVs in den USA produzieren und nach China exportieren, profitieren von dieser Entspannung. Analysten spekulieren nun, ob Japan der nächste Schwerpunkt der US-Verhandlungen wird, da japanische Exporte ebenfalls unter hohen US-Zöllen leiden. Mit starken US-Investitionen und Produktionsstätten könnte Japan gut in kommenden Verhandlungen positioniert sein.

