Auf Eis gelegt: Umweltschützer fordern Moratorium für LNG-Infrastruktur nach US-Vorstoß
Die Wogen der Umweltdebatte um die Energieversorgung Deutschlands gehen hoch. Verschiedene Umweltorganisationen und das Ostseebad Binz haben in einem gemeinsamen offenen Brief an den Bundeskanzler Olaf Scholz appelliert, aus Umwelt- und Klimaschutzgründen eine gründliche Inspektion des Aufbaus der Flüssigerdgasinfrastruktur in Deutschland zu veranlassen. Ein spezieller Fokus liegt dabei auf die Forderung nach einem unverzüglichen Baustopp des LNG-Terminals auf Rügen. Die beteiligten Verbände und Akteure um die Deutsche Umwelthilfe, deren Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner, betonen die Dringlichkeit ihrer Anliegen, indem sie auf ein ähnliches Moratorium in den Vereinigten Staaten verweisen. Die dortige Regierung unter Präsident Joe Biden hat kürzlich den Stopp weiterer LNG-Exportterminalgenehmigungen verfügt, um Auswirkungen auf Umwelt und Energiekosten genauer zu prüfen. In Deutschland ist man vor allem besorgt, dass die aktuellen Pläne nicht ausreichend hinterfragt werden und das Terminal auf Rügen sich zu einer Investitionsruine entwickeln könnte, wie Karsten Schneider, Bürgermeister von Binz, hervorhebt. Im Mittelpunkt steht dabei auch die Frage nach der Notwendigkeit der Terminals angesichts der vollen Gasspeicher und den aktuellen Energieimportzahlen, die einen vergleichsweise geringen LNG-Anteil ausweisen. Der Appell umfasst zudem eine Kritik am bestehenden LNG-Beschleunigungsgesetz und der aktivierten Alarmstufe des Notfallplans Gas, deren Aussetzung gefordert wird. Das Bündnis, dem neben der DUH auch BUND, DNR, Nabu, WWF, Greenpeace, das Umweltinstitut München und das Ostseebad Binz angehören, macht deutlich, wie kritisch die Energiepolitik und der Umgang mit klimapolitischen Herausforderungen überprüft werden muss. Der deutsche Plan zum Import und zur Verteilung von verflüssigtem Erdgas steht somit nicht nur auf dem heimischen Prüfstand, sondern auch im Kontext internationaler Energiepolitik und des damit verbundenen Umweltschutzes. Die Bundesregierung hat sich bisher auf die Bedeutung der Terminals auch für die Energieversorgung der Nachbarländer berufen, die keine eigenen Anlagen vorhalten. (eulerpool-AFX)

