Atomare Abschreckung: Europas Eigenständigkeit auf dem Prüfstand
Seit geraumer Zeit geistert die Überlegung eines europäischen Schutzschirms durch sicherheitspolitische Kreise. Diese Idee impliziert, dass die Atommächte Frankreich und Großbritannien mit ihrem nuklearen Arsenal nicht nur sich selbst, sondern auch die restlichen europäischen Nato-Mitglieder beschützen könnten.
Vor allem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat diesbezüglich Zeichen der Kooperation gesendet, die in Deutschland von Bundeskanzler Friedrich Merz mit Wohlwollen aufgenommen wurden. Jedoch steht einer intensiveren Zusammenarbeit ein entscheidender Punkt entgegen: Sowohl Frankreich als auch Großbritannien möchten die Hoheit über ihre Atomwaffen bewahren.
Dies kollidiert mit einer möglichen Führungsrolle Deutschlands, wie sie von Jens Spahn angeregt wird. Dessen ungeachtet bleibt Deutschland im Rahmen des Atomwaffensperrvertrags verpflichtet, keine eigenen Atomwaffen zu entwickeln. Die Auseinandersetzung mit der strategischen Frage, wie Europa seine Verteidigungsfähigkeit autonom gestaltet, muss folglich auch klären, wie mit dem Thema der nuklearen Abschreckung umgegangen werden soll.
Die Herausforderung besteht darin, sowohl nationale Interessen zu wahren als auch die gesamteuropäische Sicherheit nachhaltig zu gewährleisten.

