Asiatische Anleihemärkte ziehen Anleger an: Malaysia führt die Rangliste an
Anleger, die den US-amerikanischen Anleihemärkten den Rücken kehren, finden in Asien ein stabiles und lukratives Refugium. Besonders Malaysia erweist sich als attraktives Ziel für ausländisches Kapital.
In Ländern von Indonesien bis Indien erleben Staatsanleihen eine gesteigerte Nachfrage aus dem Ausland und sorgen so für Rückenwind in Märkten, die traditionell von einheimischen Investoren beherrscht werden. Der globale Marktstratege für den asiatisch-pazifischen Raum bei Invesco, David Chao, beschreibt das Umfeld für asiatische Investitionen als äußerst günstig.
Die Mischung aus monetärer Lockerung und Währungsaufwertung, die sich aus der Politik des damaligen US-Präsidenten Donald Trump und einem schwächelnden Dollar ergibt, bietet besondere Anreize, nachdem dies vier Jahre lang nicht der Fall war. Im letzten Monat verzeichneten malaysische Anleihen die größten ausländischen Zuflüsse seit 2014, rund 3,15 Milliarden US-Dollar.
Auch Indien und Indonesien zogen beachtliche Investitionen an. Unterschiede in der Inflation und den Leitzinsen zwischen Asien und den entwickelten Märkten wie den USA, Europa oder Japan machen asiatische Anleihen besonders attraktiv. Abgesehen von der Aussicht auf Kapitalsteigerungen durch Zinssenkungen und die Wertsteigerung von Währungen profitieren Anleger von den Höchstständen der Zinsen.
Nach Ansicht von Shah Jahan Abu Thahir von der Bank of America begünstigt der derzeitige Rückgang der US-Zinsen und der schwächere Dollar die Vermögenswerte der Schwellenmärkte. Statistiken belegen, dass ausländische Investoren in diesem Jahr bereits Anleihen in Höhe von 34 Milliarden US-Dollar gekauft haben, was den größten Betrag in den ersten fünf Monaten eines Jahres seit 2016 darstellt.
Experten erwarten, dass dieser Trend anhalten wird, solange die wirtschaftlichen und monetären Rahmenbedingungen besser sowie stabiler als in den entwickelten Märkten bleiben. Laut Sue Lee von der Citi Group gibt es in großen und kleinen Schwellenländern wie Thailand, Philippinen, Indonesien und Indien ein allgemeines Interesse an festverzinslichen Anlagen.
Indien ist dabei besonders aktiv, begünstigt durch eine Serie von Zinssenkungen, während Malaysia mit bevorstehenden Zinssenkungen lockt. In Thailand jedoch flüchteten Anleger, ausgelöst durch niedrige Renditen und den Einfluss von Handelszöllen.
Indonesische Staatsanleihen bieten im Vergleich zu US-Staatsanleihen attraktive Renditen, obwohl Bedenken hinsichtlich der fiskalischen Ausgaben und politischer Unsicherheiten die Begeisterung dämpfen. Malaysianische Anleihen bieten nach Ansicht von Abu Tahir mehr Wert, da ihre Zentralbank bislang noch keine Zinssenkung vorgenommen hat, trotz eines relativ starken Ringgit und eines verlangsamten Wachstums.
Ein traditionelles Hindernis für asiatische Anleihemärkte sind die eingeschränkten Liquiditätsmöglichkeiten, die bei schnellen Kapitalflüssen Preisschwankungen auslösen können. Jüngst führte ein Kapitalschub nach Hongkong zu einem Anstieg seiner normalerweise stabilen Währung.
Doch Analysten bleiben gelassen, da die Inflationsrate niedrig ist und die ausländische Beteiligung zurückhaltend bleibt.

